Nach der prächtigen Hochebene und den zahlreichen atemberaubenden Wasserfällen der Chapada Diamantina war es wieder Zeit für etwas Neues. Ich habe mich in der afro-brasilianischen Kultur von Salvador de Bahía vertieft. Ich habe das bohemische Viertel und die Altstadt erkundet, eine der schönsten barocken Kathedralen der Welt besucht, mir ohrenbetäubendes Pagode in Rio Vermelho angehört und mit anderen Weltenbummlern am Spätabend beim traditionellen Workshop der Trommlergruppe Olodum getanzt.

Ich hatte die großartige Erfahrung der magischen Buracão-Tour noch im Kopf, musste mich aber am Tag darauf gleich wieder neuen Herausforderungen stellen. Ohne Linienbusse wollte ich vom südlichen Ende der Chapada Diamantina bis nach Lençóis per Anhalter fahren, damit ich meinen großen Rucksack abholen und noch am frühen Nachmittag in Bahia’s Hauptstadt Salvador weiterfahren konnte.

Der städtische Lacerda-Lift und das Mercado Modelo

Aus Mucugê erreichte ich innerhalb von vier Stunden mit vier Zwischenstopps mein ehemaliges Quartier in Lençóis. Gerade noch in der Zeit, um meinen Bus nach Salvador zu erreichen. Es war knapp mit der Zeit, allerdings hat die Eile nichts gebracht, denn der Bus kam am Ende verspätet und erlitt während der Fahrt einen Motorschaden. So bin ich erst mit mehr als zwei Stunden Verspätung im Bezirk Rio Vermelho angekommen. Letzteres ist der noble Stadtteil und Partybezirk in Salvador, mit vielen Partymöglichkeiten und Nachtclubs.

Zu früheren Zeiten hätte ich meine Unterkunft ausschließlich im historischen Viertel Pelourinho gebucht. Dieses Mal habe ich mich für das Künstlerviertel entschieden, in der Hoffnung die einzigartige Musik mit afrikanischen Elementen zu genießen, welche so typisch für Salvador ist. Die Provinz Bahia ist die Wiege für die meisten brasilianischen Musikrichtungen und Salvador gilt als ein besonders kreatives Zentrum dafür.

Favela in Salvador

Das Jahr 2014 brachte mir eines der schönsten Musikerlebnisse brasilianischer Musik in Pelourinho, welches sich bis zum Morgengrauen in einen verrückten Tanz auf der Strasse verwandelte. Trotz der vielen Caipirinhas kann ich mich ganz genau an die Nacht erinnern. Es fand auf der Strasse meines Hostels, in einer kleinen Bar statt, wo eine lokale Band Pagode, eine aktuelle Variante von Samba in beeindruckender Art vorführte.

Das Wochenende bot ein ausgezeichnetes Nachtleben in Rio Vermelho, so entschloss ich mich, zu den Bars direkt am Meer zu spazieren, Livemusik spielte in jedem zweiten Restaurant. Ich habe das Pagode wieder mal genossen, obwohl ich dieses Mal keine kathartische Erfahrung durchlebte.

Rio Vermelho und seine Strände sind ein paar Tage wert

Von Rio Vermelho aus wollte ich an der neu errichteten Strandpromenade entlang der kleinen Strände bis zum Leuchtturm Barra am Eingang der Allerheiligenbucht laufen. Es ging als erstes zu den Praias Paciência, Sereia und Ondina. Angekommen in der Nähe des Leuchtturms kletterte ich auf den Steinplatten zum Hügel Morro do Cristo, um die Statue “Christus, der Erlöser” vom Italiener Pasquale de Chirico zu bestaunen. Die Statue wurde 1920 elf Jahre vor dem Cristo Redentor in Rio de Janeiro errichtet, ist sieben Meter hoch und wurde aus Carrara-Marmor errichtet.

Einheimische mit Tracht, tagtäglich in der traditionellen Kleidung

Während der portugiesischen Kolonialzeit wurden auf Befehl des portugiesischen Königs viele Festungsanlagen in Salvador errichtet, das älteste und schönste Fort ist der Forte de Santo Antônio da Barra. Innerhalb seiner Mauer befindet sich der Farol da Barra, der zweitälteste Leuchtturm in Brasilien und Südamerika. Weiterhin ist der Farol ein emblematischer Ort der Provinz Bahia, an dem sich jeden Tag Hunderte von Menschen versammeln, um auf dem umliegenden Hügel Abschied von der Sonne zu nehmen und einen traumhaften Panoramablick über die Stadt und die Küstenlinie zu genießen.

Der Barra Leuchtturm und Forte de Santo Antônio da Barra

Um eine neue Erfahrung beim Sonnenuntergang zu machen, habe ich mich entschieden, das von vielen gepriesene Solar de Unhão zu besuchen. Es liegt neben dem Museum der Modernen Art irgendwo auf dem halben Weg zwischen Barra und dem historischen Viertel. Aufgrund von Renovierungsarbeiten war der Aussichtspunkt diesmal leider gesperrt, so beobachtete ich den Sonnenuntergang vom Ufer aus. War ein authentisches Erlebnis, da neben dem Fort das Solar de Unhão einer der wenigen Orte Brasiliens ist, in welcher man einen Sonnenuntergang im Meer beobachten kann.

Sonnenuntergang beim Solar do Unhão

In der Kolonialzeit war Salvador das Zentrum des Sklavenhandels in Brasilien und für mehr als zwei Jahrhunderte auch die erste Hauptstadt des Landes. Nach einigen Statistiken wurden mehr als ein Drittel der Sklaven nach Brasilien in die Sklaverei verschleppt. Mit fast drei Millionen Sklaven, vor allem aus Ghana und Angola wurde fast die Hälfte in der Provinz Bahia verkauft, daher ist es also kein Wunder, dass Bahia als diejenige Region Brasiliens gilt, in der das afrikanische Erbe am ausgeprägtesten ist.

Michael Jackson’s Pappfigur am Balkon im Pelourinho

Salvador da Bahía war der auffälligste Effekt des portugiesischen Kolonialismus. Vor allem in der Altstadt gibt es die afrikanischen Wurzeln zu entdecken, man fühlt die Lustigkeit, die Lockerheit, den Tanz, den Rhythmus und die unvermeidlichen Drum-Sounds.

Die historische Altstadt auf der Westseite der Stadt ist auf einem Hügel gebaut, mit einem steilen Hang, der die Stadt in zwei Teile teilt. Es sind 85 Höhenmeter zwischen den beiden Teilen der Stadt, die durch den ersten Aufzug in Brasilien, den Lacerda-Aufzug verbunden sind.

Das während der Kolonialzeit errichtete Stadtzentrum ist eine außergewöhnlich farbenfrohe Mischung aus Kopfsteinpflastergassen und historischen Wohnhäusern, aus prachtvollen Kirchen, Klöstern und Museen.

Einer der Innenräume des Franziskaner-Klosters

Man sagt, daß es in Salvador 365 Kirchen gibt, eine für jeden Tag des Jahres. Eine davon ist die Kirche und das Kloster von San Francisco aus dem 18. Jahrhundert, eine der wichtigsten brasilianischen Erinnerungen an die Kolonialzeit. Das Innere der Kirche ist von seltener Schönheit, gehalten in schillerndem Gold. Ungewöhnlich ist, dass die Igreja de São Francisco im Gegensatz zu den meisten anderen einschiffigen Franziskaner-Kirchen drei Kirchenschiffe aufweist.

Der untere Teil der Wand in der Hauptkapelle wird von sogenannten “Azulejos”, blauweißen Fliesenbildern aus Lissabon geschmückt, die das Leben des Heiligen Franz von Assisi darstellen.

Tolle Akrobatik beim Kampftanz Capoeira

Im Herzen der Stadt, vor allem nach dem Sonnenuntergang, sind die Straßen der Altstadt immer noch voller Leben. Die Kopfsteinpflasterstraßen sind mit Musikern gefüllt, ein Teil der Straße wird von Trommlern dominiert, der andere von Capoeira-Gruppen, die mit Kraft und Akrobatik ihre Zuseher beeindrucken.

Es war ein Dienstag Abend, so hatte die Trommel-Abteilung der lokalen Musikgruppe Olodum das historische Viertel besetzt und hielt verschiedene Workshops für die Interessierten. Die Trommlergruppe, die auch am Karneval teilnimmt, betont die afrikanischen Elemente im Samba und hat weltweit Kultstatus. Olodum konzentriert sich auf den Karneval und auf die soziale Mission. Als Kulturverein sammelt man hunderte von Kindern aus den unterprivilegierten Schichten ein, sie erhalten kostenlosen Unterricht und der Verein gibt ihnen eine Rolle in der Batucade mitzuspielen.

Bunte und abwechslungsreiche Fitinhas am Gitter einer Kirche

Die Freude an der Musik ging bis zu den späten Abendstunden, ich musste mich aber rechtzeitig zurückziehen, da ich Salvador bald verlassen werde und mich demnächst den türkisblaunen Stränden der Litoral Norte widme.

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