Ich habe lange gebraucht, um mich mit Costa Rica anzufreunden. Cahuitas atemberaubende Wildlife-Safari hat aber viel dazu beigetragen, um mich in die außergewöhnliche Erfahrungen und artenreiche Tierwelt bietenden Nationalparks der Ticos zu verlieben.

Nach zwei zeitaufwändigen und anstrengenden Fahrten (Panama City – Boca Chica und Boquete – Bocas del Toro) mit öffentlichen Verkehrsmitteln hatten wir diesmal keine lange Reise vor uns. Die einzige Herausforderung war, dass wir auf dem Weg nach Cahuita öfters die Transportmittel wechseln mussten. Wir verließen Bocas del Toro per Wassertaxi, und nahmen dann von Almirante einen lokalen Bus bis zur Grenze. Auf costaricanischer Seite ist es bereits seit Jahren üblich, dass der Besucher einen Nachweis – entweder über eine Busfahrt oder über einen Flug – vorlegen muss, der belegt, dass die einreisende Person das Land verlässt, bevor ihr Visum abläuft. Viele Rucksacktouristen präsentieren den Grenzschutzbeamten gefälschte Flugkarten oder Buchungen, die innerhalb von 24 Stunden geändert oder ohne Strafgebühr storniert werden können. Wir mussten zum Glück keine solchen Tricks einsetzen, da Béla in ein paar Wochen und ich in anderthalb Monaten nach Europa zurückkehren werden.

Wir treffen gleich am Eingang auf Richmonds Hörnchen.

Der Aguti ist ein süßes kleines Nagetier.

Ich war seit 2017 nicht in Costa Rica, aber ich habe darauf gewartet, dass ich demnächst wiederkomme und das Land noch genauer erkunde. Auf meiner ersten Reise hatte ich ein schwieriges Verhältnis zu Costa Rica und wollte mit den einheimischen Ticos und ihrem Land gar nichts zu tun haben. Ich wusste nicht, was ich mit der komfortablen Zivilisation Costa Ricas und den nicht unbedingt budgetfreundlichen Preisen anfangen sollte. Aufgrund der vollständigen Amerikanisierung war Costa Rica das Land in Lateinamerika, in dem ich es vorgezogen hätte, am Tag meiner Ankunft sofort weiterzureisen.

Neben der vielseitigen und artenreichen Tierwelt gibt es viele schöne Dinge, um die Zeit im Nationalpark Cahuita tot zu schlagen.

Warum eigentlich die Probleme mit der „Verwestlichung” Costa Ricas?! Vor meiner Ankunft in Costa Rica verbrachte ich lange Monate in Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua, wo der typische lateinamerikanische Habitus viel ausgeprägter erscheint, während in Costa Rica irgendwie das kleine Plus fehlt, welches die anderen Länder des Kontinents von Brasilien über Ecuador bis Mexiko sofort besonders sympathisch und liebenswert macht. Im Gegensatz zu vielen anderen bevorzuge ich selber eher die ärmeren mittelamerikanischen Entwicklungsländer, die über weniger gut entwickelte Tourismusinfrastruktur verfügen. Diese besondere – für Europa eher untypische und außergewöhnliche – Atmosphäre macht das Reisen in Honduras und El Salvador viel abenteuerlicher und aufregender als in den gepflegten Ländern.

Cahuita ist einer der besten Parks des Landes, um Faultiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.

Im Gegensatz zu Costa Rica, wo – insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – der Einfluss der Vereinigten Staaten immer stärker zunahm. Dies spiegelt sich nicht nur in einer zu intensiven kulturellen Überfremdung wider, sondern auch in unangemessen hohen Preisen, die auch die reichsten Länder Europas übertreffen. Am Abend meiner Ankunft war La Fortuna ausschließlich mit amerikanischen Touristen und Reisegruppen gefüllt. Ich habe die schicken Lokale, die überteuerten Hipster-Bars und die vielen amerikanischen Rentner überhaupt nicht verstanden. Die einfache, puritanische Lebensweise, die ich in den oben genannten Ländern (und auch in Südamerika) kennengelernt habe, und in die ich mich vor vielen Jahren verliebt habe, gefällt mir persönlich weit besser.

Cahuita ist eines meiner Lieblingsreservate in Costa Rica.

Weißschulter-Kapuzineraffen sind ein wesentlicher Bestandteil des Nationalparks.

Enttäuscht vom ersten Tag in Costa Rica schrieb ich noch am Abend eine kurze Nachricht über meine Erfahrungen Endre – dem Gründer und Leiter der Agentur Mirador Adventures – den ich 2014 zufällig in Patagonien kennengelernt hatte. Ich kann mich noch ganz genau an seine schnelle Antwort erinnern, in der er mir den Besuch der Nationalparke von Corcovado, Tortuguero und Cahuita vorschlug. Nach dem ersten und ganz besonderen Kulturschock habe ich im Laufe der Jahre den Großteil von Costa Rica bereist, und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich mich in das Land verliebt habe. Um die Wahrheit zu sagen, habe ich über die Jahre hinweg mit den Ticos keine so wahre und tiefe Freundschaften aufbauen können, wie mit den Bewohnern anderer lateinamerikanischer Länder, aber die Nationalparks und Naturschutzgebiete von Costa Rica – ein Land das seinen ganz besonderen Reichtum an natürlichen Ressourcen effizient nutzt – sind meine großen Lieblinge.

Der abwechslungsreichste Pfad des Nationalparks beginnt am Strand in der Nähe zu der Stadt Cahuita.

Die Seeschwalben ruhen seit Jahren immer am selben Ort.

Als einer der dreißig Nationalparke von SINAC – eine Abteilung des Ministeriums für Umwelt und Energie – zählt der Nationalpark Cahuita zu meinen Favoriten. Im Vergleich zu anderen Nationalparks ist der Eintritt kostenlos, um eine Spende zur Erhaltung des Parks wird gebeten. Es gibt zwei offizielle Eingänge zum Nationalpark: an den Rangerstationen Kelly Creek und Puerto Vargas, die durch einen wunderschönen Wanderweg verbunden sind. Die Station Kelly Creek liegt direkt im Zentrum von Cahuita, während Puerto Vargas etwa 3,5 km entfernt liegt. Letztere führt auf einem weitgehend mit Brettern versehenen Pfad durch den Urwald zur Spitze der Halbinsel.

Zweifinger-Faultiere sind im Nationalpark eher selten zu sichten, aber dieses Mal hatten wir unglaubliches Glück.

Baby-Faultier bei der Morgengymnastik.

Wegen des bekannteren und im Prinzip mit mehr Wildtieren versehenen Wanderweges bevorzuge ich den Pfad, der an der Station Kelly Creek beginnt, wo sich schon am frühen Morgen viele lokale Guides tummeln. Ich war mindestens ein halbes Dutzend Mal in Cahuita, daher kann ich ohne Arroganz behaupten, dass ich ganz genau die Orte und Bäume kenne, an denen Regenwald-Tiere zu finden sind. Von den Faultieren sichten wir sowohl Zweifinger-, als auch Dreifinger-Faultiere. Nach ein paar Stunden im Nationalpark treffen wir auch auf ein sehr aktives Baby-Faultier, das direkt vor unserer Nase schön langsam auf einem Baum kriecht. Minutenlang schauen nur wir beide zu, und dann kommt eine Gruppe mit großer Aufregung an. Der verängstigte Knirps bekommt Angst und verschwindet ganz schnell.

Es ist ratsam, die niedlichen Waschbären im Auge zu behalten, da sie häufig die Taschen und Rucksäcke der Besucher skrupellos plündern.

Neben neugierigen Waschbären, wilden Kapuzineraffen, die mit Zweigen nach Insekten angeln und Spinnen, die große Netze weben, können Basilisken relativ leicht in sumpfigen Gebieten gesichtet werden. Gejagt von hungrigen Schlangen flüchten letztere rasend schnell übers Wasser. Sollte die Echse doch einmal ins Wasser eintauchen, macht das nichts, denn die Basilisken sind sehr gute Schwimmer und Taucher. Von der tropischen Wärme schwitzend haben wir es nicht bereut, am Strand des Nationalparks im sehr angenehmen Wasser schwimmen zu gehen.

Grüner Basilisk, der für ein Foto posiert.

Anstatt Schlangen finden wir “nur” Spinnen.

Das einzige Tier, mit dem ich bisher in Cahuita leider kein Glück hatte, ist die Schlange. Ich hoffe, dass ich welche beim nächsten Mal oder sogar in den nächsten Tagen entweder im Tierschutzgebiet Gandoca-Manzanillo oder im Tortuguero-Nationalpark zu sehen bekomme…

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