Ich habe schöne Tage in Natal verbracht, aber am Ende war ich sehr froh, daß es weiterging und ich den Lärm der Großstadt hinter mir lassen durfte. Ich wusste, daß in den nächsten Tagen entspannte Küstenstädte mit kilometerlangen, feinen Sandstränden und atemberaubenden Nationalparks auf mich zukommen werden.

Ich fuhr in den Norden weiter, um Canoa Quebrada (wortwörtlich das „zerbrochene Kanu“) wieder zu entdecken. Es war eine lange sechsstündige Anreise aus Natal nach Aracati, von dort erreichte ich von der schon bekannten Bushaltestelle mit einem Van das 12 km entfernte Touristenzentrum der Region.

Das Apartment für 1,50 Euro

Im Dezember 2015 hatte ich meine nette Unterkunft über einen einheimischen Italiener namens Marco gebucht. Diesmal wollte ich sehen, welche Optionen das Internet für mich bereithält.

Zu meiner großen Überraschung entdeckte ich eine Pousada mit vier Sternen für unglaubliche 1,50 Euro pro Nacht. Ich habe nicht lange gezögert und das Apartment sofort gebucht. Dann wartete ich auf die Rückmeldung des Hotels und war auf eine Fehlermeldung gefasst. Doch die Hotelangestellten bemerkten den Fehler erst am Vortag meiner Ankunft und informierten mich lediglich über nicht korrekte Kreditkartendaten. Ich habe die angeforderten (gleichen) Daten nochmals übermittelt und nach einigen E-mails hat das Hotel tatsächlich zugesagt und ich habe wirklich das Zimmer für den günstigen Preis bekommen. Zudem war die Pousada sogar so nett, mir ein noch größeres Apartment zum gleichen Preis zu überlassen.

Eigentlich ist es für mich zweitrangig, wo ich während meiner Weltreise schlafe, Hauptsache das Zimmer ist sauber. Nichts desto trotz freute ich mich auf die warme Dusche, das bequeme Bett und das reichhaltige Frühstück. Ja, auch das letztere war im Schnäppchenpreis enthalten.

Traumstrand Canoa Quebrada

In und um Canoa findet man kaum Palmenwälder, denn ähnlich wie in Pipa besteht der Strand eher aus einer sehr beeindruckenden roten Steilküste, welche durch den Stern und Halbmond, die von einem lokalen Künstler gestaltet wurden, weltberühmt ist. Auf diese zwei Symbole trifft man auch sonst überall in der Stadt.

Canoa Quebrada war eine Hippie-, und Aussteigergemeinde und wurde in den 1970er Jahren von Rucksacktouristen für den Tourismus entdeckt, die schnell Entspannung und Ruhe in der angenehmen und friedlichen Umgebung fanden. In den folgenden Jahren besuchten mehr und mehr lokale Touristen das alte Fischerdorf, auch die ersten Europäer schafften es bis nach Canoa.

1986 fand auch der Schweizer Jérome Bertrand Saunier seinen Weg zu diesem magischen Ort und machte Paragliding unter den Einheimischen bekannt. Seitdem hat sich Jérome in Canoa niedergelassen, einen Gleitschirmverein gegründet und den spektakulären Sport unter den Touristen populär gemacht. Diese strömen auch zahlreich herbei, denn die steile Küstenwand ist ein idealer Ausgangspunkt, um von oben nach unten loszulegen und die unglaubliche Landschaft zu beobachten. Ein Flug von etwa einer Viertelstunde mit dem Gleitschirm ist schon ab ca. 25 Euro zu haben.

Beliebter Ort bei Gleitschirmfliegern

Die einstige Fischersiedlung strahlt unter der Woche eine angenehme Ruhe aus. Es gibt im Vergleich zu Pipa wenige Backpacker und Hippies und das betriebsame Dorf konnte seinen alternativen Charme über die Jahre behalten.

Die Lage ändert sich aber gewaltig an den Wochenenden und zur Hochsaison. Dann brechen nämlich die Menschenmassen aus der Millionen-Metropole Fortaleza über die kleine Küstenstadt herein.

Zum Glück war meine neue Unterkunft nach der Erfahrung mit dem Vier-Sterne-Hotel abseits vom touristischen Teil der Stadt. Ich habe ein separates Zimmer in einem von Einheimischen geführten Hostel bekommen und durfte so zu meiner Freude das andere Gesicht von Canoa auch kennenlernen.

Nur ein Bruchteil der Einwohner Canoas lebt im touristischen Stadtteil, die meisten wohnen unter bescheidenen Bedingungen abseits von der Shopping- und Nightlife-Meile.

Unweit von meiner Unterkunft befand sich auch die Sanddüne für den magischen Sonnenuntergang. Von hier aus hat man ein 360 Grad Panorama auf die Stadt selber, die Vegetation drumherum und das Meer.

Versammlung von den Jeeps beim Sonnenuntergang

Der Abschied der Sonne war wieder sehr spektakulär und die die bezaubernde Stimmung wurde nur etwas von den Jeeps, die Horden von Touristen mit lauter Musik herbeigekarrt haben, getrübt.

Die Jeeps ermöglichen einen klassischen Zeitverbleib an den Stränden im Norden von Brasilien. Insbesondere in Canoa ist die berühmte Spazierfahrt mit dem Buggy durch die Dünenlandschaft ein Highlight jeder Pauschalreise.

Neben den Wüstensafaris mit den Buggys und der Option die Landschaft auf dem Rücken der Pferde zu erkunden, bietet die Region aber auch die Möglichkeit, eine Rundfahrt auf einer “Jangada”, dem traditionellen Fischerboot der Einheimischen, zu unternehmen.

Fahrt auf der “Jangada”, dem traditonellen Fischerboot

Ähnlich wie Pipa hat sich Canoa Quebrada bei Kite-, und Windsurfern einen Namen gemacht. In der endlos großen Bucht herrschen ideale Wind-, und Wasserbedinungen für die Ausübung dieser Sportarten.

Nicht nur die Surfer, sondern auch der Staat Ceará selber nutzt den Wind. So produzieren seit 2008 auch um Canoa Quebrada und im nahe gelegenen Aracati dutzende von Windkraftanlagen Energie.

Ceará ist derzeit der größte Windenergieproduzent in Brasilien. Die privilegierte geografische Lage entlang der langen und breiten Küste und die günstige Klimadifferenz bieten die notwendigen Voraussetzungen für den Erfolg neuer Energiequellen und um die Windenergie weitgehend zu nutzen.

Fahrt mit dem Jeep auf der Dünenlandschaft

Neben der Windenergie ist Ceará auch ein Pionier in Sachen Investitionen und Forschung, um Energie durch Sonnenlicht zu gewinnen.

Canoa Quebrada ist der erste Ort auf der Welt, wo die Windturbinenanlagen auf Sanddünen gebaut wurden. Die Installation dauerte etwa sechs Monate und es wird jährlich 17,5 Millionen kWh produziert – genug um den Strombedarf von 50.000 Menschen problemlos zu befriedigen.

Der Bundesstaat Ceará der 100% seines Energiebedarfs aus anderen Bundesstaaten importiert hat, hat sich vom Zustand der kompletten Energieabhängigkeit befreit. Gegenwärtig werden etwa 50% des Stromverbrauchs im gesamten Staat durch den Wind erzeugt.

Der Halbmond und der Stern, die Symbole von Canoa

Auf weitere Windturbinen und mehr Sanddünen werde ich auch im Nationalpark von Jericoacoara treffen. Ich freue mich auf die Rückkehr, denn Jeri ist zusammen mit dem Lençóis Nationalpark der schönste Fleck im Nordosten von Brasilien.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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