Ich bin neulich auf einen sehr alten Bekannten gestoßen, da ich die Pfade von Rincón de la Vieja in den letzten Jahren schon ziemlich oft erlebt habe. Die savannenähnliche Vegetation sowie die vielegeothermischen Aktivitäten gefielen mir so gut, dass ich Wochen später noch einmal in den Norden Costa Ricas reiste, um zum in schwierigem Gelände erreichbaren Wasserfall Escondida zu marschieren. Es war eine eine strapaziöse Wanderung in einer spektakulären Umgebung, doch ich wurde nicht enttäuscht!

Der Besuch der Estación Experimental Forestal Horizontes, die ich gestern ausführlich kennengelernt habe, war im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung und ein unvergessliches Erlebnis. Ich war mir sicher, dass ich auch den von mir sehr beliebten Rincón de la Vieja (auf deutsch „Schlupfwinkel der alten Frau“) genießen werde. Ich habe mich auf den Besuch im Schutzgebiet schon seit Wochen wirklich sehr gefreut. Den vielseitigen Park habe ich in den letzten Jahren mehrfach besucht und immer in vollen Zügen genossen. Der von San José 200 km weit entfernte aktive Vulkan Rincón de la Vieja ist ein wesentlicher Bestandteil des einzigartigen Parks, bricht heutzutage noch immer ziemlich oft aus und ist daher für die Öffentlichkeit leider nicht zugänglich. Es gibt jedoch reichlich schwefelige Fumarolen, Mofetten und einige heisse Solfataren, die einen Besuch des faszinierenden Vulkangebiets in der Nähe von Liberia lohnenswert machen.

Ein ganz besonderer Lebensraum mit abwechslungsreichen Landschaften und vielfältiger Natur.

Ich werde für ein Foto zum Künstler.

Schlammloch in einem aktiven Vulkangebiet.

Ich habe meine Unterkunft, die Hospedaje Dodero, wieder sehr früh verlassen, mein Ziel war es, pünktlich beim Öffnen der Parkanlage an der Rangerstation zu sein. Dieses Mal hatte ich vor, neben dem beeindruckenden Trail namens Las Pailas zu einem der weit entfernten Wasserfälle im Schutzgebiet zu wandern, wo ich noch vor Mittag los musste, sonst würden mich die Parkwächter nicht mehr rein lassen. Es wäre genial gewesen, Rincóns beliebtesten Loop „Las Pailas” mit der kräfteraubenden Wanderung (hin und zurück insgesamt 16 km) des Sektors zu ergänzen, die bei einem Höhenunterschied von rund tausend Metern zum Krater von Rincón de la Vieja führt. Aufgrund der extremen vulkanischen und gebirgigen Bedingungen des aktiven Kraters, einer Reihe von fraktalen Eruptionen und serieller vulkanischer Gasemissionen ist aber das Gebiet seit September 2011 für Besucher gesperrt und wird auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben, bis die Aktivität des Vulkans nachlässt und der SINAC einen sicheren Zugang zur Attraktion gewährleistet.

Im Savannengebiet fotografiere ich Schmetterlinge.

Von Liberia führt eine katastrophale Straße nach Rincón, die stellenweise asphaltiert scheint, allerdings ist der größte Teil der 25 km langen Strecke eine unbefestigte Straße mit tiefen, riesigen Schlaglöchern. Nach wenigen Minuten komme ich bei Liberias riesiger Mülldeponie vorbei, die Müll aus der Stadt und ihrer Umgebung sammelt. Es ist ein unangenehmer für Costa Rica eher untypischer Anblick. Der schmutzige Ort um den herumliegenden Müll ist voll mit Hunden und bestimmt auch mit Millionen von Ratten. Nachdem ich ein paar Kilometer vom Eingang des Nationalparks entfernt einem Wächter ca. 1500 Colón bezahle, komme ich an einem geothermischen Kraftwerk vorbei, um einige Minuten später auf dem riesigen Parkplatz vor dem Haupteingang Rincóns anzukommen. Dort empfangen mich neben der extremen Hitze ein halbes Dutzend auf den Bäumen hockende Weißkehlchen-Eichelhäher.

Weißkehlchen-Eichelhäher heißen mich auf den Bäumen des Schutzgebietes willkommen.

Schönes buntes Exemplar am Pfad von Las Pailas.

Am Ende der Regenzeit erscheinen die winzigen Frösche.

In Bezug auf die Coronavirus-Epidemie haben die Ticos irgendwie immer noch Angst, Barzahlungen zu akzeptieren, so habe ich das Nationalparkticket im Voraus auf der offiziellen SINAC-Website erworben. Wie sich für Besucher am Eingang herausstellte, wäre dies nicht nötig gewesen, da vor Ort eine Kreditkartenzahlung möglich ist. Oooh – für das nächste Mal gut zu wissen! Ich komme pünktlich an und erkunde Rincón auf dem Rundwanderweg von Las Pailas. Der Pfad schlängelt sich durch tropische Trockenwälder. Die Passatwinde vom Atlantik auf der Ostseite des Schutzgebietes bringen durchschnittlich 500 cm Niederschlag pro Jahr, so dass den Wasserdampf der Fumarolen und Mofeten nutzend die ständigwachsende Vegetation weiterhin konstant üppig bleibt. In dieser Gegend gibt es keine besonders trockene Wetterphase, daher bleiben hier die tropischen Ökosysteme das ganze Jahr über feucht.

Das brodelnde Schlammloch lässt sich nah gut fotografieren, allerdings kann ich den Blick aufgrund des eher unerträglichen Schwefelgeruchs nicht lange genießen.

Beeindruckendes Schauspiel der Natur.

In den Waldgebieten gibt es viele eindrucksvolle Bäume.

Das abwechslungsreiche Naturparadies Rincón de la Vieja ist ein vulkanisch geprägtes Gebiet – ein ca. 600.000 Jahre altes geologisches Wunder – mit mindestens neun Vulkankratern und 32 Flüssen, die an seinen Hängen herunterfließen und die Kontinentalscheide überbrücken. Es gibt einen saisonalen Wasserfall, viele Verdunstungs- und Wärmequellen und eine Grasfläche, auf der ich in der Luft konstant starken Schwefel roch. Kurze Zeit darauf betrat ich eine grasbewachsene Savanne. Hier konnte der Wald aufgrund starker vulkanischer Nachwirkungen keine Wurzeln schlagen. Während des Spaziergangs auf dem Loop stoße ich auf einen Tuberkelhokko, mehrere Agutis, viele kochend heiße Schlammgruben und mehrere blubbernde Schlammlöcher, aus denen ununterbrochen Schwefelgas explodiert. Zuletzt komme ichzu den Pailas de Agua und der Laguna Fumarólica, dem größten Schwefelsee am Fuße des Rincón Vulkans. Tief beeindruckt, durch und durch begeistert von der Abwechslung dieser Landschaft, kämpfe ich michschließlich in den Wald zurück.

Die vulkanischen Dampfaustrittsstellen sind am Morgen deutlich sichtbar.

Auf dem Weg zum glasklaren Wasserfall „La Cangreja” treffe ich Klammeraffen.

Eine im Sonnenlicht blau schimmernde Wasserfläche.

Gut getarnt.

Trotz der sengenden Hitze begebe ich mich auf die wirklich spannende, aber auch körperlich anstrengende Wanderung zum türkisfarbenen Wasserfall „La Cangreja”, der von einem großen Teil der Besucher, die Rincón besichtigen, aufgrund der Länge und der großen Hitze ausgelassen wird. Der erste Teil der Tour führt jedoch in den schattigen Abschnitt des Bosquesito Corrongo-Waldes. Ich klettere über Wurzelstränge unddurchquere das Gebiet wunderschöner, blau schimmernder Feuchtgebiete, um mich ca. 45 Minuten später in der Prärie wiederzufinden. Die savannenähnliche Vegetation ist nicht mehr beschattet, sodass die Sonne direkt und ohne Unterbrechung scheint. Die abwechslungsreiche Landschaft ist jedoch spannend und vor allem einzigartig. Der mit Gras bewachsene Prärieteil meiner aktuellen Wanderung geht wieder längere Zeit durch den Wald, wo das Plätschern des Wassers beim Abstieg immer lauter zu hören ist. „La Cangreja” ist ein etwa 40 Meter hoher Wasserfall, dessen Temperatur weder zu heiß noch zu kalt ist. Das alles reichte gerade, um meine müden Beine und Füße etwas abzukühlen, der lange Rückweg wartete auf mich.

Periodische Wasserfälle zeigen sich während der Wanderung.

Beim Verlassen von Bosquesito Corrongo schützt nur noch eine Baseballkappe vor der prallen Sonne.

Der Bilderbuchwasserfall „La Cangreja”.

Vor Wochen kehrte ich in den Vulkan-Nationalpark zurück, um auch den naturbelassenen Pfad durch verschiedene Vegetationszonen zum geheimnisvollen Wasserfall „Escondida” zu erkunden. Nur fehlte dieser einzige Wanderweg bei den wunderbaren Ausflugszielen, die im Schutzgebiet offiziell besichtigt werden können und den ich bis jetzt noch nicht gegangen bin. Ich kannte den „versteckten Wasserfall“ noch nicht, da die meisten Besucher den beliebteren „La Cangreja” bevorzugen. Ich war selbst in den letzten Jahren mindestens schon dreimal dort. „Escondida” ist im Vergleich zu „La Cangreja” eine etwas kürzere Strecke, aber in Bezug auf Schwierigkeit finde ich, dass der erstere, der durch ein hügeliges Gelände führt, viel anstrengender ist. Aufgrund des weniger schattigen Anteils auf der Strecke habe ich diesmal genug Flüssigkeit mit mir, da es während der Wanderung kaum oder gar keine Wasseraufnahmequellen gibt.

Vom Gelände her ist es schöner zum Wasserfall „Escondida” zu wandern.

In einem vor der Sonne schützenden Wanderweg geht es zum „versteckten Wasserfall“!

Die Catarata Escondida hat sich gut vor mir versteckt, sie war gar nicht so leicht zu finden.

Die Wanderung war wieder alle Mühe wert. Rincón, einer der abwechslungsreichsten Nationalparks von Costa Rica, ist ausgesprochen speziell. Ich hoffe, dass bald auch der Sektor Santa María seine Türen öffnen wird. Es wäre toll, demnächst zu neuen und interessanten Wanderwegen zurückzukehren. Und das obwohl es immer wieder ein Vergnügen ist, die bekannten Pfade des majestätischen Nationalparks Rincóns zu bewandern.

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