In den ersten Tagen in Costa Rica ging es mir darum, die weniger bekannten, aber umso spektakuläreren Naturattraktionen in der Nähe der Hauptstadt San José kennenzulernen. Obwohl Braulio Carrillo mich nicht besonders überzeugte, ist der Primärwald des Nationalparks immer wieder einen Spaziergang wert, während der mystisch anmutende Kratersee Hule in den kommenden Jahren mit Sicherheit auf die touristische Landkarte von Costa Rica gelangen wird.

Nach erfolgreicher Rückkehr in Costa Rica und der lohnenswerten Wanderung zu den Los Chorros Wasserfällen, war es an der Zeit, den ersten deutlich weniger besuchten Nationalpark des Landes aufzusuchen. Ich machte mich auf den Weg zum Naturschutzgebiet – benannt nach dem dritten Präsidenten Costa Ricas – das sich in der Bergkette der Cordillera Central, etwa 50 km von der Hauptstadt entfernt befindet. Der Guapiles Highway, der Zurqui, führt direkt durch den Park. Aufgrund seiner Nähe zu San José sollte eigentlich der Braulio Carrillo mindestens so populär werden, wie der beliebte Poás oder Irazú, vor allem weil es hier auch einen Sektor gibt – Volcán Barva – der einen erloschenen Vulkan und mehrere verschiedenfarbige Kraterseen beheimatet.

Die Natur strahlt eine innere Ruhe und Gelassenheit aus.

Ich kam im Nationalpark kurz vor der Schließung an einem Samstagnachmittag an. Mein Plan war es, den Nationalpark-Ranger darum zu bitten, mich auf dem Parkplatz des Nationalparks übernachten zu lassen. Auf meine Frage antwortend meinte der örtliche Wildhüter, dass das Zelten eine ernsthafte Gefahr darstellen würde, da mich jederzeit eine giftige Schlange beißen könnte… Ich teilte ihm darauf mit, dass mich die Reptile nicht stören und ich die Übernachtung mutig riskieren würde. Allerdings blieb der Ranger hartnäckig, so musste ich mir eine andere Unterkunft suchen. Wir unterhielten uns jedoch noch ca. zehn Minuten über alle möglichen Dinge.

Ca. 90% des Naturschutzgebietes ist primärer Regenwald.

Ich habe vom Parkwärter erfahren, dass Barva nicht wegen zunehmender seismischer Aktivität vorübergehend geschlossen ist. Der vulkanische Sektor kann von Touristen derzeit nicht besucht werden, da der SINAC vor einigen Monaten beschlossen hat, aufgrund der Corona-Pandemie in keinem seiner Nationalparks Barzahlungen zu akzeptieren. Da es rund um das einsame Gebiet von Barva keinen Handy-Empfang gibt, kann dort kontaktloses Bezahlen per Karte nicht angeboten werden. Es ist für mich völlig unverständlich, warum die Ticos vor Barzahlungen Angst haben. Ich habe auf meiner Reise oft beobachtet, dass das Bargeld in den Geschäften und Märkten in medizinischen Handschuhen oder mit Hilfe einer Plastiktüte übernommen wird. Danach werden die Geldscheine und Münzen sofort desinfiziert. All dies ist auf das Coronavirus zurückzuführen. Vielen Ticos zufolge ist Bargeld keimbelastet und daher krankheitserregend. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Menschen die Geldscheine berührt haben, dadurch krank geworden sind. Die Einheimischen neigen aber stark dazu, die Sektoren von Nationalparks geschlossen zu halten, in denen bargeldloses Bezahlen nicht möglich ist…

Auf meinem Spaziergang lasse ich mich von der Schönheit der Natur verzaubern.

Auch wenn Costa Rica die aktuellen Herausforderungen der Coronavirus-Pandemie professionell zu bewältigen scheint und auf dem besten Weg ist in der Post-Corona-Zeit Gäste zu empfangen, tappt das Land oft in seine eigene Falle. Ähnlich seltsam finde ich die QR-Tafeln an den Nationalpark-Eingängen und in Restaurants, wo man nach dem Scannen der QR-Codes in Echtzeit einen digitalen Begleiter bzw. die digitale Speisekarte auf dem Smartphone erhält. Egal wie bequem und praktisch es ist, eine SIM-Karte bei einem lokalen Service-Provider zu erwerben und das Internet auf der Reise zu nutzen, ziehe ich es oft lieber vor, kein mobiles Internet zu haben, da die Welt auch ohne moderne Dinge funktioniert. Auf dem Parkplatz von Braulio Carrillo musste ich auch nicht das Internet nutzen, um eine Unterkunft zu buchen. Es reichte vom Eingang ein paar hundert Meter weiter zu fahren, um einen passenden Parkplatz zu finden, auf dem ich den Abend und die Nacht verbrachte. Die improvisierte Unterkunft erwies sich als so gute Lösung, dass vor Sonnenuntergang sogar eine Affengruppe für gute Unterhaltung sorgte, die fröhlich auf den umliegenden Bäumen hüpfte.

Braulio Carrillo wird als Lunge von San José bezeichnet.

In der Regenzeit zeigt sich die urige Natur in herrlichem Grün.

Da ich die Nacht unweit von Braulio Carrillo verbrachte, war ich am nächsten Tag der erste Besucher in einem der ausgedehntesten Schutzgebiete des Landes. Leider war jedoch nicht nur der Barva-Sektor, sondern auch der Sektor Zurquí geschlossen, sodass es nur den Quebrada González zu explorieren gab. Der Las Palmas-Trail beginnt am Parkplatz vor der Wache, während es auf der anderen Seite der Hauptstraße zwei weitere Wanderwege gibt, von denen aus man die ganz überragende Kammlinie des Río Sucio-Flusses erreicht.

Nur einer der drei Sektoren des 1978 gegründeten Nationalparks kann besichtigt werden.

Im Flussbett des Río Sucio ist sehr wenig Wasser.

Inmitten der erstaunlich dichten Vegetation lohnt sich die Wanderung für so schöne Pflanzen.

Obwohl der nächtliche Niederschlag den lockeren Boden etwas durchnässt hatte, war es dennoch ein herrliches Gefühl im primären tropischen Regenwald, der trotz Biodiversität diesmal nicht so viele Vögel und Tiere zeigte, unterwegs zu sein. Langweilig wurde mir natürlich nicht, denn der Wald und die Pflanzen boten unendlich viele interessante Fotomotive. Auf den Trails des Río Sucio hatte ich mehr Glück, als ich auf ein paar Caucaguane traf und auch einen Gewöhnlichen Helmleguan entdeckte, der sich in der Natur gut tarnte. Während sich der Hühnervogel nur aus einiger Entfernung fotografieren ließ, habe ich den Leguan ganz nah vor die Linse bekommen.

Wegen der Sichtung des Caucaguans lohnte es sich, den El Ceibo Trail zu laufen.

Der Gewöhnliche Helmleguan war nicht leicht zu erkennen.

Ich war sofort fasziniert vom Kratersee der Laguna de Hule, den ich ganz zufällig auf der Landkarte von Costa Rica entdeckt habe. Seit ich den Cerro Chato vor Jahren das erste Mal bestiegen habe, ziehen mich Vulkanseen an. Durch die Stadt Puerto Viejo de Sarapiqui näherte ich mich der tiefsten natürlichen Lagune Costa Ricas. Die Luft um Sarapiqui, am Rande des tropischen Regenwaldes, fühlte sich schon viel trockener an, ich reiste bei hoher Hitze.

Die Vulkanlagune zählt zu Unrecht nicht zu den schönsten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Der Vulkansee inmitten des nassen Tropenwaldes war ohne Allradauto nicht einfach zu erreichen, aber auf der katastrophalen Holperpiste habe ich es irgendwie doch geschafft anzukommen. Der Hule ist Teil eines geologischen Komplexes, der aus drei Seen besteht: dem Hule-See, dem Congo-See und dem Bosque Alegre-See. Die Nordwand des ovalen Kraters kollabierte aufgrund gestiegener vulkanischer Aktivität. Es wird geschätzt, dass es sich vor etwa 6.200 Jahren gebildet hat, nachdem ein gewaltiger Vulkanausbruch die Caldera zerriss und sie allmählich mit Wasser überflutete.

Auf schlammigem Gelände führt ein Dschungelpfad zum Kratersee.

Am Ufer der Lagune angekommen, scheint die Sonne.

Ich war überrascht über die große Anzahl von Autos, die am Rand des Vulkankraters parkte. Am Sonntag versammelten sich viele Menschen, um bei superlauter Musik in den improvisierten Restaurants im Freien zu essen und zu trinken. Um meine Muskeln zu bewegen, wanderte ich lieber ans Ufer der Lagune, von wo aus im Prinzip ein Pfad zum Congo- und Bosque Alegre-See führt. In der Regenzeit und ohne Gummistiefel, kämpfte ich mich ca. eine halbe Stunde lang im Schlamm voran, dann beschloss ich, zum Kraterrand aufzusteigen. Auf einem der Anwesen habe ich eine einfache Gartendusche gefunden, so habe ich mich im kalten Wasser gewaschen.

Eine Tour auf der Lagune ist die perfekte Möglichkeit, den Kratersee näher zu erkunden.

Das schlammige Gelände kann nur von Allradfahrzeugen bewältigt werden.

Zusammen mit ein paar Ticos erlebte ich den fesselnden Sonnenuntergang. Nachdem sich alle bei der wilden Musik ausgetobt und die Lagune wegen dem morgigen Arbeitstag verlassen haben, blieb ich ganz alleine am Kraterrand. So genoss ich bereits in völliger Ruhe die mystische Atmosphäre des aufsteigenden Nebels und den Einbruch der Dunkelheit.

Das nächste Mal kehre ich bestimmt in der Trockenzeit zurück, um die drei Seen des Cerro Hule zu umwandern.

Schon im Deckmantel der Nacht ging ich zu meinem Mietwagen zurück, wo ich es mir je nach Fähigkeiten des Autos bequem machte. Nach einem langen Tag wird es gut sein, mich etwas zu entspannen, denn morgen erwarten mich weitere herausfordernde Wandermöglichkeiten!

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