Nach einer vierzigstündigen Reise habe ich es nach Lençóis in den Nationalpark der Chapada Diamantina geschafft, wo mich die lokalen Wasserfälle erstaunt haben. Meine geplante dreitätige Wanderung zum Vale do Capão fällt wortwörtlich ins Wasser, denn die Natur verhindert meine Pläne.

Nach den tollen Tagen im Chapada das Mesas bin ich in Carolina in den Bus eingestiegen, um mit zwei Zwischenstops innerhalb von 24 Stunden die andere attraktive Hochebene des Landes die Chapanda Diamantina und deren historisch lohnendes Touristenzentrum Lençóis zu erreichen.

Das charmante Lençóis in den Bergen der Chapada Diamantina

Nach einer elfstündigen Fahrt kam ich in Palmas an und konnte ohne Probleme noch den Nachtbus nach Barreiras erreichen. Um sechs Uhr morgens bin ich in Barreiras, im Bundesstaat Bahia angekommen. Gutgläubig war ich der Meinung ich könnte es innerhalb des gleichen Bundesstaates locker ins Touristenparadies der Chapada schaffen. Allerdings musste ich enttäuscht feststellen, dass in eines der beliebtesten Reiseziele der Brasilianer täglich nur ein Bus von Barreiras verkehrt. Und zwar erst um 15 Uhr nachmittags.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als es entweder per Anhalter zu versuchen oder die neun Stunden bis zur Abfahrt nach Lençóis in Barreiras abzuwarten. Da ich schon ziemlich müde von der Reise war, entschied ich mich auf den Bus zu warten. Da aber Barreiras meines Wissens nach nicht die aufregendste Stadt Brasiliens ist, blieb ich die ganze Zeit auf dem Busbahnhof und in seiner Umgebung. Für weniger als 1 Euro sicherte ich mir Internet für den ganzen Tag und so verging die Zeit mit Weiterplanung meiner Reisen, Lesen und Musik hören schneller.

Glücklicherweise kam der Bus pünktlich, aber nichts desto trotz musste ich in Seabra nochmals umsteigen. So erreichte ich erst nach 40 Stunden Fahrt ziemlich erschöpft mein Quartier in Lençóis.

Ganz normales Bild im Chapada Diamantina: Fluss mit vielen Felsen

Die Region der Chapada Diamantina gehörte vor Jahrhunderten den Bergbauern und war einst die Hochburg der Diamanten-Schürfer. Heute ist es das beliebteste Reiseziel der Ökotouristen und der Naturliebhaber, die das Abenteuer in der naturbeschenkten Region lieben.

Der „Diamantencanyon“ befindet sich in der Serra do Sincora, im östlichen Teil des Plateaus, mit stark erodierter Struktur. Diese Landschaft umfasst Bergketten, Täler, Monolithen, Höhlen, Flüsse und Wasserfälle. Der Nationalpark ist von Norden nach Süden angelegt, seine durchschnittliche Breite beträgt 25 km. Die höchsten Teile erheben sich über 2000 m über den Meeresspiegel und bieten atemberaubende Ausblicke.

Die ersten Einwohner waren Indianer, gefolgt von den Portugiesen und den Afrikanern. Entflohene und frei geborene afrikanische Sklaven gründeten in der Chapada unabhängige Siedlungen, die man „Quilombo“ nannte. In der Anfangszeit prägten die Landwirtschaft und der Goldrausch die Region, gefolgt von Viehzucht und Kaffeeanbau.

Atemberaubend schöne Canyon-Landschaft

In der Diamanten-Epoche wurde die Königsstraße zwischen den nördlichen und südlichen Chapadas von Jacobina bis Rio de Contas gebaut. Dies war die offizielle Reiseroute, um das Gold zuerst in die Hauptstadt Bahias zu bringen und dann bis nach Europa zu verschiffen.

Der Goldabbau hat im Laufe der Jahre abgenommen, Jahrzehnte vergingen bis ein erneuter Rausch ausbrach. Dieses Mal waren es Diamanten, die in den Tafelbergen gefunden wurden. Erneut strömten zehntausende Menschen aus dem ganzen Land und aus Europa in die Region in der Hoffnung, ihren Gewinn aus der Natur zu ziehen. Es war die Zeit des Diamantenfiebers und so wurde Brasilien innerhalb kürzester Zeit der weltweit führende Diamantenproduzent.

Im Bundesstaat Bahia liegen die Diamantengebiete in den oberen Gewässern des Rio Paraguaçu, zwischen Serra da Chapada und Serra de Sincora. Der erste Diamant wurde 1755 im östlichen Teil der Serra da Chapada entdeckt, allerdings blühte die Produktion erst im 19. Jahrhundert auf. Dann jedoch übertraf es sogar den Bundesstaat Minas Gerais, wo man in Brasilien die ersten Diamanten fand.

Glanzvogel im Nationalpark

In der Chapada Diamantina hat die Siedlung Mucugê ihren Höhenpunkt durch die Diamantenfunde erfahren, aber die „Garimpeiros“, die lokalen Diamantensucher, entdeckten im Laufe der Jahre weitere Diamantenberge auch in Andaraí, Igatu und Lençóis.

In den 1870er Jahren begann der Diamantenrausch zu verebben, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde immer weniger glitzernde Steine aus den Wassern gesiebt, so ebbte dieses Fieber auch ab. Die Gegend verarmte und vereinsamte abermals. Kaum jemand war an der Region interessiert.

Lange Zeit verging und erst die Gründung des Nationalparks Chapada Diamantina im Jahr 1985 trug wieder dazu bei, daß der Tourismus heute zum wichtigsten Motor der lokalen Wirtschaft geworden ist.

Der Nationalpark befindet sich inmitten des trockenen Sertão (Hinterlandebenen). Das Gebiet um die schroffe Canyon-Landschaft ist eine wichtige Wasserquelle, eine Vielzahl von Flüssen entspringt hier. Diese Flüsse bilden unglaubliche sprudelnde Wasserfälle, die von den senkrechten Wänden der Berge herabdonnern. Im Laufe der Jahrhunderte haben die Flüsse der Region viele Höhlensysteme gebildet. Eine der berühmtesten ist die 24 km lange Lapa Doce, die fünftgrößte Höhle Brasiliens.

Versteckte Pfade, artenreiche Flora, Tafelberge, Sümpfe und unzählige Wasserfälle, unter denen gebadet werden darf, stehen hier auf dem Programm. Chapada Diamantina ist wie eine Oase im Outback. Viele dieser Orte wurden erst in diesem Jahrtausend entdeckt und warten noch immer auf ihre vollständige Erforschung.

Massive Felsenformationen im Canyon

Lençóis ist der logistische Ausgangspunkt für die ersten Unternehmungen der Naturliebhaber im Nationalpark, da man von den verschiedenen Punkten der charmanten Kleinstadt aus leicht die öffentlichen Wanderwege erreicht. Leider gibt es keine Markierungen, allerdings ist die Orientierung mit Hilfe von Apps und wegen der größeren Anzahl von Touristen eher unkompliziert.

Zuerst entdeckte ich die Wasserfälle in der Umgebung des Rio Lençóis. Hin und zurück dauerte die Runde ca. 4 Stunden. Im Gegensatz zum Chapada das Mesas ist es hier anders, man kann einfach nur zu einer der Stadtgrenzen laufen und man befindet sich schon innerhalb des Nationalparks. Hier gibt es unzählige rustikale Pfade, die durch herrliche Landschaftsszenarios und zu magischen Orten führen. Daher genoß ich jede Sekunde der neuen Bekanntschaft mit der Chapada Diamantina.

Durch den Cachoerinha-Pfad gelangte ich zum Aussichtspunkt, von wo aus man einen Teil des Nationalparks sehen kann und man einen malerischen Blick auf die Stadt hat. Der weiteste Punkt meiner ersten Tagestour war der zierliche Primavera Wasserfall mit einem sehr angenehmen, erfrischenden Bad und einer natürlichen Massage.

Cachoeira da Primavera

Glücklicherweise gibt es mehrere Möglichkeiten, nach Lençóis zurückzukehren. So habe ich auf dem Rückweg neue Sehenswürdigkeiten kennengelernt, unter anderem die natürlichen Schwimmbecken von Poço Halley und die Klippen von Salões de Areia Coloridas, von denen aus man einen spektakulären Blick auf die Stadt hat.

Am nächsten Tag unternahm ich eine anständige Ganztageswanderung bis zum Sossego Wasserfall an der Mündung des Canyons. Es ist ein harter 14 km langer Ausflug, wobei der erste Abschnitt zum Fluss Ribeirão noch als einfach angesehen werden kann. Das Ribeirão do Meio, ein Naturschwimmbad, befindet sich ungefähr beim ersten Drittel des Pfades. Hier überquert der Fluß Sossego eine natürliche Rampe, die dem Besucher als Wasserrutsche dient. Am Ende der Rutsche gibt es mehrere Pools, die zum Baden einladen.

Der zweite Teil des Pfades, parallel laufend zum Fluss, erfordert aufgrund des Höhenunterschiedes ein bisschen mehr Kondition. Der letzte Teil ist die wirkliche Herausforderung und eine Adrenalinbombe des Treks. Der Pfad endet nämlich und der Weg ist nicht immer sichtbar, man muss seine Klettererfahrung ausnutzen und im Flussbett von Felsen zu Felsen springen, um weiterzukommen. Gute Trittsicherheit ist gefragt, ansonsten ist die Chance groß, dass man im Wasser landet.

Ich kam langsam zwischen den Felsen voran und habe öfters Pausen gemacht um Fotos zu machen. Mitten in einer gewaltigen Schlucht auf einem großen Felsen in harmonischem Einklang mit der üppigen Natur zu stehen ist ein unbeschreibliches Erlebnis. Ich genoß daher die ganze Schönheit des herausfordernden, aber atemberaubend schönen Treks.

Cachoeira do Sossego

Innerhalb von 45 Minuten auf den Felsen springend erreiche ich den majestätischen Sossogo Wasserfall. An der Mündung des Canyons bietet dieser Wasserfall ein großes und tiefes Schwimmbecken, das von einer massiven Beckenwand auf beiden Seiten umgeben ist. Nach einer halben Stunde mit Fotos und einem schnellen Bad ging es innerhalb von zwei Stunden zurück in die Stadt, um mich auf ein dreitätiges Abenteuer innerhalb des Nationalparks von Lençóis nach Vale de Capão vorzubereiten.

Ich habe schon vieles interessantes über diese anspruchsvolle Wanderung von einer Bekannten gehört, also packe ich voller Aufregung meine Kleider, mein Zelt und meine Matratze sowie Proviant für drei Tage und überprüfe meine Wanderkarte nochmals. Ich gehe zeitig ins Bett, den ich möchte nämlich am nächsten Tag früh in den Nationalpark raus.

Die Natur gewinnt, es geht zurück in die Stadt!

Um sechs Uhr morgens bin ich schon auf den Beinen und auf dem Weg zum Ribeirão do Meio, wo ich am Vortag auf dem Weg zum Cachoeira do Sossego schon mal gewesen bin. Ich erreiche den Fluss nach einer Stunde Wanderung und stelle fest, wo am anderen Ufer der Wanderweg weitergehen sollte. Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass der Fluss aufgrund des massiven Regens vom Vortag so viel Wasser führt. Ich schaue ganz genau, wo eventuell eine Überquerung des eindrucksvollen Stromes möglich wäre, finde aber leider keine Möglichkeit. Ein bisschen wehmütig und enttäuscht kehre ich nach Lençóis zurück, um neue Pläne zu schmieden, wie ich demnächst am besten Vale de Capão erreichen werde.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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