In der vom Wind verwehten Küstenwüste besuchte ich nach Bandurria eine weitere archäologische Stätte der Caral-Kultur. Diesmal erkundete ich die ebenfalls an der Zentralküste Perus gelegene präkeramische Fundstätte Vichama. Es folgt ein ausführlicher Bildbericht:

Der archäologische Komplex von Vichama liegt nördlich von Huaco am Eingang zur Siedlung von Végueta. Im Huarua-Tal gelegen weist Vichama mit seinen Informationstafeln und einem großen Parkplatz darauf hin, dass die Ausgrabungsarbeiten in der Stadtanlage im Vergleich zu Bandurria weit fortgeschritten sind. Dies wird durch eine Reihe von Materialfunden der letzten Jahre gestützt: farbige Lehmskulpturen in einem Schilfkorb und reich mit Köpfen und Schlangen verzierte Fassadenreste wurden in den letzten Jahren ausgegraben.

Ähnlich wie in Bandurria und in Asperó gab es zu präkeramischen Zeiten üppig bewachsene Graswiesen und Weiden in der Küstenregion. Ein Besuch im Vichama-Komplex wird mit Hilfe eines lokalen Führers des peruanischen Ministeriums für Außenhandel und Tourismus durchgeführt.

Die Ausgrabungen am Nordhang des Halconcillo-Hügels, nur wenige Meter vom Meer und den landwirtschaftlichen Nutzflächen der Siedlung entfernt, begannen 2007 unter der Aufsicht von Dr. Ruth Shady, Museumsdirektorin der archäologischen Zone von Caral und werden seitdem ohne Unterbrechungen durchgeführt.

Der Name ‘Vichama’ ist nicht frei erfunden. Tatsächlich gab es in der Inka-Mythologie eine Legende über den “Todesgott”, welcher den Namen ‘Vichama’ trug. Vichama war der Sohn des Sonnen- und Schutzgottes Inti. Laut der Legende wurde seine Mutter von Vichamas Halbbruder Pachacamac ermordet, woraufhin sich Vichama nach Rache sehnte. Vichama verwandelte Pachacamacs Volk in Felsen und warf sie ins Meer. Ihre Überreste sind noch heute an der Küste gegenüber den Anden in Form von Inseln sichtbar. Nach dem Mythos brütete dann Vichama aus drei Eiern sterbliche Menschen.

Eines der interessanten Merkmale der mehr als viertausend Jahre alten Ausgrabungsstätte sind konservierte Überreste von Shicra-Taschen aus Totora-Schilf, die von Archäologen an den Fundamenten von Gebäuden entdeckt wurden.

Die Bewohner von Vichama schufen ihre beeindruckenden Bauwerke und glichen die Beben aktiv aus, indem sie die mit Steinen gefüllten, aus Schilf gewobenen Beutel aufeinander legten und in den Mauern verbauten.

Das in den Pyramiden gefundene Totora-Schilf ist ideal für verlässliche Radiokarbondatierungen.

Wie in der Stadt Caral haben auch hier Archäologen aus Kondor- und Pelikanknochen geschnitzte Flöten gefunden, welche die Bedeutung der Interaktion zwischen den Menschen und den Göttern durch Musik und spezifische Frequenzen von Geräuschen belegen.

Die präkeramischen Zivilisationen der Caral-Kultur bauten ihre Monumentalstrukturen hauptsächlich an der Küstenwüste aus Stein und sonnengetrockneten Lehmziegeln.

Von den monumentalen Strukturen und Konstruktionen, die auf dem 136 Hektar großen Gebiet erhalten geblieben sind, sind die aus der archaischen Zeit und aus der präkeramischen Epoche 3000-1800 v. Chr. von herausragender Bedeutung.

Der in den Boden eingelassene Hof ähnelt einem großen Amphitheater.

Laut Archäologen, die an der Ausgrabungsstätte arbeiten, zeigt die Hauptstruktur von Vichama Szenen, die die Rippen und Knochen abgebildeter Figuren zeigen. Diese erinnern uns an eine von Dürren und Hungersnöten geprägte Zeitperiode, die vor ca. 2000 Jahren durch Klimawandel und Wasserknappheit verursacht wurde.

Vichamas Wandgemälde und Lehmwandreliefe (auf dem Bild ein Frosch dargestellt) sind beeindruckend und zeigen die sehr wichtige skulpturale Vergangenheit der verschwundenen Zivilisation.

Im August 2018 fanden Archäologen ein fast drei Meter breites und ein Meter hohes skulpturales Wandrelief, auf dem unter anderem vier menschliche Köpfe und zwei Schlangen abgebildet sind. Während meines aktuellen Besuchs wollte ich auch dieses neue Lehmwandrelief besichtigen, allerdings arbeitet das Archäologenteam immer noch daran, die Funde zu reinigen und restaurieren. Deshalb muss ich die Darstellung mystischer Wesen auf einer Gebäudefassade mit einem zukünftigen Besuch in Vichama verbinden…

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