Während meiner Reise am Amazonas erreichte ich den entspanntesten Dschungel-Strandort der Welt. Im isolierten Alter do Chão besuchte ich einen der beeindruckendsten Süßwasser-Strände der Welt, der in der Regenzeit vollständig vom Klarwasser-Fluss des Rio Tapajós überflutet wird. Mit dem Fahrrad gelangte ich in die Kautschuk-Siedlung Belterra, wo ich Henry Fords utopisches Projekt kennenlernte. Am Ende meines Aufenthalts bewunderte ich exotische Vögel und tropische Tiere am engen Jari-Kanal, der den Amazonas und den Fluss Tapajós verbindet.

Nachdem ich die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas eingehend erkundet und auch die atemberaubende Vielfalt und die natürliche Schönheit der Regenwälder um Manaus kennengelernt hatte, betrat ich erneut ein Frachtschiff, um meine Abenteuer im Amazonasbecken in Brasilien fortzusetzen.

Der Ausflug in den engen Kanal Jari, der den Amazonas und den Tapajós verbindet, hat sich voll und ganz gelohnt.

Es fiel mir nicht schwer, erforderliche Transportmittel zu bekommen, da der Hafen voller Schiffe war, die darauf warteten, geladen zu werden. Eine separate Ticket-Agentur war geöffnet und auch das Dock war ständig mit privaten Verkäufern überflutet, die oft günstigere Tickets für eine öffentliche Amazonas-Reise verkauften. Ich habe mein Ticket von einer dieser Personen erworben.

Unterwegs am Amazonas habe ich zwischen Manaus und Santarém endlose saftig grüne Landschaft erlebt und habe mitbekommen, dass sich nicht nur Salvador de Bahia, Olinda und Rio de Janeiro, sondern auch das ganze Amazonasbecken auf die diesjährige vor der Tür stehende Karnevalszeit vorbereiten.

Die aktuelle 36-stündige Schifffahrt ging sehr schnell vorbei. Ich wirkte etwas müde, was wegen der langen Distanz zwischen Manaus nach Santarém ganz normal schien. In der überfüllten Hängematten-Abteilung hörte ich diesmal mehrere Ausländer sprechen, ich war also nicht der einzige Gringo auf dem Schiff.

Anstelle einer Schlafkabine übernachte ich auch diesmal beide Nächte in meiner Hängematte auf dem überfüllten Schiffsdeck.

Ich hörte mehrere Franzosen sprechen und erkannte auch zwei junge Männer, mit denen ich in der gleichen Unterkunft in Manaus war. Letztere sprachen neben Französisch auch eine andere Fremdsprache, die ich aus einer Entfernung von 3-4 Metern nicht ganz klar verstanden habe. Ich bin bald seit fünf Jahren in Lateinamerika unterwegs und in neun von zehn Fällen erkenne ich ohne eine Unterhaltung an den Kleidungsstücken, am Gesicht und am Rucksack die Nationalität einer Person. Wegen den beiden war ich jedoch eine Weile unsicher gewesen. Nach ein paar Minuten wurde mir aber klar, dass die andere Sprache neben Französisch Portugiesisch ist. Es war das in Portugal verwendete Standard-Portugiesisch, das sich völlig von der brasilianischen Sprachversion unterscheidet.

Die “Insel der Liebe” in der Mitte des grünblau schimmernden Tapajós-Gewässers ist einer der schönsten Süßwasser-Strände der Welt.

Als ich in Santarém ankam, beschloss ich, nicht in der hässlichen Großstadt mit fast 300.000 Einwohnern zu bleiben, sondern einen lokalen Bus nach Alter do Chão zu nehmen, dessen von Santarém 40 km entfernter Sandstrand im englischen “The Guardian” als einer der schönsten Süßwasser-Strände der Welt bezeichnet wurde. Zu meiner großen Überraschung kamen ungefähr eine Stunde nach meiner Ankunft auch die beiden Portugiesen zu meiner Unterkunft. Wir erkannten einander, unterhielten uns und planten nach einem schnellen Kennenlernen eine gemeinsame Fahrradtour für den nächsten Tag.

Die fabelhafte Ilha do Amor mitten im größten Regenwaldgebiet der Welt, fotografiert vom Aussichtspunkt der Serra da Piraoca.

Anstelle des berühmten und entzückenden Strandes, Ilha do Amor, stiegen wir nach einem herzhaften und proteinreichen Frühstück auf ein Fahrrad, um uns dem unter den Einheimischen bekannten und beliebten Strand “Praia do Pindobal” auf der belebten Feldstraße von Estrada do Pindobal zu nähern. Den Strandabschnitt seinen typischen strohgedeckten Hütten erreichten wir nach ca. 12 km kurvenreicher Strecke.

Pindobals offene Palmenhütten erwarten Urlauber am feinsandigen Strand von Rio Tapajós.

Wir alle bewunderten die abwechslungsreiche und regenwaldbedeckte Landschaft sehr, aber während meine Mitgefährten mit extremer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit zu kämpfen hatten, litt ich unter dem durch den Regen durchnässten Feldweg, auf dem mein Fahrrad mehrmals auf dem schlammigen, unebenen Gelände steckenblieb. In Pindobal tauchten meine neuen portugiesischen Bekannten ins warme grünblaue Wasser des Rio Tapajós ein, während ich am langen Strand spazieren ging, Vögel fotografierte und bis zum Mangrovenwald gelangte.

Nette kleine Schlange, die auf einem Zweig des prächtigen Mangrovenwaldes ruht.

Wir befanden uns im Bundesstaat Pará, wo in den tropischen Regenwäldern die exotische Cupuaçu-Frucht wächst. Die nach Schokolade und Ananas riechende, auch als „Großblütiger Kakao bekannte Frucht, schmeckt als Smoothie säuerlich und sehr aromatisch. Meine aktuellen Mitgefährten kannten die in Europa wenig bekannte Cupuaçu-Frucht nicht, also probierten wir es alle. Es war uns bewusst, dass wir definitiv noch mehr Energie brauchen werden, wenn wir mit unseren gemieteten Fahrrädern weiter nach Süden radeln, um die Stadt Belterra zu erkunden und kennenzulernen.

Das kleine Museum in Belterra wurde auf unseren besonderen Wunsch geöffnet. Wir lernten alte Werkzeuge und Maschinen kennen und bewunderten viele Schwarzweiß-Fotos und medizinische Journale aus der Zeit des Kautschukbooms in Brasilien.

Was muss man über Belterra wissen? Bekannt als einer der Pioniere der Automobilindustrie, war es Henry Ford, der während der Blütezeit von Detroit und Michigan versuchte, eine Kleinstadt mitten im Amazonas-Dschungel zu bauen. Ford hatte vor, unweit des Rio Tapajós Gummibäume zu pflanzen, Milchsaft von den Bäumen zu sammeln und dann Gummi zu produzieren.

Gepflegte Häuser im amerikanischen Stil fallen an der Hauptstraße von Belterra auf.

1926 begann die “Companhia Ford Industrial do Brasil na Amazônia” mit der Gründung von Fordlândia, das im brasilianischen Regenwald zu einer US-amerikanischen Kleinstadt wurde. Im Laufe der Jahre hat sich jedoch gezeigt, dass die von Ford erworbene Landfläche von ca. zehntausend Quadratkilometern nicht für den Kautschukanbau geeignet war. Der amerikanische Unternehmer errichtete daher ein neues Werk, ca. dreihundert Kilometer nördlich von Fordlândia. Das Gelände in Belterra war bereits flach, was die Mechanisierung der Landwirtschaft erheblich erleichterte. Zweitausend Menschen arbeiteten in Belterra, aber die massiven Plantagen versagten mit der Entwicklung von Synthesekautschuk enorm und 1945 gab die Ford Motor Company die künstlich geschaffenen Fabrikstädte und die über Nacht abgewerteten Standorte an Brasilien zurück. Nach einer ausführlichen Tour durch Belterra, einem üppigen Mittagessen und einem frisch gepressten Fruchtsaft fuhren wir mit unseren Fahrrädern zurück nach Alter do Chão, wo wir erst nach Sonnenuntergang ankamen.

Der ca. 40 Meter hohe Wassertank mit großer Kapazität wurde zur Zeit von Henry Ford in Belterra aufgestellt und in Verwendung gebracht.

Am nächsten Tag nahmen wir ein kleines Boot, um uns zum Strand des beliebten Ilha de Amors zu begeben und zum 110 Meter hohen Gipfel des Morro da Piraoca zu wandern. Letzterer ist von der “Insel der Liebe” aus in ca. 45 Minuten auf einem relativ einfachen Trampelpfad leicht zu erreichen. Das 360-Grad-Panorama auf das Amazonasbecken, den Fluss Tapajós und seine Buchten ist ein atemberaubendes Spektakel, das nicht mit Worten beschrieben werden kann. Vom Aussichtspunkt aus war ganz klar zu sehen, dass der berühmte Strand in einigen Wochen in der Regenzeit vom Hochwasser vollständig durchschwemmt sein wird.

Moqueca mista ist ein typisch brasilianischer Eintopf und wird aus Fisch, Meeresfrüchten und Kokosmilch gemacht.

Nach dem leckeren Abendessen warten wir mit meinen portugiesischen Bekannten auf den Sonnenuntergang.

Meine portugiesischen / französischen Kollegen reisten am nächsten Morgen schon früh über Santarém nach Belém. Ich entschied mich zu bleiben, um die beeindruckende Wasserwelt des Urwaldes des Tapajós in einem Motorboot zu erkunden. Mein brasilianischer Bekannter Marcio hatte zuvor zwei Vorschläge gemacht, um die vielfältige Flora und Fauna eines überfluteten Regenwaldes um Alter do Chão zu erleben.

Während meine Begleiter in der Laguna Verde schwimmen, erkunde ich die warme Gegend um den See und das Sumpfgebiet.

Marcio meinte entweder sollte ich eine Tour im wundervollen Naturschutzgebiet von FLONA (Floresta Nacional do Tapajós) buchen oder das überflutete Canal do Jari kennenlernen, wo man unterwegs und während einer Dschungeltour viele exotische Vögel und Tiere bewundern kann. Marcio vermutete, ich wusste sofort, dass ich den Jari-Kanal als Programm für meinen nächsten Tag auswählen würde. Da es Wochenende war, fand ich leicht einen Fahrer mit einem Motorboot, mit dem ich mich schnell auf einen fairen Preis einigte.

Feiner Sandstrand wunderbar eingebettet in grüne Vegetation mit Sträuchern und Bäumen.

Meine Begleiter am Folgetag waren ausschließlich Brasilianer, die sich an einem der typischen Pfahlhäuser für ein zweites Frühstück und einen Kaffee mehr interessierten als für einen verschwitzten Spaziergang im Regenwald mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Ganz fantastischer Sonnenuntergang von der Promenade von Alter do Chão.

Wir halten an einem der Pfahlhäuser am Jari-Kanal an.

Die dicke Luft hat mich überhaupt nicht gestört, da das Amazonas-Terrain voller erstaunlicher Tiere und Vögel war. Mit einem lokalen Landschaftsführer haben wir auf den ersten dreißig Metern gleich zwei Dreifinger-Faultiere in unmittelbarer Nähe entdeckt.

Wir bewundern fast ein halbes Dutzend Faultiere auf dem Trampelpfad im Dschungel.

Riesentagschläfer mit erstaunlichen Tarnfarben “verschmilzt“ mit seinem Ruheplatz.

Arasaris und Tukane flogen über unsere Köpfe hinweg. Kurz danach bemerkte ich auf einem der Äste den “Großmeister des Versteckens und Verdeckens”, nämlich einen Riesentagschläfer, der als Ast verkleidet war. Es war eine große Freude, da ich den ganz besonderen Vogel noch nie in einer natürlichen Umgebung beobachtet hatte.

Ein Rotstirn-Blatthühnchen inmitten des mit riesigen Riesenseerosen bedeckten Sees.

Mangrovenreiher kommen auch unter den Amazonas-Riesenseerosen vor.

Mit einem Besuch des Jari-Kanals und dem Riesentagschläfer krönte ich meine Tage Alter do Chão. Nachdem ich eine große Portion Açaí und Maniçoba (regionales Gericht mit Maniokblättern) gegessen habe, fühlte ich mich wieder vollständig aufgeladen. Die letzte lange Etappe am Amazonas darf folgen, es wartet auf mich die Stadt Belém und ihre Umgebung!

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