Wie im Fall des Nationalparks Manuel Antonio habe ich Monteverde – eines der beliebtesten Reiseziele des Landes – während meiner bisherigen Aufenthalte in Costa Rica noch nicht aufgesucht. Ich hatte daher viel nachzuholen, denn das Wildnis- und Schutzgebiet in der Region Santa Elena ist voll mit Nationalreservaten mit sehr üppiger Vegetation, Farnen, Lianen und exotischen Bromelien…

Das Wetter im bergigen Nordwesten Costa Ricas, das die Wasserscheiden des Pazifiks und der Karibik trennt, ist völlig unberechenbar. So nieselt es in Monteverde durch den kräftigen Nordwind immer wieder aus dem tief liegenden Nebel.

Magische Landschaft in Richtung Santa Elena.

Im biologischen Reservat Bajo del Tigre beginne ich, die artenreichen Nebelwälder von Monteverde kennenzulernen.

Während meines aktuellen Aufenthalts in Santa Elena begegnete ich im privaten Bosque Eterno de los Niños(„Der Ewige Regenwald für Kinder”) zum ersten Mal immergrünen feuchten Wäldern, riesigen mit Moosen bewachsenen Bäumen und bis zu 2 m hohen Farnen. Das private Reservat wurde von Kindern aus über 44 Ländern in Zusammenarbeit zum Schutz des Regenwaldes erworben. Das auch als Bajo del Tigre genannte Reservat ist eine gemeinnützige Umweltorganisation mit spektakulären und aufregenden Wanderwegen, ausgedehnten Wäldern und Artenvielfalt. Knapp zehn Prozent der Arten, die hier leben sind endemisch.

Beim Wandern lerne ich das einzigartige Ökosystem des Bosque Eterno de los Niños kennen.

Meine nächste Station ist das Reservat Curi Cancha, das 2011 für Touristen geöffnet wurde. Curi Cancha ist ein privat betriebenes Naturschutzgebiet, in dem die Eigentümer seit fünfzig Jahren daran arbeiten, den größten Teil der landwirtschaftlichen Fläche wieder in einen Wald umzuwandeln. Curi Cancha schützt 50% des primären Regenwaldes, 45% des Sekundärwalds und 5% der offenen Ackerfläche. Aufgrund der Höhenunterschiede zwischen 1405 und 1615 m sind einige Abschnitte auch mit dichtem Nebelwald bewachsen. Ich laufe ausführlich durch die sieben Kilometer langen, gut angelegten Lehrpfade, inspiziere viele hochwachsende Pflanzen, treffe auf Agutis, Nasenbären und an den Futterstellen auf Dutzende von schönen Kolibris.

Die durch den Nebelwald führenden Pfade sind gepflegt und als Besucher genießt man die Ruhe.

Curi Cancha ist ein feines privates Reservat mit Tränken für Kolibris und anspruchsvollen Wanderwegen.

Wenn man plant, seine Zeit nicht nur in Reservaten oder Ökoparks in Monteverde zu verbringen, gibt es zwei interessante Kuriositäten, die einfach und kostenlos zu besuchen sind. Man muss nicht einmal die Siedlung verlassen, um diese eher unbekannten touristischen Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Eine dieser Attraktionen wird von den Einheimischen als „El Arbol Hueco” genannt. Der Baum ist ein wahres Naturwunder, ein magischer hohler Stamm (eigentlich eine Reihe auffallender Ficusbäume, die im Laufe der Jahrzehnte erstaunlich eng miteinander verflochten wurde) mit einem hohlen Inneren, in dem man von innen wie auf einer Leiter nach oben klettern kann. Ein weiterer bemerkenswerter Baum in Santa Elena ist der „El Arbol Raiz”, der mit seinen verworrenen Wurzeln eine Brücke über einen Fluss bildet.

In der kleinen Siedlung gibt es viele fabelhafte Naturattraktionen.

Das Gefieder des Jungvogels ist viel heller, als das des adulten Prachthaubenadlers. Der Jungvogel ist auf der Körperoberseite überwiegend dunkelbraun, davon hebt sich der weiße Kopf stark ab. (Foto: Melinda Murvai)

Die Finca Ecologica San Luis war ein echter Geheimtipp, den Jonathan, der die Casa Cattleya betreibt, mit mir teilte. Mein sympathischer Gastgeber meinte, dass ich im San Luis-Tal einen ganz speziellen Adler beobachten könnte, der als mäßig vom Aussterben bedrohte Art eingestuft ist. Wow, das wäre wirklich genial, dachte ich mir. So habe ich gleich meinen Plan für den Nachmittag geändert. Die schlechte Straßenqualität ins Tal war auf jeden Fall die ganze Mühe wert, denn der schöne Vogel posierte wirklich auf einem gut sichtbaren Ast neben dem Eingang zum riesigen Waldgebiet. Nachdem ich mehrere Fotos geknipst und den Jungvogel ausführlich beobachtet hatte, ging ich trotz des gar nicht so geringen Regens am Morgen durch die schlammigen Pfade der als Bergparadies geltenden Finca, wo sich die kuriose Vogelwelt des zauberhaften Nebelwaldes im Detail zeigte.

Bromelien so weit das Auge reicht.

Es ist faszinierendes Erlebnis im San Luis-Tal.

Als Geheimtipp wurde die Finca Ecologica zu einem meiner Favoriten.

Wenn man dem Pfad entlang läuft, wird man von den schillernden Farben und schönen Formen der Natur verzaubert.

Während meiner abwechslungsreichen Tage in der Quäkersiedlung Monteverde freute ich mich am meisten auf die wildromantischen Pfade der Santa Elena Cloud Forest Reserve, da das Naturwaldreservat höher liegt – auf 1.600 Metern – als die anderen Nebelwälder der Siedlung und man auf den fast 12 km langen, gut markierten und gepflegten Fußwegen atemberaubend schöne Aussichtspunkte erlebt. Bei der Wanderung kommt bestimmt ein echtes Indiana-Jones-Gefühl auf. Da ich mich kurz nach der Wiedereröffnung nach Corona auf der Reise in Costa Rica befand, treffe ich kaum auf andere Besucher, sodass ich den Park und die naturbelassenen Wege fast vollständig für mich alleine habe. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, was ich tun würde, wenn ich die Pfade in der Hochsaison und mit Hunderten anderer Wanderer teilen müsste. Die ganze Erfahrung würde sicherlich ihren Wert verlieren. Was ich nämlich heute fast vollständig alleine erlebt habe, ist mit Worten kaum zu beschreiben.

Bereits auf den ersten Metern zeigen sich dutzende besondere Pflanzen.

Der Nebelwald ist eine Art echter Bergwald, der sich dadurch auszeichnet, dass die Wolken bis in die Baumkronen untertauchen. Diese Wolkenschichten stellen eine lebensspendende Wasserquelle für den Wald dar und schaffen eine ideale Umgebung für das Wachstum und die Entwicklung von Tierarten und Pflanzen, die an hohe und konstante Luftfeuchtigkeit gewöhnt sind. Warme Passatwinde vom Atlantischen Ozean passieren den Kontinentalgraben, kühlen die Luft ab und komprimieren die Wolken. Als die Wolken Santa Elena erreichen, sind sie bereits dick und voller Wasserdampf. Der Immergrüne Wald ist daher ständig neblig und produziert fast 370 cm Niederschlag pro Jahr. Es sind diese geheimnisvollen Nebel, die Santa Elena und seine Umgebung zu einem besonders magischen, geheimnisvollen und etwas düsteren Ort machen.

Die Aussichtspunkte des Reservats Santa Elena bieten das schönste Panorama in Monteverde.

Durch starken Wind und viel Regen brechen regelmäßig die Äste der Bäume ab, damit fallen die dort lebenden Aufsitzerpflanzen zum Boden. Daher entstehen nicht nur Lücken im Kronendach, sondern versorgen die abgebrochenen Epiphyten den Boden mit zusätzlichen Nährstoffen. Im Santa Elena Cloud Forest Reserve lag mein Hauptaugenmerk nicht darauf, Tierlebensräume zu finden und Wildtiere zu beobachten, sondern Teil des einzigartigen Ökosystems zu sein. Am Ende der Wanderung war es dennoch ein tolles Erlebnis, auf ein gutmütiges Gürteltier zu stoßen. Ich war sehr überrascht. Das Gürteltier bewegte sich schnell, ich habe versucht, Fotos zu knipsen, aber mir gelangen keine wirklich guten Fotos.

Nach Wiedereröffnung nach der Corona-Pandemie gehe ich fast alleine die Pfade entlang.

Die abwechslungsreichste und umfassendste Nebelwaldwanderung.

Selvatura ist einer der beliebtesten multifunktionalen Abenteuerparks in Santa Elena, voll mit Hängebrücken, einem Zipline-Parkour, einem Kolibri- und Schmetterlingspark und einer exotischen Reptilienausstellung. Ich habe dieses Mal die Hängebrücken-Baumkronentour ausgelassen, da ich einige Wochen zuvor im Rainmaker-Reservat etwas Ähnliches erlebt habe. Ehrlich gesagt mag ich keine Orte, an denen Wildtiere und Vögel nicht in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden können. Selvatura ist leider so ein Naturpark. Mir gefällt es viel besser, wenn ich mich auf den schmalen Waldpfaden ganz alleine bewege und bei der Tierbeobachtung entweder Glück habe oder nicht. Wenn das Glück auf meiner Seite ist, treffe ich auf in der Wildnis lebenede Tiere und Vögel. Ich behaupte nicht, dass es diesmal nicht gut war, viele Kolibri-Arten und Reptilien zu erkundschaften, aber Selvatura wird definitiv nicht mein Favorit sein.

Im Kolibrigarten zeigen sich Dutzende verschiedener Kolibris.

Das Fotografieren von Schlangen, Echsen und anderen ausgefallenen Haustieren ist spannend, allerdings wünsche ich mir dafür die natürliche Umgebung.

Im Gegenteil zum bei den Touristen sehr beliebten Selvatura hat mir das Ranario Monteverde besonders gut gefallen. Im Zentrum von Santa Elena gelegen, können Besucher mehr als 25 einheimische Arten von Fröschen, Kröten und anderen Amphibien bewundern, die auf großen Terrarien leben, die einen natürlichenLebensraum simulieren. Unter den Terrarientieren sah ich viele interessante Regenwald-Tiere, darunter eine Reihe von Pfeilgiftfröschen, Seekröten, Erdbeerfröschchen in der „Blue jeans“-Farbvariante und den klassischen Rotaugenlaubfrosch, in seiner pazifischen und karibischen Version. Auch der Besuch nach Einbruch der Dunkelheit war sehr interessant und spannend – das Ticket war für beide Male gültig – da die bunte Vielfalt bedrohter Frösche in der Nacht noch aktiver und lauter ist.

Die Frösche sind meine großen Lieblinge, daher gehe ich gerne durch die Terrarien von Ranario.

Frösche in allen Größen und Farben.

Es ist ratsamer, die nachtaktiven Tiere in der Nacht zu fotografieren.

Jeder Besucher in Costa Rica sollte den Rotaugenlaubfrosch ein für alle Mal sehen!

Ich muss gestehen ich habe meine Tage in Monteverde sehr genossen, da ich an vielen Orten der einzige Besucher war, der durch die mystischen Reservate des üppigen Nebelwaldes spazierte. In den nächsten Tagen werde ich noch mehr vom ausgetretenen Gringo-Trail abweichen und von einem weniger bekannten Nationalpark berichten…

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