Der heutige Regentag hätte ganz locker so ablaufen können, dass ich mein Buch weiterlese oder eine der Netflix-Serien fortsetze… Das stürmische Wetter blieb mir noch eine Weile erhalten. Die reißenden Fluten des Tropensturms Eta machten die aktuelle Reiseplanung schwierig. Trotzdem wagte ich mich in den Rainmaker Park, wo ich neben rauschenden Wasserfällen, Schlangen und Reptilien Dutzende verschiedener Frösche beobachtete. Jetzt wo ich wieder in meiner Unterkunft bin – und der Blitz immer noch flackert und es weiter regnet – darf ein heißer Tee und das neue AC/DC-Album kommen!

Kaum hatte ich den Nationalpark Manuel Antonio verlassen, zog ein heftiger Sturm auf und es begann zu regnen. Der kräftige Regenguss und das dadurch entstandene Hochwasser waren aufgrund der ausgeprägten Regenzeit vorhersehbar. Die große Regenzeit war mit dem Hurrikan Eta auf ihrem Höhepunkt. Seit Tagen wurde Zentralamerika von einem schweren tropischen Wirbelsturm bedroht, der auf dem ganzen Kontinent schwere Zerstörungen hinterlassen hat. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der gefährliche Hurrikan auch in Costa Rica wieder an Stärke gewann. Der Sturm, gepaart mit heftigen Regenfällen verursachte Überschwemmungen und Erdrutsche in Mittelamerika, so machte ich es mir in meiner Unterkunft gemütlich und wartete auf das Ende des schweren Unwetters. Die sintflutartigen Regenfälle waren kein gutes Omen für das Programm der nächsten Tage, zumal der heftige tropische Wirbelsturm in anderen mittelamerikanischen Staaten (z.B. Guatemala, Honduras) zu vielen Todesopfern geführt hat. Die Orkanböen erreichten stellenweise Geschwindigkeiten von 235 Stundenkilometern, es stellte sich also nur die Frage, wie lange die hohe Bergkette, die Costa Rica halbiert, der Eta standhalten würde.

Zwischen zwei Regengüssen wage ich mich in die Stadt und schaue mir den alten Hafen von Quepos an.

Spektakulär plätscherndes Gewässer.

Am nächsten Morgen ließ der Gewittersturm schließlich etwas nach und aufgrund der Wettervorhersagen schien es, dass sich für einige Stunden auch der Starkregen etwas abschwächen würde. Ich habe in der Nacht lange überlegt, ob ich für den Tag in meiner Unterkunft bleiben sollte, aber die Wolken, die sich in der Früh für ein paar Minuten zurückgezogen haben, haben mich schließlich überzeugt. So begab ich mich – etwa 30 Autominuten von Quepos entfernt – ins Privatreservat Rainmaker, welches kaum von Touristen besucht wird und reich an Flora und Fauna sein sollte. Gegenüber der privaten Naturwaldreservate in Costa Rica bin ich sehr skeptisch, da die Ticos (und einige im Land lebende Expats) gerne jede Grünfläche als Nationalpark oder Naturschutzgebiet bezeichnen. Ich habe keine Probleme mit der Erhaltung, Wiederaufbau von Wäldern und dem Natur- und Artenschutz, viel mehr aber mit den privaten „Ökoparks“, die für die meisten Besucher eher uninteressant sind und wo die Betreiber oft unverschämt 20-25 USD als Eintritt verlangen. In den meisten Fällen bekommt der frustrierte Naturliebhaber nichts Besonderes für den absolut überteuerten Preis.

Wegen Pfeilgiftfröschen besuchte ich das private Naturschutzgebiet.

Im Rainmaker Park sind auch Goldkehltukane zu sehen.

Glücklicherweise ist der Rainmaker Park, der den Schutz und die Wiederaufforstung der Regenwälder unterstützt, eine der Ausnahmen. 80 % des 1.500 Hektar großen mit einem 2,5 km langen Wegenetz versehenen Privatparks sind Primärregenwald. Ich komme am frühen Morgen an, finde aber das Haupttor verschlossen. Ist vielleicht das geschützte Reservat wegen dem miesen Wetter zu? Ich finde trotzdem einen Weg in den Park, wo sich die lokalen Betreiber wegen meiner Ankunft beim Starkregen und der frühen Zeit – es ist nicht einmal 8 Uhr – überrascht sind. Ich trage mich ins Besucherbuch ein, bezahle beim örtlichen Parkwärter zwanzig Dollar für den Eintritt und bin schon Richtung dem hügeligen Teil des Regenwald-Parks unterwegs, von wo aus ich am Ende der Rundwanderung am Flussufer entlang zum Eingang zurückkehren werde.

Von den schmalen Hängebrücken lässt sich der üppige Regenwald am besten beobachten.

Trotz Regenwetter kann man in dieser wunderschönen Umgebung die Natur in aller Pracht und Ruhe genießen. Der andauernde Regen ist vielleicht noch förderlicher für meinen aktuellen Plan, in den wenigen Stunden, die ich im Park verbringe, möglichst viele ungewöhnlich kleine Frösche sichten und beobachten zu können. Es ist kein Geheimnis, dass ich hauptsächlich wegen der vielen Miniatur-Amphibien hier bin. Es gibt ohnehin viele seltene beheimatete Froscharten in Costa Rica, wo es nicht lange Jahre dauert, bis die Forscher neue Mini-Frösche oder als ausgestorben geltende Spezies entdecken.

Ich beobachte alle möglichen seltsamen Tiere im Regen.

Ich kann Stunden damit verbringen, winzige Amphibien zu beobachten und fotografieren.

Und es gab viele kleine Frösche im Reservat… Die größte Herausforderung während meines Spaziergangs war es, die Amphibien im andauernden Regen zu fotografieren und gleichzeitig meine Kamera vor Regen und Nässe zu schützen. Es ist kein einfacher Stunt, auch nicht die Art und Weise, wie ich die ganz kleinen Amphibien – oft nur 1-2 cm groß – auf dem nassen Boden beobachte und als Nahaufnahme fotografiere. Oben auf dem Hügel angekommen, erreichte ich einige wackelige Hängebrücken. An einem der überdachten Rastplätze treffe ich auf den Parkwächter, der sich vor dem Regen versteckt und gemütlich auf das Ende des Regens wartet.

Spannende Natur bei einem Spaziergang entlang des Flusses.

Eineinhalb Monate nach meinem ersten Besuch kehre ich zum Rainmaker und dessen schönsten Wasserfall zurück – endlich bei Sonnenschein!

Ich nutze die kurze Pause und frage den Ranger nach möglichen Wildtieren im Park:

„Ich war gestern in Manuel Antonio und habe es vergeblich versucht, leider habe ich keine Schlange im Park gesehen“, erzähle ich ihm.

“Habe ich eine Chance, Schlangen im Rainmaker Park zu sehen?”, frage ich ihn.

„Es reicht, aufs Dach zu schauen“, sagte der Ranger lachend.

Und wirklich, da war die langersehnte Schlange, die einen Gecko beäugte. So sollen alle meine Wünsche in Erfüllung gehen!

Mein Traum ist wahr geworden, ich beobachte eine Schlange in ihrer natürlichen Umgebung.

Es war nicht leicht, dieses kleine Wesen zu erblicken.

Im Reservat gibt es viele teilweise morsche Hängebrücken.

Auf der anderen Seite der Hängebrücken warteten Wasserfälle und schmale Pfade auf mich. Die zwischen den Felsen und Bäumen herunterrauschenden Wasserfälle sind nicht sonderlich bedeutend, umso spannender ist das Flussufer, wo ich neben den üblichen Froscharten auch einige ganz winzige grünfarbige Amphibien finde. Mit der letzteren Art hatte ich in einer natürlichen Umgebung noch kein Glück, daher freue ich mich wie ein kleines Kind. Ich bin so überrascht, dass mein Foto nicht wirklich gelingt. Das Tier springt vor Schreck schnell weiter und verschwindet zwischen den Blättern im Dschungel.

Die Frösche im Rainmaker sind nicht größer als ein paar Zentimeter.

Trotz des andauernden Regens gelingen mir einige gute Aufnahmen.

Beim Heranzoomen kann man sogar die Auf- und Ab-Bewegung der Kehle winziger Amphibien beobachten.

Ich laufe schon in Richtung Ausgang, als ich an der üblichen Stelle des Frühmorgens wieder auf halbes Dutzend giftige Goldbaumsteiger treffe. Zum Abschluss des Vormittags begrüßen mich Goldkehltukane in den Bäumen vor meinem Auto. Zu diesem Zeitpunkt setzt wieder neues Unwetter und Regen ein. Ich hatte großes Glück, dass ich mich trotz des schlechten Wetters in den dicht bewachsenen Rainmaker Park wagte. Ich habe viele schöne Dinge erlebt, der Besuch hat sich sehr gelohnt! In Quepos ankommend stand das Wasser schon hoch in den Straßen. Ich frage mich, wann ich aufgrund der herrschenden Orkangefahr und des Ausnahmezustands weiterreisen kann…

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