Nach João Pessoa wagte ich mich wieder in eine Großstadt und obwohl Natal’s Stadtzentrum mich nicht wirklich überzeugen konnte, fand ich Brasilien’s zweitgrößtes städtisches Waldgebiet “Parque das Dunas“, den einmaligen Dünenberg “Morro do Careca” und auch die Festung “Forte dos Reis Magos” durchaus beeindruckend.

Ich war Ende 2015 schon mal hier, allerdings habe ich außer dem populären Strand Ponta Negra und einem Frauenfußballspiel nicht viel von der Stadt gesehen. Letzteres Erlebnis im Stadion “Arena das Dunas”, welches für die Weltmeisterschaft 2014 errichtet wurde, ist mir aber im Gedächtnis geblieben. Die brasilianischen Damen um Weltklassespielerin Marta spielten mit Trinidad und Tobago Katz und Maus und siegten ganz eindeutig mit 11:0. Die Nummer 10 steuerte zum Sieg fünf Tore bei.

Der Stadtteil Ponta Negra zieht die meisten Touristen an

Sportlich war es auch dieses Mal, allerdings ging es nicht um Fußball, sondern um lange Strandspaziergänge. Ich wollte als erstes Ponta Negra unweit meiner Unterkunft erkunden und bis zum “Morro do Careca” laufen. Die fantastische Düne ist über 100 Meter hoch, grenzt direkt ans Meer und wird “Glatzenhügel” genannt. Dies dewegen, weil zwischen zwei Vegetationszonen ein breiter Sandstreifen liegt, der aus der Ferne wie die Glatze eines Menschen aussieht.

In der Vergangenheit war “Morro do Careca” ein Ort der Erholung und der Unterhaltung. Die Badegäste und Touristen durften auf den Sandhügel klettern und auf einem als “Skibunda” bezeichneten Brett herunter rutschen. Es war lange Zeit auch ein Lieblingsort der Einheimischen, um von dessen Spitze den malerischen Sonnenuntergang am Ponta Negra zu erleben.

In den 1990er Jahren hat man auf dem Morro do Careca noch Sandboarden dürfen

Seit Ende der 1990er Jahre ist Morro do Careca für die Besucher gesperrt, um die Düne vor Erosion zu schützen. Wird der Sand nicht betreten und nicht bewegt, so ändert sich auch die Höhe des Hügels nicht.

Weiter ging es zum Parque das Dunas, zum zweitgrößten städtischen Waldgebiet Brasiliens mit 1172 Hektar. Der Park liegt inmitten von Natal und beeindruckt nicht nur visuell, sondern auch mit seiner Biodiversität. Die Dünenlandschaft und die im Park befindlichen ökologischen Wanderwege sind nur mit Voranmeldung begehbar. So musste ich mich auch Tage davor für die Wanderung auf der Webseite des Parkes anmelden. Bei der Ankunft zahlte ich den Eintritt in der Höhe von ungefähr 30 Cent und schon konnte es losgehen. Mit einem Guide konnte unsere Gruppe eine Führung von ca. 90 Minuten genießen.

Exotische Dünenlandschaft im Parque das Dunas

Uns wurde die Vielfalt der Ökosysteme im Detail erklärt und nach ca. 45 Minuten erreichten wir den höchsten Punkt der Dünenlandschaft und kurz darauf auch einen Aussichtspunkt auf weitere Dünen, auf das Meer und die Stadt.

Als nächstes stand der Besuch des Cidade Alta, einem der ältesten Teile der Stadt, auf meinem Programm. Eigentlich habe ich etwas ähnliches wie vor ein paar Wochen im Antigo in Recife erwartet, allerdings musste ich feststellen, daß es in der Altstadt Natals ganz entspannt und ruhig zugeht. Ein paar tolle Sehenswürdigkeiten habe ich dennoch gesehen. Zum Beispiel das Theater Alberto Maranhão, welches im Jahr 1898 im französischen Stil gebaut wurde oder die im Barockstil im August 1776 errichtete wunderschöne “Igreja do Galo”. Doch von Menschenmassen konnte hier keine Rede sein.

Das Theater Alberto Maranhão ist einer der besterhaltenen Bauten in der Oberstadt

Erst Stunden später bin ich draufgekommen, warum die Altstadt an diesem Sonntag Nachmittag so leer war.

Der Großteil der Einheimischen vertrieb sich nämlich die Zeit am Praia do Forte mit Kokusnüssen, Caipirinha und Bier. Auch Baden und Grillen kam nicht zu kurz. Bei jeder zweiten Straßenbar spielten lokale Musiker und es schaute aus wie auf einem richtigen Straßenfest. Da der nördliche Strand im Vergleich zum Ponta Negra die etwas ärmere Gegend ist, waren die Preise der Getränke auch angenehmer. So zahlte man für einen Caipirinha nicht mehr als 50 Cent, eine Kokousnuss kostete sogar nur die Hälfte.

Praia do Forte ist übrigens auch ein angenehmer Strand mit sehr großer Sandfläche bei Ebbe und vielen natürlichen warmen Pools. Allerdings sieht man hier leider viel mehr weggeworfene Plastikflaschen und Chipstüten als auf dem touristischen Ponta Negra.

Weihnachtliche Aktion: der Staat Rio Grande do Norte ist einer der größten Kokousnußanbauer Brasiliens

Nichts desto trotz ging ich die 4 km weiter bis zum nördlichen Ende des Strandes um wieder brasilianische Geschichte zu erleben.

An der Landspitze von Natal thront umgehen von Wasser das Forte dos Reis Magos, welches als das schönste Fort Brasiliens gilt. Die alte Festung ist das Wahrzeichen von Natal und ist wegen ihres Baubeginns am Dreikönigstag 1598 „Festung der Weisen“ genannt worden. Die sternenförmige Festung ist aus strategischen Gründen zwischen dem Rio Potengi und dem Atlantischen Ozean errichtet worden, um so Invasionen von Franzosen und Holländern entgegenzuwirken. Heute ermöglicht es vor allem eine wunderschöne Aussicht auf den Ort, das Meer, den Strand und seine einzigartige Dünenlandschaft.

Die portugiesischen Kolonialherren hatten seit ihrer Landung in Brasilien immer wieder mit anderen europäischen Einwanderern und Piraten zu kämpfen. Sie beschlossen daher eine Schutzwand zu errichten, um das Land und die dahinter liegende Stadt zu verteidigen. Anfangs war es nur ein Bau aus Palisaden und Matsch. Nach Absprache mit der portugiesischen Krone wurde schließlich eine Festung aus Stein in nur knapp zwei Jahren erbaut. Aufgrund seiner Lage zwischen dem Fluß und dem Meer war sie bei Flut vom Festland isoliert.

Die Festung war 2016 die meiste Zeit gesperrt und wurde erst 2017 neu eröffnet. Daher haben Besucher jetzt die Möglichkeit, das Fort tagtäglich bei freiem Eintritt zu besichtigen.

Die schönste Festung Brasiliens, das Forte dos Reis Magos

Im Inneren der Festung befindet sich das älteste Kolonialmonument Brasiliens, ein 1501 an der Praia de Touros von einer portugiesischen Expedition unter Amerigo Vespucci hinterlassener Besitzmarkstein („Marco de Touros“), der heute als Symbol der Entdeckung gilt.

Nachdem die Portugiesen die französischen Seeräuber aus Natal vertrieben hatten, begannen sie am 25. Dezember 1599 eine Stadt um die bereits existierende Festung herum aufzubauen. Das Gründungsdatum erklärt die Namensgebung Natal.

Natal heißt übersetzt Weihnachten und der Ort wird auch “die Stadt der Sonne” genannt. Die Sonne scheint hier fast das ganze Jahr über, die Durchschnittstemperaturen liegen bei 28 C im Sommer und bei 24 C im Winter. Eine leichte Brise weht an der Küste immer, daher fällt es leichter die ungefähr 300 Sonnentage zu ertragen.

Ich erlebte schöne Tage in Rio Grande do Norte. Mich faszinierten ganz besonders die Dünenlandschaften innerhalb der Großstadt, daher freue ich mich auf demnächst mehr davon. Nun stehen Besuche im Lençois Maranhenses Nationalpark und in Jericoacoara mit unbeschreiblich schönen Sanddünen an!

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

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