Ich genoß jede Sekunde meines Aufenthalts im zentralen Amazonas-Regenwald und besuchte nach Anavilhanas, dem größten Flussinselarchipel der Erde, ein anderes ökologisches Paradies, den Parque Nacional de Jaú, für dessen Besuch eine besondere Erlaubnis erforderlich war. Mit meinen Weggefährten verbrachte ich zwei Tage auf den Flüssen von Jaú und Carabinani im biologischen Schutzgebiet äquatorialen Urwaldes. Wir unternahmen eine aufregende Nachttour und beobachteten stundenlang Regenwaldtiere. Am Tag bewunderten wir Riesenotter und erlebten mindestens 50 Schwarzgesicht-Uakaris, eine seltene Art  der Gattung der Uakaris. Wieder einmal überwältigte uns die unberührte Welt biologischer Vielfalt und die wundervolle Natur des unberührten Regenwaldes.

In der Nähe von Velho Airão findet man Petroglyphen der Amazonas-Indianer, deren Alter von den Fachmännern auf Tausende von Jahren geschätzt wird.

Unser lokaler Guide und Landschaftsführer, Vermelinho, kennt das Flussbecken und die komplexen Kanalsysteme der Flüsse Jaú und Carabinani sehr gut.

Während der Wasserstand des Flusses Jaú aufgrund der aktuellen Regenzeit innerhalb kurzer Zeit mehrere Meter ansteigt, ragen Bäume und Sträucher in Ufernähe aus dem ruhigen und spiegelglatten Wasser heraus.

Während unserer Boot-Expedition lernten wir schnell das Wort Igarapé kennen. Igarapé ist ein ehemaliger Flussarm, dessen Altwasser aufgrund starker Regenfälle mit einem Fluss verschmilzt und der Wasserlauf so mit einem Motorboot befahrbar wird. Das Wasser des Stillgewässers wird dadurch in einen riesigen, lebenden Wasserspiegel verwandelt.

Die schöne Reflexion des Flussufers und der Flussbäume im Wasser erzeugt völlig surreale Bilder.

Während drei Tagen versorgte uns Vermelinho mit köstlichen Speisen, so wurde das mit einer Füllung von Butter und Käse servierte Tapioca (geschmacksneutrale Stärke, die aus der bearbeiteten und getrockneten Maniokwurzel hergestellt wird) ein unverzichtbarer Bestandteil unseres reichhaltigen Frühstücks.

Während unserer mehrtägigen Bootsfahrt genossen wir nicht nur die Amazonas Nebenflüsse, sondern tauchten auch in den tiefen Regenwald ein, wo wir unter anderem die üppige und dichte Flora und offene Vegetation des Amazonas untersuchten. Wir lernten auch die Funktion der Wurzel-Rinde, Blätter, Blüten und Früchte als Heilmittel kennen. Während unseres mehrstündigen Spaziergangs im mächtigen Dschungel lernten wir eine weitere Attraktion der heimischen Flora, den sogenannten Samaúma Baum kennen, den die Amazonas-Indianer als die “Mutter aller Bäume” bezeichnen.

Ohne Mückenschutzlotion reibe ich die Ameisen auf meine Haut, so funktioniert der natürliche Mückenschutz perfekt!

Der stark geschäumte Fluss zeigt in einem seiner Igarapés ein ganz besonderes Bild.

Die aus São Paulo stammende Livia genießt eine natürliche Schulter-, Rücken- und Nackenmassage am Fluss Carabinani.

Beide Nächte verbrachten wir in sanft schaukelnden Hängematten an einem der herrlichsten Altwasser im Jaú-Nationalpark. Für meine Mitgefährten war die Erfahrung, in einem offenen Pfahlhaus mitten im Amazonas zu übernachten ganz neu, allerdings war es für mich ganz und gar nicht ungewöhnlich, da ich zuvor sowohl auf den Frachtschiffen als auch in den Guyanas und auch in Suriname oft in einer Hängematte übernachtet habe.

Verdiente Pause nach einem langen Tag am Rio Negro.

Die Navigation im Hochwasser war gar nicht so einfach. Unser Guide Vermelinho meisterte jedoch bravourös die ernsthafte Herausforderung, die Flüsse mit täglich veränderndem Wasserstand zu befahren.

Ein unverzichtbarer Bestandteil jeder mehrtägigen Boot-Expedition ist die aufregende nächtliche Beobachtung von Insekten und Wildtieren. Ausgestattet mit Kopflampen tauchten wir in den dunklen Regenwald und beobachteten sowohl am Land als auch vom Motorboot aus außergewöhnliche Spinnen, kleine Nachtfrösche und Kaimane, sogenannte Yacares.

Trotz vielfältiger Fauna (Faultiere, Kaimane, Papageien, Tukane usw.) war es diesmal die überwältigende Natur und die Artenvielfalt der heimischen Flora, die mich in großes Erstaunen versetzt haben.

Die unübertroffene dreitägige Boot-Expedition zu einer der größten Süßwasserinseln der Welt und zu einem besonderen und komplexen Kanalsystem des Nationalparks Jaú wurde zu einer lebenslangen Erinnerung.

Demnächst werde ich auf dem Schwarzwasserfluss des Rio Negro nach Manaus zurückkehren, um meine Abenteuerreise am Amazonas nach Santarém fortzusetzen!

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