Da ich derzeit in der Regenzeit in Costa Rica unterwegs bin und es tagsüber auch kräftig weiterschüttet, bin ich leider gezwungen, auf das Sichten des begehrten Göttervogels der Mayas zu verzichten. Anstatt einer Quetzalexpedition betrete ich trotz Regenwetter den nebligen Wald des Talamanca-Gebirges, wo es mir gelingt, ziemlich schöne Nebelwaldmotive zu fotografieren. Zum Höhepunkt des Tages zählt die romantische Kulisse des Hochlands in San Gerardo de Dota, wohin ich demnächst gern zurückkehren werde…

Meine ruhige Unterkunft unweit des Tapantí-Nationalparks und das bequeme Bett haben mir so gut gefallen, dass ich mich entschloss, noch eine Nacht in Orosí zu bleiben. Als einziger Gast genoss ich weiterhin alle Einrichtungen im Hostel, so bereitete ich mir, anstatt in einem relativen teuren Restaurant zu essen, wieder mein Essen vor.

Der Los Quetzales Nationalpark zeigt erst nach Starkregenfällen seine wahre Schönheit.

An meinem freien Nachmittag habe ich mich auch um andere wichtige Dinge kümmern müssen, da ich mein Reiseprogramm für die nächsten Wochen ausarbeiten wollte. Ich musste meine Tage um die geplante Besteigung des Cerro Chirripó herum aufbauen (der Termin war schon vor Wochen fix gebucht!), indem ich neulich Eintrittstickets für mehrere von SINAC betriebene Nationalparks vorab besorgte. Diese Tickets sind nur mit der altmodischen Technik als Online-Reservierung und per Bankeinzahlung erhältlich, daher bin ich mit meinem Mietwagen in die nahe gelegene Stadt Paraíso gefahren, um die Eintrittskarten für die nächsten Sehenswürdigkeiten in einer Filiale zu begleichen. Ich hätte die Reservierungen auch kurz vor den Terminen begleichen können, aber ich hatte eben jetzt ein paar freie Stunden und wollte nicht unterwegs nach einer Bank Ausschau halten. Es ist übrigens unglaublich, dass es nur mit dieser konservativen und zeitintensiven Lösung möglich ist, Eintrittskarten für einige Nationalparks zu erwerben, und man behauptet Costa Rica sei Europa einiges voraus…

Trotz Regen und rutschigem Gelände begebe ich mich auf die noch offenen Wanderwege des Nationalparks.

Nach einem Gewitter wirkt der Nebelwald noch mystischer.

Auf dem Weg von der Bankfiliale zurück zu meiner Unterkunft erwischte mich ein Gewitter, das bis spät in die Nacht dauerte. Obwohl der schauerartige Regen in der Nacht nachließ, brachte am Morgen ein weiteres Gewitter wieder viel Regen. So bin ich zur knapp 80 km langen Strecke, die zum Los Quetzales Nationalpark führte, nicht unter den besten Voraussetzungen gestartet. Obwohl ich gestern Nachmittag noch darauf gehofft hatte, im Hochland von Costa Rica wieder smaragdgrün schimmernde Quetzals beobachten zu können, hätte ich heute sofort zugestimmt, wenn die Sonne nach meiner Ankunft im Reservat eine halbe Stunde lang scheinen würde… Ich muss gestehen, dass ich bisher Glück mit dem Wetter hatte, denn obwohl ich mich derzeit am Ende der Regenzeit in Costa Rica aufhalte, hat es bisher nur spätnachmittags und abends geregnet, so dass ich es immer geschafft habe, mein ganzes Tagesprogramm vor dem nahezu täglichenRegenguss zu beenden.

Ich gehe am Ufer des etwas überfluteten Río Savegre wandern.

Die stacheligen Bromeliengewächse des nebligen Waldes sind meine großen Favoriten.

Zum Glück ließ der massive Regen etwas nach, so dass ich den Los Quetzales Nationalpark auf eigene Faust betrat, wo der lange Lehrpfad aufgrund der Regenmengen der letzten Tage leider unpassierbar war. Aber der kürzere Wanderweg entschädigte mich voll. Ich war mindestens anderthalb (!) Stunden auf dem und abseits des Pfades unterwegs und als der Regen endlich aufhörte, fotografierte ich brilliante Dinge. Als das Gewitter aufhörte, fand ich auch den langen unbefestigten Pfad, aber schon auf den ersten Metern stand ich bis an die Knöchel im Wasser. Also kehrte ich lieber um. Auf mich wartete der kleine Ort San Gerardo de Dota, über den ich in den letzten Monaten viel gelesen habe. Die Gegend um die Siedlung und das Hochland haben sofort mein Interesse geweckt…

Eine ganz besondere und lebendige Farbkavalkade begrüßt mich über 2000 Meter.

Ich glaube nicht, dass ich heute im überfluteten Fluss baden werde…

Das beschauliche San Gerardo de Dota liegt am Fuße der Cordillera de Talamanca und bietet viel natürliche Schönheit. Aufgrund der Popularität des Wanderns und der Vogelbeobachtung entdecken in letzter Zeit immer mehr Naturliebhaber das natürliche kleine Paradies, das in einem Tal liegt und von dem Fluss Savegre durchzogen wird. Ich war auch sehr neugierig auf die unberührte Natur und die artenreiche Fauna der Region des Savegre-Tals. Mit der Zeit hörte auch der Regen endlich komplett auf, so dass ich bei guter Sicht die zahlreichen Kurven auf den langen Serpentinenstraßen genommen habe.

San Gerardo de Dota befindet sich in den nebligen Höhen der Talamanca-Bergkette und ist ein Geheimtipp abseits vom Tourismustrubel.

Riesige Felsbrocken, schmale Trails – Abenteuer und Spannung pur auf der Wanderung.

Der angeschwollene Fluss ist von einem der Aussichtspunkte gut zu sehen.

Einer meiner Lieblingsorte auf der Wanderung. Beeindruckend schönes Naturschauspiel.

Berühmt ist San Gerardo de Dota unter anderem dafür, dass man neben dem Biosphärenreservat Monteverde und dem Nationalpark Los Quetzales auch hier prächtige Quetzale in leuchtenden Farben sichten kann. Naja, sicher nicht mitten in der Regenzeit und mittags als ich ankomme… Statt einem der schönsten Vögel Costa Ricas, erwartete mich der sprudelnde Río Savegre, eine fesselnde Wanderung durch abgelegene Pfade der grünen und üppigen Wälder und ein schwer zu erreichender Wasserfall.

Ich überquere mehrmals Hängebrücken, um den Wasserfall zu erreichen.

Ich unternehme eine reizvolle Wanderung in dem märchenhaften, tiefgrünen Nebelwald.

Entlang der Pfade gibt es viele bunte Pflanzen.

Das regennasse Gelände, die faszinierenden Hängebrücken und die fehlenden Treppenelemente machten meine Wanderung am frühen Nachmittag noch spannender und anspruchsvoller. Es schien, dass das örtliche Wartungspersonal (wenn es so etwas bei den lokalen Ticos gibt?!) den Pfad bestimmt nicht vorgestern das letzte Mal gegangen ist. Man muss schon gestehen, dass das Gelände sehr ungepflegt und ziemlich vernachlässigt wirkte, aber genau das machte seinen Reiz aus. Seit langem bin ich nicht in einer wildromantischen Landschaft wie diese spazieren gegangen!

Da fehlt etwas bei der Stiege!?

Nach 45 Minuten komme ich am Wasserfall an, der aufgrund seiner seltsamen Lage schwer zu fotografieren ist.

Statt mich in einem fabelhaften Cabaña auszuruhen fahre ich noch vor Einbruch der Dunkelheit an die Pazifikküste.

Im Prinzip hätte ich noch weiter im verwunschenen Märchenwald von San Gerardo de Dota wandern gehen oder in einem der hübschen Cabañas übernachten können, trotzdem habe ich mich dafür entschieden, am Nachmittag in Richtung Pazifik aufzubrechen, um den etwas gefährlichen Abschnitt zwischen San Isidro de El General und Uvita noch vor der Dunkelheit zu erreichen.

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