Mit sehr hohen Erwartungen komme ich im weltweit bekanntesten Nationalpark des Landes an, wo ich wegen der Angst vor Menschenmassen vorher noch nie gewesen bin. Als ich vor kurzem hier war – während der Corona-Pandemie – traf ich kaum mal zwei Dutzend Besucher. So spazierte ich ganz entspannt und ohne riesige Besucherschlangen den weitläufigen Urwaldpfaden entlang und fotografierte die einzigartige Fauna des Parks. Ich hatte wieder einen schönen Tag, danke Costa Rica!

Diesmal blieb ich in Uvita nur für kurze Zeit, da ich bereits 2017 an der Pazifikküste gewesen bin und mir dann das spektakuläre Naturwunder des Meeresnationalparks Marino Ballena, das bei Ebbe über eine aus Sand bestehende Brücke auch zu Fuß erreichbare Eiland vor El Tómbolo, ansah. Der berühmte Walschwanz ist als drittgrößte Sandbank der Welt bekannt. Während der Corona-Pandemie wurde die überwältigende Walküste von Uvita und der beliebte El Tómbolo zum geschützten Nationalpark erklärt, der zur Zeit unter die direkte Aufsicht der nationalen Schutzgebietsbehörde SINAC fällt. Für den Touristen bedeutet es, dass mandie Costa Ballena nur mit dem Kauf einer Eintrittskarte besichtigen kann. Trotz der Tatsache, dass internationale Besucher, wie es in den costaricanischen Nationalparks seit einiger Zeit üblich geworden ist, fast immer ein Vielfaches des der lokalen Bevölkerung berechneten Eintritts zahlen, sind es vielmehr die empörten Ticos (und einige hier lebenden Expats), die den berühmten lokalen Strand meiden. Deshalb besuchen die Lokalen am liebsten Playa Hermosa, den etwas abgelegeneren ca. 2 km langen Strand etwas nördlich von Uvita.

Glücklicherweise gibt es keine Menschenmassen.

Das Totenkopfäffchen wartet auf potentielle Beute.

In Uvita soll es der persönliche Kampf der lokalen Ticos sein. Beschäftigen wir uns jetzt lieber mit dem Nationalpark Manuel Antonio, einem der berühmtesten und meistbesuchten Touristenattraktionen von Costa Rica. Genau wegen dieser Popularität und den hohen Besucherzahlen war ich bisher noch nie in Quepos und im angrenzenden Schutzgebiet. In den letzten Jahren hielt ich mich mehrmals im kleinen mittelamerikanischen Land auf, habe aber den völlig überfüllten Nationalpark von Manuel Antonio bisher immer gemieden, da sich dort die Besucher Berichten zufolge, beim Fotografieren von Wildtieren oderexotischen Vögeln fast gegenseitig verdrängten. Zum Glück musste ich mir während der Coronavirus-Epidemie keine Sorgen um riesige Touristenmassen machen. Ich habe sogar darauf vertraut, dass sich dieNatur dank Corona ein wenig von der Aktivität des Menschen erholen konnte und ich dadurch mit etwas Glück noch mehr Wildtiere beobachten kann als in der Zeit vor der Pandemie.

Die Sandstrände von Manuel Antonio gehören zu den fabelhaftesten des Landes.

Leguane sonnen sich in Ruhe.

Damit war die Messlatte entsprechend hoch genug gelegt, zumal mich in Lateinamerika die genialen Tierparadiese (Pantanal, Galápagos-Inseln, Pacaya Samiria, Los Guatuzos etc.) bisher alle verwöhnt haben, aber Tortuguero, La Fortuna und Cahuita in Costa Rica haben sich auch als spannende Orte zur Tier- oder Vogelbeobachtung erwiesen. Die Tickets für den Nationalpark Manuel Antonio, der bis zu einer 50-prozentigen Kapazitätsgrenze besucht werden kann, kann man nur online kaufen. Dies tat ich gleich am Abend meiner Ankunft in Quepos, der freundlichen an der zentralpazifischen Küste liegenden Kleinstadt, die dem Park am nächsten liegt.

An den Bäumen von Playa Espadilla bemerke ich das erste Faultier des Tages.

Ich versuche mit meinem Foto etwas künstlerisch zu sein.

Für die Beobachtung von Wildtieren ist die beste Zeit die frühen Morgenstunden, so wollte ich wie bis jetzt immer üblich früh am Haupteingang der Rangerstation ankommen. Da der Manuel Antonio über keinen eigenen Parkplatz verfügt, parke (und bezahle) ich entweder auf dem privaten Gelände ​​der in der Nähewohnenden Einheimischen, oder ich drehe ein paar Runden mit dem Auto und suche mir einen freien Parkplatz. Ich bevorzugte letzteres, daher erreichte ich den Parkeingang erst kurz nach 8 Uhr, wo die SINAC-Mitarbeiter dutzende mobile Waschräume aufgestellt haben. Ich wasche mir die Hände, lasse meine Körpertemperatur messen und die Tasche – Lebensmittel, wie Kekse und andere Süßigkeiten dürfen nicht mit in den Park gebracht werden – kontrollieren. Ich würde nach der schnellen Prozedur gern weitergehen, aber der Barcode-Scanner funktioniert leider nicht. Es ist nicht so schlimm, nach kurzen Überlegungen des Rangers kann ich endlich den Nationalpark betreten, der ein ganz besonderes Erlebnis verspricht.

Von den Wildtieren sind die Iguanas mit der grössten Anzahl im Park vertreten.

Von einem der Aussichtspunkte von Punta Catedral lässt sich die Isla Olocuita hervorragend beobachten.

Wo SINAC sämtliche Geh-und Wanderwege gesperrt hat… Die Mitarbeiter meinten zu mir, dass wegen der aktuellen Pandemie-Situation der Eingang zu mehreren Trails blockiert ist, da dort der empfohlene Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen nicht eingehalten werden kann… Trotz der vielen nützlichen Corona-Regeln, die während der Coronavirus-Epidemie in Costa Rica eingeführt wurden, habe ich manchmal das Gefühl, dass die Einheimischen einige Situationen unnötig übertreiben und oft völlig sinnlose Entscheidungen treffen. Hier in Manuel Antonio wurde zum Beispiel der Faultierpfad, die weitläufige Wanderroute zum Wasserfall und die Pfade zur Spitze des Parks inkl. Aussichtspunkte gesperrt.

Es ist nicht leicht zu bemerken, dass sich das Faultier friedlich zwischen den Zweigen des Baumes nach innen kräuselt.

Farbenfrohe Schönheit in den Küstenfelsen.

Genau diejenigen Fußwege wurden für den Touristenverkehr gesperrt, wo es ohnehin nur wenige Wanderer gäbe. Natürlich darf man sich aber an den geschäftigten Stränden in Gruppen aufhalten… Naja, egal, trotz des Verbots habe ich mich mit ein paar anderen Besuchern in die gesperrten Bereiche geschlichen, um das atemberaubende Panorama auf die benachbarten kleinen Inseln und Buchten von den herrlichen Aussichtspunkten der Punta Catedral genießen zu können. Ich beobachtete auf dem Rundweg auch viele Affen, sowie auf dem gesperrten Trail Richtung Ausgang einen völlig bedeutungslosen Mini-Wasserfall namens La Cascada.

Verlassene Bucht, unberührte Natur.

Bei der ermüdenden Hitze esse ich nur leichte Gerichte.

Ich habe während meines Besuches keine überfüllten Stellen angetroffen, es gab vielleicht ein paar Dutzend Menschen im gesamten Park. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie Manuel Antonio ist, wenn volles Haus herrscht und mehr als 500 Personen gleichzeitig die hübsch angelegten Wanderwege laufen. Apropos Wanderwege: da die meisten Parktouristen eher Zeit an den fabelhaften Tropenstränden verbrachten, hatteich die gut ausgeschilderten Waldwanderwege, auf denen viele Leguane und Affen auftauchten, oft ganz für mich allein. Ich habe lange Zeit nutzlos die Bäume und Blätter nach Reptilien abgesucht, aber leider bin ich diesmal nicht auf die lang ersehnten Schlangen gestoßen. Obwohl der nach den Faultieren benannte Pfadgesperrt war, entdeckte ich in unmittelbarer Nähe der Strände an zwei verschiedenen Stellen jeweils ein Faultier. Zu meiner großen Freude habe ich sie minutenlang beobachten und fotografieren können, ohne dass mich jemand dabei gestört hätte – ein riesiges Erlebnis. Das neue Publikum des Manuel Antonio – weit mehr lokale als ausländische Besucher – war nicht einmal neugierig auf das, was ich mit so großer Begeisterung fotografierte. In der schwülen Hochsommerhitze schwammen costaricanische Touristen weiter im angenehm warmen Wasser und räkelten sich am Strand. Erst als die Totenkopfäffchen in großer Anzahl ankamen, gab es wieder Leben am Strand. Als die schwimmenden Parktouristen die Äffchen bemerkten, rannten sie mit lautem Fluch und Geschrei ans Land, um ihre Rucksäcke und deren Inhalt irgendwie zu retten.

Auf dem Sendero Punta Catedral treffe ich auf Dutzende von Weißschulter-Kapuzineraffen.

Schöner Abschied beim Ausgang.

Nachdem ich sowohl die legalen (als auch die verbotenen) Wanderwege des Nationalparks ausführlich erkundet habe, nutzte ich auch das Meer für ein kurzes Bad und erfrischte mich im angenehmen WasserIch verbrachte gerade genug Zeit im Meer, um am Ausgang zur Abschiednahme einem Reh über den Weg zu laufen. Obwohl die hohe Tierdichte und die außergewöhnlich vielfältige Tierwelt etwas hinter den Erwartungen blieb, war es heute dennoch ein voller Genuss im Manuel Antonio. Ich bleibe weiterhin in der Nähe von Quepos, morgen besuche ich weitere Tiere, diesmal viel kleinere

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