Wegen der Corona-Krise waren die weit verzweigten Karsthöhlen geschlossen, so habe ich nur das wegen einer tektonischen Verwerfung aus dem Meer entstandenen Terrain des Nationalparks besucht, wo das Erlebnis bestimmt noch größer gewesen wäre, wenn ich neben dem hohen aus archaischen Korallenriffen bestehenden 300 m hohen Kalksteinhügel auch in eine der tiefen Kalksteinhöhlen abgestiegen wäre…

Als ich mich vor ein paar Monaten dazu entschlossen habe, dass ich auf meiner jetzigen Reise eher unbekannte Nationalparks in Costa Rica besuchen werde, befand sich der 1971 gegründete Nationalpark Barra Honda an erster Stelle in der Liste. In dem von SINAC – das Nationale System der Schutzgebiete – gegründeten Park ist das ausgedehnte Netz von Kalksteinhöhlen die Hauptattraktion für die Besucher. Das aus Stalaktiten- und Stalagmiten-Formationen bestehende Höhlensystem liegt ca. 20 km von Nicoya entfernt.

Die Form und Größe der durch Erosion entstandenen riesigen Mauern wurde durch natürliche Faktoren beeinflusst.

Wir bewegen uns durch eine abwechslungsreiche Landschaft.

Vielfältige Flora.

Die seit März 2020 andauernde Pandemie hat die Regeln zum Besuch eines der wichtigsten Reservate des Landes zum Schutz mineralischer und geologischer Ressourcen völlig verändert. Trotz der Tatsache, dass fast alle Nationalparks wieder für Touristen geöffnet haben, gibt es seltsamerweise Einschränkungen. Ich akzeptiere, dass SINAC die Anzahl der Besucher, die den Park pro Tag betreten dürfen, begrenzt. Umso weniger verstehe ich, warum bestimmte Wanderwege innerhalb eines Biosphärenreservats (z. B. im Nationalpark Manuel Antonio) geschlossen werden müssen. Im Fall von Barra Honda wurde ich einige Wochen vor meinem Besuch damit konfrontiert, dass sich die Mitarbeiter des Nationalparks dazu entschlossen haben, die Tropfsteinhöhlen für die Öffentlichkeit weiterhin geschlossen zu halten. Es ist für mich völlig unverständlich, denn das Coronavirus zeigt sich bestimmt nicht in den Tiefen des bekanntesten und größten Höhlensystems Costa Ricas am gefährlichsten…

Besondere Kalksteine, die sich von der Umgebung ein wenig abheben, machen den Nationalpark zu einem einzigartigen Naturgebiet.

Schmetterlinge, Spinnen und Insekten machen den Nationalpark bunt.

Barra Honda‘s Kalkstein-Denkmäler reichen über 70 Millionen Jahre zurück. Daher wäre es ein besonderes Erlebnis gewesen, einige der über vierzig noch in sehr gutem Zustand befindlichen Kalksteinhöhlen zu besuchen. Der sehr gute Zustand liegt daran, dass die vertikalen Eingänge der Höhlen schwer zugänglich sind. Für den Besuch in den Jahren vor der COVID-19-Pandemie erforderten die Höhlen mit einer Tiefe von bis zwanzig Metern, neben einem lokalen Führer auch eine komplette Kletterausrüstung (Helm, Stirnlampe, Klettergurt usw.). Dieses außergewöhnliche Erlebnis mit dem Abstieg in eine der Caves ist mir nun leider komplett entgangen. Ich habe es bereut, denn das riesige Höhlensystem mit Funden, Juwelen und Grabstätten aus präkolumbianischer Zeit wäre aufgrund der bezaubernden von der Decke hängenden Tropfsteinen – auch Stalaktiten genannt – und den vom Boden emporwachsenden Stalagmiten, ein unvergessliches Erlebnis gewesen.

Während unseres Spaziergangs treffen wir auf riesige sich gegen Himmel streckende Bäume.

Innerhalb des Parks ist ein lokaler zertifizierter Führer obligatorisch.

Der Leguan fügt sich gut in die Umgebung ein.

Anstelle einer Höhlentour in die Ende der 1960er Jahre entdeckten ungewöhnlichen Kalksteinformationen und Hohlräume lernte ich das den Park umgebende Wegesystem und seinen faszinierenden Trockenwald kennen. Der Naturlehrpfad führte zu einem spannenden Aussichtspunkt, dessen beliebter Wanderweg zur Spitze des Hügels während der Coronavirus-Pandemie aufgewertet wurde. Mit dem Bau des mit Rampen sanierten Weges ist Barra Honda noch abwechslungsreicher geworden. Obwohl Fakt ist, dass der Wanderweg und die schöne Aussicht mit Blick über den Tropenwald und die Nicoya-Halbinsel die versäumte Erkundung der von Fledermauskolonien bewohnten Höhlen nicht wettgemacht haben. Trotz der Wiedereröffnung fast aller Nationalparks in Costa Rica bedeutete die verstärkte Sorge vor der Pandemie die Einführung vieler seltsamer und sinnloser Regeln. Ich bin auf eine solche Seltsamkeit gestoßen, als das örtliche Personal die Verwendung von Handläufen nicht empfohlen hat oder als unser Guide diese mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel abgewischt hat, um die weitere Ausbreitung der Infektion einzudämmen…

Von den zahlreichen Höhlen können nur wenige besichtigt werden. Wenn es eben keine Pandemie gibt…

Überall gab’s was zu sehen, was zu begutachten.

Bei klarem Wetter erlaubt der Aussichtspunkt die Bewunderung der Landschaft des Río Tempisque.

Trotz restriktiver Corona-Regeln verbrachte ich einen wirklich angenehmen Vormittag im Park, wohin ich nach dem Abklingen der eigentlichen Erkrankungswelle zurückkehren werde, um mir nach dem Abstieg in eine der zugänglichen Höhlen ein vollständiges Bild von dem weniger bekannten, aber höchst interessanten Reservat in Costa Rica zu machen…

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