Ich blieb in der Nähe der Hauptstadt der Ticos, wo ich die Wanderwege des für seine Wasserscheide berühmten Waldreservats ausführlich kennenlernte. Zu meinem großen Bedauern blieb jedoch die ersehnte vielfältige Vogelwelt aus. Trotz eines angenehmen Spaziergangs im niedrigen Bergwald von Tapantí verlasse ich daher den Park etwas enttäuscht…

Als ich mich von den Wasserfällen fortmachte, hatte ich noch keinen genauen Plan, wohin ich als nächstes gehen sollte. Ich hatte nur Ideen für die nächsten Tage, also begann ich während der Fahrt darüber nachzudenken, welche weniger bekannten, aber trotzdem sehenswerten Orte es in der Region von San José zu entdecken gibt. Ich habe mich für den Tapantí-Nationalpark am Rande der Talamanca-Gebirgskette in der Nähe von Cartago entschieden, wo ich noch nie zuvor gewesen bin. Also gab ich den Namen der Siedlung Orosí, die sich unweit des Waldreservats befindet, ins Navi meines Handys ein. Unterwegs machte ich eine kurze Pause in der costaricanischen Hauptstadt, um mitten im Zentrum über Wlan für ein paar Minuten ins Internet zu gehen und mir eine günstige Unterkunft im Flusstal zu suchen. Ich hatte in Orosí nicht viele Übernachtungsmöglichkeiten gefunden, so buchte ich schnell eine Nacht in einem Hostel namens Linda Montaña. Nach zwei Nächten im Auto wird es schön sein, wieder in einem richtigen und gemütlichen Bett zu schlafen, dachte ich.

Trotz des heftigen Regens in der Nacht sind die Wanderwege des Tapantí großteils gut begehbar.

Die einzige Kolonialkirche des Landes befindet sich in Orosí. Aufgrund der derzeitigen COVID-19-Pandemie kann sie aber nicht besichtigt werden.

Eine knappe Stunde später suchte ich schon rund um meine Unterkunft nach einem sicheren Parkplatz für den Mietwagen. Meine in Kanada geborenen Gastgeber wussten bereits über meine Ankunft Bescheid. Es war etwas seltsam am eigenen Leib zu erleben, wie sehr sich die Beherbergungsvorschriften aufgrund der seit März 2020 bestehenden COVID-19-Pandemie geändert haben. Die kanadische Besitzerin setzte sofort eine Hygienemaske auf und wir durchliefen die neuen Protokolle, die das gründliche Waschen der Hände mit Seife, die Verwendung von Desinfektionsgel und die bereits in den Nationalparks bekannte Körpertemperaturmessung umfassten. Nach wenigen Minuten stellte sich heraus, dass ich im Hostel der einzige Gast war, jedoch empfahlen meine Gastgeberinnen das Tragen einer Schutzmaske in der gesamten Unterkunft…

Blick auf die im Tal versteckte Siedlung.

Wieder ein Nationalpark in Costa Rica, wo es kaum Besucher gibt.

Noch seltsamer war, als mir meine Gastgeber ein Blatt Papier überreichten, auf dem ich immer notieren musste, wo und wann genau ich außerhalb des Hostels unterwegs war. An dem in Orosí verbrachten halben Tag habe ich mehrmals seltsame Einträge zur Liste hinzugefügt, wie zum Beispiel 30-sekündige Spaziergänge zu meinem Mietwagen – ich habe am Abend öfters nachgesehen, ob das Auto in Ordnung ist – oder der Besuch des örtlichen Supermarkts… Aber es sind mir im Hostel auch gute Dinge passiert. Trotz Wochenende war ich der einzige Gast, so erhielt ich gleich nach dem Check-in ein größeres und komfortableres Zimmer. Das kostenfreie Zimmer Upgrade habe ich sehr nett gefunden. Nach zwei intensiven Tagen habe ich es endlich geschafft mich richtig schön auszuschlafen. So sehr, dass ich am nächsten Morgen wieder sehr früh aufstand und am Eingangsbereich des Nationalparks ankam, bevor der Park für seine Gäste öffnete.

Ich bin schon vor dem Öffnen bei der Rangerstation. Es gibt genug Zeit, um ein bisschen auch die Gegend zu erkunden.

Der Nebelwald des Tapantí ist ein fabelhafter Ort, aber aus irgendeinem Grund meiden ihn heute die exotischen Vögel.

Der knapp 60.000 Hektar große Nationalpark gehört seit 1982 zum UNESCO-Welterbeprogramm und ist zudem das regnerischste Gebiet des Landes. Das Gebiet, reich an besonderen Naturwerten, schützt verschiedene Ökosysteme und weite Waldgebiete in der nördlichen Talamanca Gebirgsregion. Seine Topographie in Kombination mit erheblichen Niederschlagsmengen erleichtert im Nationalpark das Vorhandensein von mehr als 150 Flüssen. Die beiden mit Abstand wichtigsten Flüsse des Naturschutzgebietes – der Rio Reventazón und der Rio Pacuare – entspringen in den höher gelegenen Bereichen des Nationalparks. Vom gesamten Einzugsgebiet des Rio Reventazón wird die Wasserversorgung für die Metropolregion genutzt und deckt damit den Bedarf von mehr als einer halben Million Haushalte.

In der Ferne taucht der Wasserfall des Waldreservats auf.

Ich lerne alle begehbaren Wanderpfade des Reservats kennen, aber zu meiner großen Enttäuschung treffe ich nur selten auf bunte Pflanzen.

In der vergangenen Nacht hat es kräftig und ergiebig geregnet, aber zum Glück klarte der Himmel über dem Tapantí tagsüber auf, sodass ich bei gutem Wetter auf den vielen Trails spazierte. Leider ist die Vielfalt der Tierwelt ausgesprochen artenarm und recht spärlich, Wildtiere und exotische Vögel zeigen sich aus irgendeinem Grund nicht und auch diesmal bleiben die bunten Pflanzen aus. Und das obwohl sich kaumWanderer im Park aufhalten. Nichtsdestotrotz wird der in den üppigen Nebelwald führende Pfad zu meinem Favoriten. So laufe ich mit einem besseren Gefühl zum Flussufer hinunter, um meine Füße ins klare Wasser zu stecken.

Im Fluss kann man sich gut entspannen.

Die bergauf führende lange Wanderstrecke ist mein Favorit.

Seitdem ich vor kurzem in der COVID-19-Pandemie nach Costa Rica zurückkehrte, kann ich schon nach einigen Tagen feststellen, dass die meisten Nationalparks wirklich geöffnet sind und mit bestimmten Einschränkungen wieder besucht werden können. Das Nationale System von Schutzgebieten (SINAC) hat gegenüber den bisherigen Vorschriften neue Sicherheitsvorkehrungen beschlossen. Die Nationalparks dürfen mit 50-prozentiger Kapazitätsauslastung geöffnet sein. Um die Wahrheit zu sagen, hat die neue Regelung bei meinen bisherigen Besuchen nicht wirklich eine Rolle gespielt, da ich mich vor ein paar Tagen im Nationalpark Braulio Carrillo ganz alleine aufhielt, während ich heute im Tapantí insgesamt auf nur drei einheimische Besucher traf…

Die Ticos schützen sich vor der Pandemie der Coronavirus-Krankheit, indem sie die Rastplätze bis auf Weiteres schließen…

Neu im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie ist, dass die beliebten Picknickplätze innerhalb der Nationalparks geschlossen wurden und vielerorts Eintrittskarten nur gegen Bezahlung mit Kreditkarte oder im Vorverkauf online erhältlich sind. Es gibt jedoch Nationalparks (zum Beispiel Rincón de la Vieja, Corcovado, Estación Experimental Forestal Horizontes usw.), in denen man Eintrittskarten nur mit altmodischer Einzahlung bei einer lokalen Bank erwerben kann. Am trickreichsten ist die aktuelle Zutrittsregel zum Parque Nacional Corcovado, wo die Online-Reservierung einfach storniert wird, wenn man nicht innerhalb von 48 Stunden den Betrag bei einer einheimischen Bank einzahlt und den Einzahlungsschein zum SINAC übermittelt…

Aufgrund der spärlichen Fauna wird Tapantí nicht mein Lieblingsnationalpark sein.

Morgen fahre ich Richtung der wilden Halbinsel OSA, aber vorher gebe ich mir noch eine Chance, nach Boquete in Panama wieder einmal einen Quetzal zu sehen…

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