In Bezug auf spektakuläre Vogelbeobachtung und Artenvielfalt waren während meiner Reise im Jahr 2017 die wilde Osa-Halbinsel, Cahuita und Tortuguero meine Favoriten. Ich bin dieses Jahr nach Costa Rica zurückgekehrt, wo sich Tortuguero – zusammen mit dem Pantanal und den Galapagos-Inseln – erneut als einer der besten Orte in Lateinamerika erwiesen hat, um Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten und fotografieren.

Costa Ricas Tortuguero liegt an der Spitze meines Herzens. Daher freute ich mich ganz besonders auf die Rückkehr ins friedliche Naturparadies der karibisch geprägten Siedlung. Ich war ganz aufgeregt über unsere Reise und konnte es kaum erwarten, meinem Bekannten Béla das spektakuläre Naturwunder zu zeigen, dass diese außerordentlich schöne Landschaft und eine wirklich einzigartige Fauna verbirgt.

Das exotische Reptil posiert stolz für ein Foto.

Das abgeschiedene Schutzgebiet, das nur auf dem Wasser- oder Luftweg erreicht werden kann, ist eine Hochburg der biologischen Vielfalt. Mangrovensümpfe, Schwemmlandebenen, Sumpfwälder und künstlich hergestellte Kanäle prägen den 1975 geschaffenen Nationalpark. Vom Hafengebiet Puerto Moín starten täglich um 10 Uhr Motorboote nach Tortuguero, das dem Nationalpark den Beinamen “Amazonas Mittelamerikas” beschert hat. Das Boot füllte sich schnell mit Passagieren und wir waren schon vor der zuvor festgelegten Abfahrtszeit auf dem Weg in die abgelegenste Region Costa Ricas.

Die fleißigen Mädels paddeln alleine.

Dieser Nacktkehlreiher erschien beim Regen im Garten eines verlassenen Hauses.

Der dichte Dschungel beherbergt eine interessante Flora.

Es machte uns überhaupt nichts aus, denn schon gleich zu Beginn der Fahrt herrschte eine National Geographic-Atmosphäre. Auf der einzigartigen Kanal- und Lagunenlandschaft hatten wir das Gefühl, als wären wir bei der Produktion eines Dokumentarfilms. Wir beobachteten bereits nach Verlassen von Moín viele tropische Vögel und Affen. Wir konnten uns noch nicht einmal vorstellen, was uns sonst noch alles erwartet, wenn wir uns für eine Bootexkursion zur Vogelbeobachtung in Tortuguero anmelden. Wir beobachteten die beeindruckende Dschungellandschaft, die sich in verschiedene Grüntöne färbte. Nach etwa einer halben Stunde bogen wir in den berühmten Tortuguero-Kanal ein, der parallel zum karibischen Meer verläuft. Das malerische Kanal-Flusssystem wurde in den 1970er Jahren ausgebaggert, um eine Reihe von Lagunen und Flüssen zu verbinden, die zur Flussschifffahrt zwischen Puerto Limón und den Küstenstädten führten.

Im tropischen Regenwald laufen mir immer Silberreiher entgegen.

Der Basilisk fügt sich fast nahtlos in seine Umgebung ein.

Wenn sich Affen aufregen, kreischen sie lautstark und hüpfen aufgeregt umher. Dieses gutmütige Wesen blieb minutenlang stilll, die Fotos störten es überhaupt nicht.

Als die Flüsse Río Pascual und Río Matina auf das Meer treffen, verlangsamen wir unser Boot, sodass wir das großartige Rendezvous der drei Gewässer noch besser genießen können. Wir sind durch Bananenplantagen und dichte Wälder ca. drei Stunden lang am Wasserweg unterwegs und erreichen dann das autofreie Fischerdorf Tortuguero, wo uns aufgrund der geringen Einwohnerzahl – etwa 1.300 Menschen leben hier – unendliche Ruhe erwartet. Abgesehen vom Zwitschern tropischer Vögel sorgt nur die hier lebende afroamerikanische Bevölkerung für kurze Momente für Hektik. Als wir jedoch den belebten Hafen verlassen, fühlen wir uns wie auf einer Insel des Friedens und der Ruhe angekommen. Die Temperatur liegt um die 30 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit. Ich liebe das Wetter in der Nähe des Äquators, während sich Béla – als Neuankömmling ein bisschen mehr an die besonderen klimatischen Bedingungen gewöhnen muss.

Es ist ein tolles Gefühl, die wunderschöne Natur vom Pier aus zu beobachten.

Obwohl man an der Karibikküste in Tortuguero schwimmen könnte, ist es eher die Biodiversität, die jährlich viele Besucher in die abgelegene Gegend lockt.

Wir haben auch die Sea Turtle Conservancy besucht – das Rettungs- und Informationszentrum hatte jedoch keinen großen Einfluss auf uns.

Wenn ich Tortuguero besuche, bleibe ich immer in der Lodge Casa Marbella. Marbella ist ein Gästehaus mit eigenem Pier, und bietet viele Vorteile. Darunter den Pier selbst und die geniale Aussicht von der tollen Terrasse. Ich habe auf meinen Reisen in allen Ecken von Lateinamerika noch nie so eine gute Unterkunft mit dem wohl besten Blick auf den Sonnenuntergang gehabt, wie in Tortuguero. Bevor wir jedoch der untergehenden Sonne zusehen, haben wir noch einiges vor uns…

Am Abend ist der Anblick des Sonnenuntergangs ein unvergessliches Erlebnis.

In Pamana blieb die Besteigung eines ruhenden Vulkans aus, so müssen wir heute etwas wieder gut machen. Unser Ziel ist die höchste Erhebung der Karibik-Insel, Cerro Tortuguero. Wir fahren mit dem örtlichen Wassertaxi zur kleinen Gemeinde San Francisco de Tortuguero. Nachdem wir das Ticket für den südlichen Küstenabschnitt des Naturschutzgebietes erworben haben, geht es auf den Vulkan! Glücklicherweise ist der ruhende Vulkan, wie der Name schon sagt, nur eine Hügellandschaft, so dass es keinem von uns schwer fällt, die oberste Terrasse des 119 Meter hohen Aussichtspunkts zu besteigen. Von der einzigen Erhebung der karibischen Küste ist die Panoramasicht auf die Wälder und die Dschungelkanäle einfach atemberaubend.

Lohnende Sicht nach erfolgreicher Vulkanwanderung.

Ich fotografiere einen Halsbandarassari auf den Bäumen unweit der Sea Turtle Conservancy.

Neben dem Museum zeigen sich zu unserer Freude auch die fröhlichen Goldkehltukane.

Wir knipsen tolle Fotos vom Beobachtungsposten und flüchten dann vor den extrem lästigen Mücken vom Vulkan herunter. Auf halbem Weg machen wir wegen den hier in großer Anzahl anwesenden Erdbeerfröschchen einen kurzen Halt. Wir beide fotografieren nämlich gerne die etwa zwei Zentimeter großen Pfeilgiftfrösche.

Am Morgen nehmen wir ein geräuschloses Motorboot zur Wassersafari.

Es gibt einige wenige Sehnsuchtsorte auf der Welt, von deren Besuch eigentlich jeder träumt. Für mich ist das spektakuläre Flussgebiet um Tortuguero einer davon. Dies wird durch eine fast dreistündige Safari am nächsten Frühmorgen zu 100% bestätigt. Um die reichhaltige Fauna der Region hautnah zu erleben, bevorzuge ich das bequemere Boot anstelle des gemieteten Seekajaks und Kanus. Beim Motorboot muss man nicht separat paddeln und sich durch die Gewässer und Kanäle um den Regenwald bewegen. Es reicht aus, auf den Guide (und gleichzeitig Steuermann) zu achten, der – kein Scherz! – jede Minute gut versteckte Wald- und Wasserbewohner sichtet. Víctor, Casa Marbellas eigener Guide, hat ein unglaublich gutes Auge für Vogelbeobachtungen.

Das Gefieder des Schlangenhalsvogels ist weniger wasserabweisend als das anderer Wasservögel. Wenn Anhingas einige Zeit im Wasser verbracht haben, müssen sie zum Trocknen herauskommen. Draußen nehmen sie auf einem trockenen Ast ein Sonnenbad.

Wir beobachten bei jeder Wassertour mehrere Kaimane.

Während der Wassersafari begegnen wir Basilisken, unzähligen Reihern, verschiedene Affenarten, Leguanen und Kaimanen. Balsam für die Augen gab es auch etwas später, als wir zu meiner großen Überraschung auf einen Zwergsultanshuhn und kurz darauf auf einen Tuberkelhokko treffen. Es brach große Freude am Boot aus, als sich am Ende der Vogelbeobachtung auch ein Kahnschnabelreiher zeigte.

Víctor meint, dass der Zwergsultanshuhn eine seltene Ausnahmeerscheinung in Tortuguero ist.

Ich hatte schon mal Tuberkelhokkos auf dem Seitenarm des Tortuguero beobachtet, allerdings erst jetzt gelang es mir, den Hühnervogel auf Fotos festzuhalten.

Der Kahnschnabelreiher ist einer der Höhepunkte unserer morgendlichen Safaritour.

Nach der erfolgreichen Wassersafari verspüren wir weiterhin ein unstillbares Verlangen nach Wildtieren und tauchen in den Regenwald parallel zur Küste ein, der ein neues Gesicht der dritthäufigsten Touristenregion des Landes zeigt. Der zum Schutzgebiet gehörende Wald führt 3-4 km lang, ein Schild weist auf das Ende des Nationalparks hin. Von hier aus ist es nicht mehr möglich, weiterzugehen, da wir die Nistplätze der Meeresschildkröten erreicht haben. Es gibt noch keine Brustsaison zu dieser Jahreszeit, dennoch müssen wir umkehren. Wir wollen nämlich beide keinen Ärger mit den Parkwächtern, Frieden ist besser…

Skelette von Schildkröten finden wir am Strand wenige Kilometer vom Dorfzentrum entfernt.

Wir entdecken eine Anolis-Echse auf dem Pfad Richtung Flughafen.

Auf dem Rückweg treffen wir eine Gruppe junger Leute, die sich sehr darüber freuen zu berichten, dass eine Greifschwanz-Lanzenotter zusammengerollt auf einem dünnen Ast ruht. Das einsame Reptil ist nicht leicht zu erkennen, aber am Ende zeigt es sich doch noch.

Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Greifschwanz-Lanzenotter in ihrer natürlichen Umgebung gesehen. Ich habe es geschafft, die Schlange auf Fotos festzuhalten, bin aber mit dem eher unscharfen Foto nicht wirklich zufrieden…

Es herrschte noch größere Aufregung, als wir Minuten später auf ein älteres niederländisches Ehepaar stoßen, das auch in unserer Lodge untergebracht ist und offenbart, dass es einen Großen Ameisenbär auf einem der Bäume gesehen hat. Der Ameisenbär bewegte sich, aber vielleicht ist er noch an seinem Platz geblieben, meinten die beiden Holländer. Das sympathischen Ehepaar begleitete uns. Wir fanden den Baum, aber selbst wenn wir ungefähr eine halbe Stunde warteten, sahen wir nur den besenartigen Schwanz des Tieres, der Ameisenbär wollte sich an diesem Nachmittag nicht mehr bewegen.

Die Blaureiher bewegen sich fast nicht, man kann sie daher problemos in Fotos verewigen.

Nach Sonnenuntergang gehen wir mit Víctor auf eine Nachtwanderung zur Beobachtung nachtaktiver Tiere. Mit dem Boot fahren wir zu einem Bekannten von ihm, wo wir uns in den dunklen Garten stürzen. Mit unseren Stirnlampen beleuchten wir Bäume, Blätter und Waldboden. Es vergeht keine Minute und die ersten Pfeilgiftfrösche in fast unwirklichen Farben erscheinen. Das Nachtleben auf dem Grundstück ist sehr aktiv. Während des Spaziergangs sehen wir über ein halbes Dutzend Spinnen, Skorpione, Insekten und Motten auf ihrem nächtlichen Ausflug. Das Fotografieren bei Nacht ist keine einfache Aufgabe, dennoch gelingt es uns, einige brauchbare Aufnahmen zu machen:

Noch ein paar Vogelfotos zum Abschied.

Ich erlebte wieder mal unvergessliche Tage inmitten üppiger Wildnis in Tortuguero. Ich habe die Karibikinsel noch nicht einmal verlassen, aber plane schon eine baldige Rückkehr

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