Nachdem ich Canoa Quebreda verlassen hatte, wollte ich als nächstes den zwischen Sanddünen liegenden etwas abgelegenen Nationalpark von Jericoacoara besuchen, einen der schönsten Flecken des Landes.

Ich verließ Canoa mit einem direkten Bus nach Fortaleza, wo ich nach 2,5 Stunden Fahrt ankam. Es war schon später Nachmittag, so habe ich mich entschlossen, die Nacht in der Metropole zu verbringen und erst am nächsten Tag am frühen Nachmittag nach Jeri anzureisen. Das alte Fischerdorf liegt inmitten eines Naturschutzgebietes und ist umgeben von meterhohen Sanddünen und unberührten Traumstränden.

Romantisches Reiten in den Sonnenuntergang

Erst in meiner Unterkunft wurde mir bewusst, daß der nächste Tag in Brasilien ein Feiertag ist und daher viele wegen des anstehenden Fenstertags verreisen würden. Deswegen sicherte ich mir ganz schnell eines der letzten Tickets auf der Webseite des Busunternehmens Fretcar.

Der Kauf von Bustickets mit der Kreditkarte über das Internet ist eher eine Seltenheit im Lateinamerika, zum Glück war diesmal Brasilien eine positive Ausnahme.

Nach Jeri zu gelangen ist gar nicht so einfach, denn der Nationalpark ist das Zentrum eines ausgedehnten Dünengebietes und daher voll mit hohen Sanddünen und Sümpfen. Aus diesem Grund ist der Ort nur mit einem Allradfahrzeug zu erreichen.

Tagtägliche Verkehrsmittel in Jeri, der Buggy und der Pick-up

Nach guten sechs Stunden Fahrt bin ich gegen 19 Uhr in Jijoca de Jericoacoara angekommen, wo Pick-ups die Touristen nach Jeri transportieren.

Wegen der späten Ankunftszeit habe ich den Sonnenuntergang im Bus erlebt. Es war ziemlich beeindruckend als die Sonne zuerst zwischen den Palmen verschwunden ist und danach zwischen den im Ceará bekannten Windturbinen den Horizont verlassen hat.

Seit dem 21. September 2017 müssen Besucher ähnlich wie auf Morro de São Paulo und auf Fernando do Noronha eine Tourismusgebühr von weniger als 1,5 Euro per Tag zahlen. Ich habe den Betrag schnell im örtlichen Büro beglichen und angefangen mir Gedanken darüber zu machen, wie ich jetzt am schnellsten nach Jeri kommen werde. Zu dieser Zeit sind die meisten Touristen schon beim Abendessen in einem netten Restaurant und genießen ihren Abendcocktail. So war ich wegen der späten Stunde der einzige der noch einen Transport gebraucht hat.

Wie so oft hatte ich das Glück auch dieses Mal auch auf meiner Seite. Wegen dem langen Wochenende fand ich eine Familie, die mit einem privaten Transfer ins Touristenzentrum Cearás unterwegs war. Mit dem Fahrer habe ich schnell einen Deal gemacht. Er freute er sich bestimmt darauf ein wenig Extrageld verdient zu haben. Nach einer Stunde intensiver Fahrt auf unbefestigten Sandpisten war ich nach 2015 wieder mal im schon bekannten Zentrum von Jeri. Keine modernen Hotels stören hier die Kulisse, die kleinen, gemütlichen Unterkünfte, Bars und Restaurants machen den Charme des Ortes aus und sorgen für eine entspannte Atmosphäre.

Wahnsinnige Sandlandschaft so weit das Auge reicht

Das alte idyllische Firscherdorf wurde in den 1970er Jahren wegen seinen wunderschönen Dünen und seiner Ruhe von Rucksacktouristen entdeckt. Jeri ist nur über den Seeweg mit kleinen Booten oder mit Allradfahrzeugen zu erreichen, daher gibt es keine geteerten Straßen, sondern nur gemütliche Sandwege. Sämtliche Autos müssen vor der Stadt abgestellt werden.

1984 wurde Jericoacoara und ein großes Gebiet um den Ort zum Naturschutzgebiet „Área de proteção ambiental“ (APA) und 2002 offiziell zum Nationalpark erklärt. Infolgedessen hat der Tourismusverband eine Reihe von Einschränkungen zur Beibehaltung der Schönheit der Gegend und der Erhaltung des Nationalparks eingeführt. Die Entfernung zu den größeren Städten und die begrenzte Straßenbenutzung haben dazu beigetragen, die Isolierung der langen Küste und des Dorfes zu erhalten.

Frei lebende Esel, die sich von wenigen Sträuchern ernähren

Bis vor kurzem war in Brasilien Jeri nur ein verschlafenes Fischerdorf von vielen, das wenig mit dem modernen Leben zu tun hatte. Elektrizität wurde durch Generatoren erzeugt, Straßenlaternen wurden nur vom Mond und von den Sternen zur Verfügung gestellt. Nachdem “The Washington Post” Jeri als einen der weltweit schönsten Strände kürte, begann der Tourismus zu boomen und das Dorf wurde zu einem beliebten Reiseziel der Touristen.

Elektrizität kam erst 1998, so ist eine heiße Dusche und eine Klimaanlage kein Luxus mehr. Da Straßenbeleuchtung nach dem lokalen Recht noch immer verboten ist, werden Straßenlaternen immer noch vom Mond und von den Sternen zur Verfügung gestellt. Strenge Bauvorschriften verhindern ein ungezügeltes Wachstum und übliche Bausünden. All dies gibt Jeri einen besonderen Vibe, welcher nicht in Worte gefasst werden kann. Man muss hierher kommen, um es richtig zu erleben. Jeri ist ein unbedingtes Muss wenn man etwas Außergewöhnliches sucht.

Die Vegetation ist umgeben von kargen Gras-, und Wüstensträuchern und Sanddünen, die ideal für die Erkundung mit dem Buggy oder zu Fuß sind. Als erstes habe ich mich entschlossen, zu Fuß die Gegend zu erkunden. Vor zwei Jahren bestieg ich den nahe gelegenen Hügel, von dessen Leuchtturm aus es eine herrliche Ansicht auf Jeri gibt. Dieses Mal wollte ich eines der Wahrzeichen von Jeri, die Steinformation Pedra Furada an der Küste besuchen. Allerdings entschied ich mich nach ca. 10 Minuten wegen dem starken Wind, der den Sand wie kleine Nadeln gegen die Beine peitschte, umzukehren und lieber die majestätische “Pôr do Sol” (Sonnenuntergangs-) Sanddüne zu besteigen.

Trotz der Eintönigkeit der Dünenlandschaft entschied ich mich, weitere Dünen zu besteigen und freute mich darauf, neue Sandfelder zu entdecken.

Cocktailverkäufer auf dem Weg zur “Sonnenuntergangsdüne”

Nicht weit von der berühmten Sanddüne gibt es einen netten Palmenwald, wo ich auf Wildschweine und nach Nahrung suchende Esel traf. Ich bestieg die hinter dem Palmenwald liegende Sanddüne, von wo mir der Blick auf den Nationalpark mit seiner kargen Landschaft und den langen Sandstreifen unweit von Jeri atemberaubend vorkam. Wegen massiven Windböhen kehrte ich wieder in die Kleinstadt zurück. Allerdings nur für kurze Zeit, da demnächst der beeindruckende Sonnenuntergang auf der mächtigen Düne folgte, zu der jeden Abend sämtliche Touristen zur gleichen Zeit pilgern.

Seit ich Jeri besuche, ist der Sonnenuntergang jeden Tag ein fester Bestandteil meines Nachmittagsprogramms. So denken auch viele andere, die mit mir zur Düne pilgern, welche den Ort absolut dominiert. Es ist wie ein Ritual, welches Worte nicht beschreiben können. Das Phänomen, bei dem die Sonne über dem Meer hinter dem Horizont verschwindet, ist sehr beeindruckend. Ähnliches habe ich nur in San Carlos in Nicaragua erlebt, allerdings nicht von einer Sanddüne aus.

Aufgrund eines Vorschlages des Brasilianers Marcio aus meinem Hostel, nehmen wir am nächsten Tag an einer Exkursion in die Dünenlandschaft teil und besuchen die beiden surrealen Seen des Nationalparks, den eigentlich grün gefärbten Lagoa Azul und den Lagoa do Paraiso. Die zwei Süßwasserseen die zwischen Sanddünen gelegen sind, sind wichtige Teile des Nationalparks, nicht nur wegen ihrer besonderen Farben, sondern auch wegen der Tonschicht, welche sie vor dem Austrocknen bewahrt.

Eine der Besonderheiten des Naturschutzgebietes, das Lagoa Azul

Unser Pick-up für den Ausflug kam pünktlich und eine sehr fröhliche Gruppe aus Belém schloss sich uns an. Schnell haben wir einen Draht zueinander gefunden und sprachen über die tolle Gegend um deren Heimatstadt und auch über das Açaí, welches im Belém am besten schmeckt.

An beiden Seen verbrachten wir einige Stunden. Während die anderen Touristen mit dem zweiten Frühstück und der Auswahl des Vormittagscocktails beschäftigt waren, habe ich mit Marcio einen Rundgang um die Lagoa Azul gemacht. Wir bestiegen weitere Sanddünen und waren vom tollen Blick auf den wunderschönen grünen See begeistert.

Die Wanderdünen des Naturschutzgebietes erstrecken sich bis zu 20 km ins Landesinnere und wandern jährlich zwischen 10 und 20 Meter wegen dem häufigen starken Wind.

Lebhaftes Nachtleben sieben Tage lang in der Woche

Nach langen Spaziergängen und vielen Fotos feierten wir mit der brasilianischen Köstlichkeit Moqueca, eine Speise die man irgendwo zwischen Suppe und Eintopf ansiedeln würde, die zwei tollen Tage in Jeri.

Vor der Abreise nach Parnaíba entschied ich am frühen Morgen zusammen mit Marcio die imposante von der Natur geformte Pedra Furada, den “eingestürzten Stein” zu besuchen. Bei Ebbe läßt sich die skurille Felsformation, in die durch Wind und Wasser ein großes Loch hineingebohrt wurde, am besten besichtigen.

Es war Sonntagmorgen und dort wo normalerweise viele in der Schlange stehen um Fotos zu machen, waren wir die einzigen, die Pedra Furada für sich alleine hatten.

Pedra Furada, der “eingestürzte Stein”

Mit dem Besuch von Pedra Furada war mein langes Wochenende abgerundet. Ab jetzt warten auf mich neue, bis jetzt unbekannte Orte, zuerst kommt die Mündung von Parnaíba, eine Stadt welche zwischen Maranhão und Piauí liegt.

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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