Ich habe mit einem internationalen Team das Vale de Capão in der Chapada Diamantina erreicht. Als Guide der Gruppe bin ich in zwei Tagen 50 km gelaufen, habe drei atemberaubend schöne Wasserfälle bewundert. Einen davon von oben, die anderen beiden mit ihren natürlichen Schwimmbecken von unten. Das Capão-Tal verzaubert jeden, der den Weg in die Kleinstadt südlich von Palmeiras in der Provinz Bahia findet.

Leider hat die Natur meinen Plan zu Fuß zum Vale de Capão zu gelangen verhindert. So musste ich vom Fluß Ribeirão in meine Unterkunft in Lençóis zurückkehren. Dort diskutierte ein englisches Paar mit zwei Französinnen darüber, wie sie ins Capão-Tal fahren könnten, um ein paar Wanderungen vor Ort zu unternehmen. Ich habe der Gruppe ein paar Tipps gegeben und nach ein paar Minuten Überlegung haben sie sich entschieden, sich mir anzuschließen. Dies vor allem wegen meinen Sprachkenntnissen und meinen Erfahrungen mit Bergtouren im Lateinamerika.

Caro beobachtet auf dem Felsvorsprung liegend das Cachoeira de Fumaça

Mit der neu formierten Gruppe habe ich am nächsten Tag Lençóis Richtung Palmeiras verlassen. Die Reise dauerte ein bisschen mehr als eine Stunde und man konnte die Augen einfach nicht zumachen, so viele schöne Berge sah man aus dem Fenster. Unter anderem eines der Wahrzeichen der Chapada Diamantina, das Morro do Pai Inacio und den anderen beeindruckenden Hügel Morro do Camelo. In Palmeiras erwartete uns der Anschlußbus, mit dem wir nach einer weiteren Stunde Fahrt, das zauberhafte Vale de Capão erreichten.

Das Capão-Tal zwischen der Serra do Candombá und der Serra da Larguinha ist eine geowissenschaftliche Formation mit atemberaubenden Naturschätzen. Das Tal ist ein ehemaliges Kaffeeanbaugebiet, welches zu den schönsten Regionen des Nationalparks gehört.

Das kleine Dorf ist umgeben von Bergen mit einer Höhe um die 1500 m, von mehreren natürlichen Pools und riesigen Wasserfällen. Kein Wunder, dass der Ort dank den Strömungen des Rio Preto, dem majestätischen Morrão und dem zweithöchsten Wasserfall Brasiliens dem Cachoeira de Fumaça im Laufe der Jahre zu einem berühmten ökologischen Paradies geworden ist, zu dem jährlich tausende einheimische und ausländische Naturliebhaber wandern.

Bromelia im Nationalpark

Das tropische Klima mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 22 bis 24 Grad unterstützt alle Arten von Spaziergängen und Wanderungen im Nationalpark. Die schönen Landschaften, welche die Wanderungen begleiten verzaubern jeden.

Die Straßen, welche die kleinen Gemeinden verbinden sind ebenfalls sehr romantisch, aber die Landschaft wird noch schöner, wenn man sich in den Park begibt oder sogar vom Tal aus nach Lençóis wandert.

Der Unterschied zwischen Capão und den anderen Ortschaften in der Chapada Diamantina liegt im Konzept, welches man vor über 20 Jahren entwickelt hat. Wie im Rest der Chapada war hier die Haupttätigkeit für lange Zeit der Edelsteinbergbau. Die Bergmänner reisten weit in die Berge, zu den Flüssen und zu ihren Mündungen, um Diamanten zu finden.

Laeticia und das Vale de Capão

Mit der Ankunft alternativer Gruppierungen, die noch die Hippie-Träume der 1970er Jahre hegten, änderte sich das Leben im Capão-Tal komplett.

Im Gegensatz zu den Garimpeiros, die im Tal nach Reichtum suchten, wollten die alternativen Gruppierungen nichts aus dem heutigen Nationalpark entwenden, sondern sie wollten eher etwas zu seiner Schönheit hinfügen.

Aufgrund der Abgelegenheit und der Abschottung vom Massentourismus hat sich Capão seinen Charme erhalten. Hier fühlt man sich zurückversetzt in eine andere Welt.

Heute ist Vale de Capão aus drei Gründen etwas Besonderes. Der erste und bemerkenswerteste Faktor ist seine geographische, geologische und biologischen Schönheit. Der zweite Grund ist die mysteriöse Komplexheit, die bei den Einheimischen und den Besuchern üblich ist. Ab der Ankunft im Capão-Tal kämpft man mit ernsten Schwierigkeiten, dieses Paradies zu verlassen, wo kein Krankenhaus, keine örtliche Polizei und auch keine öffentlichen Verkehrsmittel existieren. Das Wasser wird nicht bearbeitet, es wird direkt aus der Quelle genutzt.

Der dritte Grund ist die reiche ethnische und kulturelle Vielfalt und zwar auf eine Art und Weise, die nur an wenigen seltenen Orten weltweit zu sehen ist. Viele früheren Fachleute – Journalisten, Designer, Fotografen, Zahnärzte, Schauspieler, Anwälte, Sänger, Musiker, Geschäftsleute, Architekten etc. – verließen einfach die Stadt, ihre alten Freunde und teilweise auch die Familie, um sich im Capão niederzulassen.

Cachoeira de Fumaça

Mit meinen neuen internationalen Bekannten haben wir als erstes den Fumaça-Wasserfall erkundet. Die Wanderung führt zu einem spektakulären 380 m hohen Wasserfall inmitten des Nationalparks der Chapada Diamantina.

Der Wanderpfad ist auf täglich 120 Personen limitiert, so muss man sich normalerweise am Wanderführerhaus registrieren. Normalerweise deswegen, da oft an Ferientagen über 400 Wanderer den Berg hinaufklettern. Soviel zu den Regeln und ihrer Einhaltung, um die Umwelt in den Nationalparks zu schützen…

Es handelt sich dabei um eine Wanderung im Umfang von 6 km, 350 Meter Höhenunterschied und eine Gehdauer von ca. 2 Stunden.

Der erste Teil des Weges führte uns für die genannten 350 Meter in recht steilem Aufstieg hinauf. Wir erreichten den oberen Teil des Hochplateaus. Rückblickend gibt es schöne Aussichten auf den allgegenwärtigen Morrão. und nach vorne gelegentlich ebenso schöne Blicke ins tiefe Vale do Capão.

Auf dem Hochplateau machten wir wieder große Augen, da die Vegetation völlig anders ist, als ein paar hundert Meter unten. Wir bewunderten auf dem Weg viele Bromelien und Orchideen. Das ganze Gebiet ist wegen dem Regen an den Vortagen sumpfig. Mehrmals müssen wir kleine Bäche überqueren, eine lange Strecke läuft daher jede(r) barfuß. Uns stört es nicht, umso mehr freuen wir uns darauf, dass der Wasserfall nicht ausgetrocknet ist. Dies ist es nämlich der Fall über die meiste Zeit des Jahres.

Nach zwei Stunden erreichen wir den spektakulären Aussichtspunkt an der Spitze des Fumaça-Wasserfalls. Um den Wasserfall selbst sehen zu können, muss man auf den Rand einer Klippe hinauskriechen und von dort aus den sich in die gewaltige Schlucht ergießenden Wasserfall beobachten. Obwohl es sich etwas beängstigend anhört, lohnt sich die Aussicht auf jeden Fall!

Der Wasserfall ist besonders interessant, weil der Fumaça 380 m in die Tiefe stürzt und sich im freien Fall zu einem feinen Rauch wandelt. Daher hat er auch seinen Namen.

Jede(r) der Gruppe traute sich wegen der Sicht des unbeschreiblichen Naturwunders auf den Felsvorsprung und man posierte auch gerne für die hier obgliatorischen Fotos.

Cachoeira dos Rodas

Der Abstieg geht schnell und so sind wir nach anderthalb Stunden wieder im Vale de Capão. Meine Kollegen sind nach der Vormittagswanderung noch alle fit, so gelangen wir am selben Tag auch zum Cachoeira dos Rodas, welcher sich eine gute Stunde vom Zentrum entfernt befindet. Der Abstieg zum Wasserfall und zum natürlichen Pool ist nicht leicht, dennoch schaffen es alle und man gönnt sich ein erfrischendes Bad im Schwimmbecken.

Es ist schon gegen fünf Uhr und wir wissen, dass es bald dunkel sein wird. Sehr freundlich warnt uns ein lokales Paar vor dem baldigen Einbruch der Dunkelheit. Wir sind schon auf dem Weg, aber das Paar kommt wegen uns zurück und bringt uns wieder in die Ortschaft. Unglaublich wie nett und freundlich die Brasilianer sind. Ich kenne keine andere Nation wie sie!

Springaffe auf dem Weg zum Cachoeira dos Rodas

Am Abend gehen wir alle früh ins Bett, da ich für die Gruppe für den nächsten Tag eine Ganztageswanderung zum Aguas Claras plane. Die Strecke in eine Richtung ist 14 km lang. Zur Freude der anderen verläuft sie auf einer flachen Strecke in der Schlucht des Morro dos Três Irmãos, die neben mehreren Flüssen verläuft und für uns bei einem kleinen Wasserfall mit verstecktem Pool endet.

Dies ist nicht der beliebteste Wanderweg im Capão-Tal, da der Weg etwas lang ist, aber es ist zweifellos einer der schönsten in der Chapada. Dementsprechend beeindruckt uns die Landschaft. Wir spazieren in Richtung Säule des majestätischen Morrão, welches wir auf dem Weg zum Fumaça-Wasserfall vom weiten am Vortag schon beobachtet haben. Nach einer Weile erreichen wir das Morrão und bewundern es von allen Seiten.

Ungefähr dreißig Minuten Fußmarsch folgen bis zum Aguas Claras. Wir scherzen kurz vor dem Erreichen des natürlichen Pools, wo sich der Fluss befinden könnte, denn wir hören das Wasser erst 200 m vom kleinen Wasserfall entfernt.

Wer sich es traut, bekommt ein Foto auf dem Felsvorsprung

Wir sind sehr überrascht, denn wir finden eine Oase mit üppiger Schönheit vor. Es ist die totale Freiheit hier. Das feine Wasser eignet sich perfekt zum Baden. Einige springen sofort ins Wasser, andere machen Fotos oder gehen ein Stück weiter und entdecken weitere Pools. Unter der starken Sonne fühlt man die Frische des Wassers. Glücklicherweise gibt es außer uns nur zwei weitere Personen vor Ort, also fühlen wir die Natur in ihrer schönsten Form.

Natürliches Schwimmbecken beim Aguas Claras

Grundsätzlich würde als nächstes eine dreitägige Wanderung für die ganze Gruppe durch das Pati-Tal folgen, die ich schon seit Tagen mit mindestens zehn verschiedenen Guides vorbereite. Allerdings fühlen sich meine neuen Bekannten müde und wünschen sich einen entspannten Tag. Sie geben zu, dass es das erste Mal war, dass sie in zwei Tagen 50 km gelaufen sind. Ich fühle mich fit, ein ruhiger Tag kommt für mich nicht wirklich in Frage. So begebe ich mich auf die Suche, nach einer neuen Gruppe, um Brasiliens mit Abstand schönste Wanderung im Vale do Pati zu erleben.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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