Der aufgrund des hohen Silikatgehalts mystisch aquamarinblaue Fluss Rio Celeste stand heute auf meinem Programm in Costa Rica, wo ich trotz morgendlichen Regens einen wunderbaren Tag verbrachte.

Nach zwei weniger bekannten Nationalparks (Palo Verde und die Estacion Experimental Forestal Horizontes) besuchte ich dieses Mal eine beliebtere Sehenswürdigkeit von Costa Rica. Rio Celeste – mit seinem wunderschönen blauen Wasser – ist ein integraler Bestandteil des staatlich verwalteten Tenorio-Nationalparks, der aus einer speziellen Mischung von Mineralien besteht. In Liberia bedeckten ziemlich dicke Wolkendeckendie Sonne und es sah nach Regen aus. In Richtung Bijagua de Upala öffnete der Himmel seine Schleusennoch nicht, so dass ich dem Regen vorerst entkommen bin. Bijagua ist ein kleines Dorf zwischen zwei ruhenden Vulkanen, das bis vor einem Jahrzehnt über nicht mehr als ein paar einfache Häuser an der Hauptstraße verfügte. Da das in der Vulkankette von Guanacaste liegende Schutzgebiet in den letzten Jahren viele Touristen anzieht, hat sich auch der Tourismus in diesem Teil Costa Ricas entwickelt. Obwohl die Gemeinde ihren ländlichen Charakter bewahrt hat, entstand hier – abseits der touristischen Hauptrouten des Landes – eine Vielzahl an Unterkünften, Bars, Geschäften und Restaurants. Neben dem Besuch des Nationalparks gibt es genügend Möglichkeiten für abenteuerlustige Reisende in und um Bijagua. In der Nähe der Ortschaft gibt es unter anderem Frosch- und Faultierfarmen und es wird auch eine actiongeladene Zipline-Tour angeboten. Gut gesichert durch die Baumkronen an Stahlkabeln zu gleiten hat mich nie wirklich gereizt. Ich habe auch genug Faultiere in La Fortuna erlebt, so habe ich diese Programme jetzt lieber ausgelassen.

Man muss keine teure Froschfarm besuchen, wenn man bunte Frösche inspizieren möchte.

Die kleinen Amphibien lassen sich am besten spät in der Nacht begutachten.

Es ist jedoch bekannt, dass ich Frösche und Amphibien sehr mag. Zum Glück gibt es statt einer 15 Dollar teuren Tour an der Froschfarm eine authentischere Alternative zur Beobachtung aktiver Frösche am Abend und in der Nacht. Neben dem hauseigenen Parkplatz meiner bewährten Unterkunft (Hotel Cacao) in Bijagua befindet sich ein mit Pflanzen bewachsener Teich, in dem sich laut dem Besitzer Johnny nach Einbruch der Dunkelheit unglaublich viele Frösche in verschiedenen Farben und Größen tummeln. Trotz des leichten Regens setze ich meine Stirnlampe auf und begebe mich auf den winzigen Pfad des Teiches. Mein Gastgeber hatte Recht, denn ich sehe gleich in den ersten Minuten einen exotischen rotäugigen Laubfrosch auf einem Ast ruhen. Es störte den Frosch nicht, als ich ihn mit meiner Stirnlampe beleuchtete. Ich habe leicht Fotos machen können.

Im Garten meiner Unterkunft gibt es unendlich viele außergewöhnliche Frösche.

Der Rotaugenlaubfrosch ist wegen seiner ungewöhnlichen Farbe ein großer Favorit.

Am nächsten Tag besuchte ich die Hauptattraktion von Bijagua. Der aktuelle Wettertrend wurde weiterhin beibehalten, so gab es am Parkeingang immer noch leichten Regen, wolkigen Himmel und trübes Wetter. Der Rio Celeste ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, so dass Reisende mit kleinem Budget den Park zu Fuß oder per Anhalter erreichen können. Da ich aktuell immer noch mit dem Mietwagen unterwegs war, war ich nach 15 Minuten Fahrt bereits auf den regennassen an den Vulkanhängen erbauten kleinen Pfaden im Regenwald auf Wanderschaft.

Spannende Motive im dschungelartigen Wald.

Der frische Wurzeltrieb eines wandelnden Baumes ähnelt einem Penis.

Das Gebiet um den Fluss Rio Celeste galt jahrzehntelang als nahezu unerforscht. Mit der Überbrückung der Furten und der Straßen- und Wegesanierung explodierten seit ca. vier Jahren die Besucherzahlen. Seit April 2019 war das SINAC (Sistema Nacional de Áreas de Conservación) aufgrund der großen Beliebtheit des Parks gezwungen, die Anzahl der zu vergebenden Plätze zu begrenzen. Seitdem wird nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern pro Tag in den Nationalpark Tenorio eingelassen. Ich habe schon viel über den unverwechselbar türkisfarbenen Fluss gehört, der dieses Mal – als immer mehr Wolkenfelder am Himmel entlang zogen – nicht so stark dominierte wie bei klarem Wetter und Sonnenschein. Trotz des fast ununterbrochenen Nieselregens ist der Catarata Rio Celeste ein spektakulärer Anblick. Es ist ein 30 Meter hoher Wasserfall, der im himmelblauen Fluss versinkt.

Am Anfang meiner Wanderung finde ich viele große Spinnennetze.

Der Rostbauchguan posiert minutenlang und lässt sich fotografieren.

Der Catarata Rio Celeste fällt in einen natürlichen blauen Pool.

Weiter geht es von der beliebtesten Naturattraktion des Nationalparks zu einem Aussichtspunkt, der spektakuläre Weitblicke bietet. Von hier aus würde man unter anderem die vier Gipfel des Vulkans Tenorio sehen. Ich habe leider kein Glück, denn der Vulkan und der immergrüne tropische Dschungel zeigen sich nur im Nebel. Obwohl das mystische Bild des Morgennebels etwas Besonderes ist, wandere ich einige Minuten später in einer der charakteristischen Flussschleifen zu einer ungewöhnlichen Stelle weiter, an der der ansonsten ruhige und glatte Fluss stark blubbert. In der Nähe der sprudelnden Wärmequellen von Borbollones liegt aufgrund der vulkanischen Aktivität ein äußerst unangenehmer Schwefelgeruch in der Luft. Diese geothermische Aktivität des Vulkans wird durch heiße Gase in den Rissen im Flussbett verursacht.

Üppig grüne Vegetation, bunte Pflanzen.

El Teñidero markiert das Ende des Pfades. An diesem Ort lässt sich das Spektakel des blauen Flusses bestaunen. Obwohl das türkisfarbene Wasser entlang des Flusses fast immer sichtbar ist, ist dies die Stelle, an der das farblos startende Wasser dank einer chemischen Reaktion plötzlich türkisblau wird.

Die Schlucht, an der sich zwei Flüsse treffen, um den Rio Celeste zu bilden, der das Wasser von klar zu blau färbt.

Rio Celeste – im Norden von Costa Rica, oberhalb des Arenalsees – ist ein ungewöhnlicher Fluss in Mittelamerika. Auch wenn die besondere Farbe des „blauen Flusses“ bei schlechtem Wetter beeindruckt und mich mit einer unvergesslichen Erfahrung belohnt, hoffe ich doch beim nächsten Mal auf einen sonnigeren Tag…

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