Costa Rica nervte mich, als ich das Land vor fünf Jahren zum ersten Mal betrat. Seitdem wurde vieles in mir neu bewertet und ich verliebte mich in La Fortuna, die ich damals zur Hölle wünschte. Was ich genau durchgemacht habe und wie aus Hass Liebe wurde, verrät mein nächster Blogbeitrag.

Das erste Mal in Costa Rica war ich in 2017. Nach einer langen und intensiven Reise durch Guatemala, Honduras und El Salvador bin ich über Nicaragua in La Fortuna angekommen. Die überschaubare kleine Stadt in der Mitte des Landes war meine erste Station, wo ich die aus Lettland stammende Ilze traf. Die sympathische Lettin habe ich Jahre zuvor in Kolumbien kennengelernt. Nach einer gemeinsamen Reise in Guatemala haben wir uns entschlossen, eine Woche lang auch in Costa Rica zusammen zu reisen. Ich kam einige Tage vor Ilze´s Ankunft in La Fortuna – einem der Zentren des Abenteuer- und Aktivtourismus in Costa Rica – an, wo ich trotz meiner äußerst sympathischen Reisebegleitung und der zu erwartetenden Erlebnisse im Rahmen gemeinsamer Unternehmungen die ersten Tage meinen Platz nicht finden konnte.

Der bekannte Vulkan kann vom Mirador Colada bestens beobachtet werden.

Nach der Einfachheit, Authentizität und Direktheit von Honduras und El Salvador fühlte ich mich in meiner Haut besonders unwohl. Ich hatte unangenehme Emotionen, negative Gefühle und schlechte Empfindungen. Es fehlte an einem vom exzessiven Tourismus unberührten touristischen Erlebnis. Innerhalb von knapp 24 Stunden hat sich die Welt um mich herum verändert. La Fortuna – ein kleiner Ort am Fuße des Vulkans Arenal – war umgeben von glänzenden Restaurants, gemütlichen Bars und Cafés für eher amerikanische Touristen. Ich wurde umgeben von Gruppen von US-Rentnern, alle sprachen Englisch. Nach einer ausführlichen Reise durch die ärmere Region Mittelamerikas stieß ich hier auf eine für Amerikaner erfundene künstliche Welt, der ich buchstäblich entfliehen wollte. Am Ende blieb ich jedoch wegen der lang ersehnten Begegnung mit Ilze. Aufgrund meines neuen Jobs war ich seit 2017 mindestens ein halbes Dutzend Mal in La Fortuna und habe die Umgebung der Stadt im Detail kennen und lieben gelernt. Ich besichtigte die zahlreichen Ökoparks, wo ich die reiche und vielfältige Fauna in einer natürlichen Umgebung visuell inspizieren und fotografieren konnte. Innerhalb von fünf Jahren ist La Fortuna zu einem meiner großen Favoriten in Costa Rica geworden. Sehen wir mal, wie im Laufe der Jahre aus Hass Liebe geworden ist!

2017 sind wir bei schönem Wetter um den Vulkan Arenal gewandert.

Unterwegs stoßen wir auf eine Dreiecksnatter.

Wir genießen die wilde, unverfälschte Natur.

Beginnen wir mit meinem ersten Besuch! Vor fünf Jahren habe ich mit Ilze den Cerro Chato ins Visier genommen. Meine Bekannte wollte nach einem Monat Freiwilligenarbeit statt Café-Atmosphäre viele spannende Abenteuer erleben. In unserer Unterkunft trafen wir Tim und Michaela aus Deutschland, mit denen ich Wochen später sowohl in Cahuita als auch in Panama gemeinsame Reisen unternahm. Zusammen mit ihnen begaben wir uns auf das große Abenteuer, das auf gewundenen Pfaden in der Nähe vom Vulkan Arenal zu einem smaragd glitzernden Kratersee führte. Die Dschungeltour ist während der Regenzeit sicher nicht so spektakulär, glücklicherweise erlebten wir aber den dichten Regenwald bei wolkenlosem Sonnenwetter. Trotz des herrlichen Wetters kämpften wir in der zweiten Hälfte der Wanderung mit nassen bemoosten Felsen und rutschigen Wurzeln, aber die Freude war groß, als wir die Spitze des Vulkans, den Kraterrand, erreichten und zum etwa 500 m großen Kratersee hinabstiegen. Letzterer bot mit seinem schillernden smaragdgrünen Wasser einen wunderschönen Anblick.

Der magische Kratersee des Cerro Chato hat viel dazu beigetragen, La Fortuna lieben zu lernen.

Ilze zeigt sich beim steilen Abstieg vorsichtig.

Ich habe die La Fortuna Wasserfälle viele Jahre lang aus meinem Programm gestrichen und sie erst 2020 – bis jetzt das erste und letzte Mal – besichtigt. Es gab dafür mehrere Gründe. Obwohl der Wasserfall in der Nähe des erloschenen Stratovulkans Cerro Chato spektakulär ist, gibt es im Land noch viele aufregendere Wasserfälle. Ein weiterer Grund ist, dass ich bis zum Erreichen eines Wasserfalls weit wandern möchte. Im Fall von Catarata La Fortuna muss man nicht viel spazieren, man geht vom Eingang aus einfach die 500 Stufen nach unten und hinterher wieder hinauf. So befindet man sich schon nach einer halben Stunde Gehzeit beim Wasserfall. Ich erinnere mich ganz genau daran, als wir 2017 nach der Cerro Chato-Dschungeltour auf dem Parkplatz direkt neben dem Wasserfall ein Taxi genommen haben, um zurück ins Zentrum zu gelangen. Während des Wartens auf die Taxis erschien eine Gruppe Amerikaner am Eingang, die sich mehr über das kostenlose WLAN gefreut hatten als über den Wasserfall selbst…

Leicht zugängliche touristische Attraktion.

Üppige Dschungelkulisse beim Wasserfall La Fortuna.

In Erinnerung an die Erfahrungen von vor fünf Jahren befanden sich damals viele Rucksacktouristen in der Stadt. Unmittelbar nach der Pandemie – im November und Dezember 2020 – besuchte ich erneut La Fortuna. Naja, die preisgünstigen Backpacker-Hostels waren bis dahin alle spurlos verschwunden. Ich konnte diese Art von Unterkunft aufgrund der weltweiten Coronavirus-Epidemie und des Tourismus-Rückgangs nicht mehr finden. Ich bin jedoch auf einen authentischen Ort namens Xilopalo gestoßen, an den ich seitdem immer wieder zurückkehre, egal ob es sich um Gruppen- oder Einzelreisen handelt. Die gemütliche Holzterrasse bietet bei klarem Wetter einen imposanten Blick auf den Vulkan Arenal. Das Frühstück ist einfach köstlich, es gibt gute Speisemöglichkeiten für den Abend, und es gibt die ganze Zeit viele Vögel an den Futterhäuschen, was die Frühstückszeit oft verlängert. Das macht mir gar nichts aus, denn mit der bunten Vogelkavalkade starte ich jedes Mal optimal in den Tag.

Die wunderschöne Gegend um unsere Unterkunft ist voller bunter Vögel.

Am Stadtrand von La Fortuna erhebt sich der fast vollständig kegelförmige Arenal (1633 m), der bei schönem Wetter einen wunderschönen Panoramablick auf die Stadt bietet. In vielen Naturschutzgebieten erinnert die Landschaft an einen der stärksten und intensivsten Lavaströme historischer Zeiten, als riesige leuchtende Gaswolken drei kleine Dörfer verbrannten und vollständig begruben und viele Menschenleben forderten. Der Lava Trail von El Silencio ist anspruchsvoll und abwechslungsreich. Während meiner dreistündigen Wanderung zum grossen Lavafeld vom 1968er Ausbruch des Arenal Vulkans durchquerte ich eine dschungelartige Landschaft, offenes Weideland und ein erhärtetes Lavafeld. Unterwegs rastete ich bei mehreren Aussichtspunkten mit herrlichem Blick auf den Vulkan Arenal. Mir hat sehr gut gefallen, dass es keine befestigten Wanderwege gab, dafür sind die getrampelten Fußwege alle naturnah. In einem kleinen Teich direkt neben dem Parkeingang ist die selbstorganisierte nächtliche Suche nach Fröschen und Insekten das i-Tüpfelchen.

Ich lerne 2020 das erhärtete Lavafeld von El Silencio kennen.

Abends beobachte ich winzige Frösche.

Natürlich hat Costa Ricas SINAC (Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutzam Fuße des Vulkans Arenal auch einen Nationalpark geschaffen, in dem man in authentischer Umgebung auf wundersamen Pfaden durch üppige Regenwälder wandern kann. Bis vor wenigen Jahren war der Lava-Gipfel des Arenal in der Dunkelheit der Nacht noch erleuchtet. Als der Vulkan ausbrach, lösten die dramatischeEruptionen glühende Lavaströme, Ascheregen, Gesteinshagel und giftige Gase aus, während Lava in engen Bächen den Berghang hinunterfloss. Es ist mehr als ein Jahrzehnt her, dass Costa Rica solche Szenen erlebt hat. Aber der Vulkan steht immer noch hoch, stößt oft Rauch, Dampf und vulkanische Gase aus und erinnert uns still an seine Stärke. Die letzten wirklich großeVulkanausbrüche in Arenal ereigneten sich 1968 und 1992 und veränderten die Geschichte und Wirtschaft benachbarter Siedlungen. Beim Wandern im Arenal Volcano National Park ging ich durch das Lavafeld mit schwarzeerstarrteFelsoberfläche, das nach dem Ausbruch von 1992 entstanden ist.

Biologisch vielfältiger Nationalpark.

Der Místico Hanging Bridges-Park ist ca. ist eine halbe Stunde vom Zentrum von La Fortuna entfernt, so konnte ich den Park problemlos mit meinem Mietwagen erreichen. Wandern auf den hochgelegenen Hängebrücken gehörte eigentlich nicht zu meinen geplanten Programmen in Costa Rica, aber wer sagt nein zu einer Wanderung auf einem Trail, der auf Augenhöhe mit den Kronen des Regenwaldes führt?! Die teure Hängebrücken-Wanderung im Selvatura-Park habe ich vor ein paar Tagen in Santa Elena ausgelassen und habe Místico zugetraut, auf der ca. drei Kilometer langen Romantik-Tour mehr als nur die 16 Hängebrücken zu erkunden. Der gut erhaltene Öko-Park liegt dort, wo die typischen flachen und weiten Ebenen entlang der Karibik auf die Tilaran-Berge treffen. Das bedeutet, dass Vögel und Tiere, die für das Gebiet so charakteristisch sind, sowohl auf niedrigeren als auch auf höheren Ebenen zu finden sind. Um ehrlich zu sein, hatte ich dieses Mal nicht viel Glück, da sich die Tierwelt nicht viel zum Staunen bot, so dass meine abenteuerliche Wanderung auf den Hängebrücken von einer riesigen Schlange gerettet wurde, die sich entlang unseres Pfades versteckte.

Beim Wandern überquere ich mehrere atemberaubende Hängebrücken.

Die vielfältige Fauna bleibt diesmal aus, aber eine Riesenschlange macht unseren Tag bunt.

Mitten durch die Baumkronen zu spazieren.

Wer es mir empfohlen hat oder wie ich die Arenal Observatory Lodge zu Füßen des Arenal gefunden habe, weiß ich leider nicht mehr. Wahr ist jedoch, dass die Lodge, die in einer einzigartigen natürlich Umgebung zwischen dem Vulkan Arenal und dem künstlichen Arenalsee erbaut wurde, ein erstklassiger Ort für Vogelbeobachtung ist. Auf einer Fläche von 870 Hektar können Hotelgäste natürlich völlig kostenlos das über zehn Kilometer lange Trailsystem mit kleinen Bächen im dichten Regenwald und dem Wasserfall Danta besuchen. Auf der Anlage findet man einen kleinen Teich zur Beobachtung von Fröschen, mehrere Vogelbeobachtungsplätze und vieles mehr. Alles gut geplant und professionell gestaltet und mit ganz wenigen Besuchern. Der spektakuläre Aussichtspunkt in schwindelerregender Höhe ist genial, er hebt sich charakteristisch von der umgebenden Landschaft ab und von oben kann man den gesamten Bereich der riesigen Anlage begutachten. Ich habe den Vulkan Arenal noch nie so nah erlebt. An der Kolibri-Beobachtungsstelle traf ich auf einen sympathischen Tico, der mit seiner riesigen Kamera Stunden am gleichen Ort verbrachte, um diese wunderschönen Vögel zu fotografieren. Ich bekam von ihm ein Dutzend Tipps, wo ich Vögel in ihrer natürlichen Umgebung beobachten könnte. Ich machte mir Notizen auf meinem Handy und holte auch die WhatsApp-Nummer des Tico. Ich zeige Euch meine schönsten Fotos, die ich in der Arenal Observatory Lodge geknipst habe:

Der Name Bogarín ist eng mit dem Schutz und der Wiederaufforstung des Waldes von La Fortuna verbunden. Die männlichen Mitglieder der Familie Bogarín gründeten einen besonderen Ort mit dem gleichen Namen, der seitdem – ich kann es ohne Übertreibung behaupten – zu einem Kultplatz in der Stadt und zu einem Muss bevor ich frühstücke geworden ist. Seit meinem ersten Besuch habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu Giovanni, der italienische Vorfahren hat und seine ganze Zeit im neu bepflanzten Waldgebiet verbringt. Von der Familie – zusammen mit mindestens acht Brüdern gründete er den unter Touristen beliebten Vogelbeobachtungsplatz – kümmert sich Giovanni um die Besucher, er begrüßt sie herzlich beim Eingangsbereich. Giovanni erzählte mir mit voller Begeisterung vom Projekt:

„Anfang der 2000er Jahre ist La Fortuna durch die zunehmende Urbanisierung über sich hinausgewachsen, wobei einheimische Pflazenarten immer mehr aus den Grünflächen der Stadt verdrängt worden sind. Die Verstädterung hat viele von uns gestört. Die Idee war, durch eine Durchgrünung die Lungen von La Fortuna zu retten. Ich sprach mit dem Besitzer einer Farm in der Nähe des Zentrums, der mir 30 Hektar Land für mein Projekt anbot. Unser Ziel war es, die Biodiversität zu schützen und zu erhalten bzw. die Flora und Fauna durch Wiederaufforstung vom kahlen Weideland zurückzubringen.“

Mein lokaler Kumpel Giovanni führt mich zu einem Zweifingerfaultier.

Der Tukan zeigte sich am Eingangsbereich des Vogelbeobachtungsplatzes.

Gleich in der Früh treffe ich auf einen Motmot.

Nach zwanzig Jahren kann man sagen, dass das Projekt ein voller Erfolg geworden ist, da sich der aufgeforstete Wald bemerkenswert gut entwickelt hat. Die Familie von Giovanni hat ein ausgeklügeltes Wegesystem geschaffen, wo man viele Vögel und Faultiere beobachten kann. Vor allem auf Faultiere hat sich die Familie spezialisiert. Bei meinem ersten Besuch kam ich sehr früh im Reservat an, wo ich sehr erfreut war, ganz alleine die Pfade zu besichtigen. Ich hatte das Glück, ein Faultier zwanzig Minuten lang von einem Baum zum anderen kriechen zu sehen. Was für ein einmaliges Erlebnis! Noch am gleichen Tag war es Giovanni, der sich besonders viel Zeit für mich nahm und mich zu einem der Bäume an der Hauptstraße von La Fortuna führte, wo ich ein Zweifingerfaultier beobachten konnte. Der geniale Bogarín Trail verfügt am Eingang des Trailsystems über einen Miniteich, wo morgens und nachmittags Dutzende bunte Vögel herkommen. Unmittelbar nach der Pandemie erlebte ich eine besondere Attraktion ohne Touristenhorden. Es war eine großartige Erfahrung.

Der Bogarín-Pfad ist immer ein unvergesslicher Spaziergang.

Das Ecocentro Danaus wurde mir von Giovanni empfohlen, als ich mich nach einer anderen Tierbeobachtungsstelle erkundigte. Danaus ist ein Naturschutzgebiet in Privatbesitz, etwa zehn Minuten von der Innenstadt von La Fortuna entfernt. Das Biosphärenreservat schützt den nachgewachseneSekundärwald. Vor etwa 20 Jahren wurde das Gebiet um Danaus ausschließlich als Weidegelände genutzt. Ein Großteil der Kuhwiese wurde komplett gerodet und anstelle der gefällten Bäume wurden junge Setzlinge gepflanzt. Im Laufe der Jahre haben die Eigentümer des Ecocentro Danaus den Regenwald nach Wiederaufforstung wachsen lassen. Einheimische Bäume und Pflanzen wurden gepflanzt, um die biologische Vielfalt zu erhöhen. Bei meinem Besuch konnte ich nur einen kleinen Teil des Reservats besichtigen, das geschützte Naturgebiet ist viel größer. Obwohl der Pfad selbst kurz ist, fühlte ich mich dennoch, als wäre ich vollständig in den Dschungel eingetaucht, der eine große Anzahl von Geheimnissen und Kuriositäten verbarg. Der gut gepflegte, schön gestaltete Gehweg ist dicht mit Vegetation. Während meines Spaziergangs habe ich üppige Bäume und Pflanzen inspiziert. Durch seine brillante Fauna – Krokodile, Schildkröten, bunte Vögel, Schmetterlinge, Frösche, Faultiere usw. – ist das Ecocentro Danaus dadurch zu einem meiner großen Favoriten in La Fortuna geworden, das ich beim nächsten Mal definitiv wieder besuchen werde.

Obwohl ich das Ecocentro Danaus bisher nicht kannte, war es eines meiner Highlights in La Fortuna.

Aufgrund der vielfältigen Natur und der artenreichen Tier- und Pflanzenwelt ist La Fortuna und seine Umgebung immer ein paar Tage wert. Bei meinen bisherigen Besuchen habe ich aus irgendeinem Grund die geothermisch beheizten warmen Entspannungsbäder ausgelassen. Beim nächsten Mal werde ich mich bestimmt in mit Mineralien angereichertem Thermalwasser entspannen.

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