Zurück in der Zivilisation ändern wir aufgrund des sich in Europa zunehmend ausbreitenden Coronavirus unser Programm. Nichtsdestotrotz finden wir genug Zeit für die Sehenswürdigkeiten rund um die costaricanische Hauptstadt. Bei klarem Wetter genießen wir die raue Schönheit des Irazú-Vulkans und besichtigen dann die größte archäologische Ausgrabungsstätte des Landes. Zum Abschluss des Tages machen wir einen Halt in einer der ältesten Kirchen der Ticos, bzw. auch in der ehemaligen Hauptstadt Costa Ricas.

Obwohl wir Tortuguero mit herrlichen Erlebnissen verlassen, erhalten wir leider beunruhigende Nachrichten aus Europa. Das Ende 2019 in Wuhan, China, identifizierte neuartige Coronavirus (COVID-19) breitet sich in Europa immer weiter aus. Während vor einigen Tagen die erste Infektion mit dem Coronavirus in Ungarn registriert wurde, scheint sich die gesundheitliche Situation in Spanien und Italien drastisch zu verschlechtern. So sehr, dass die tägliche Fallzahl der Infektionen und auch die Zahl der Todesfälle in den beiden Mittelmeerländern deutlich zunehmen. Obwohl wir in Costa Rica (und in Lateinamerika) keine Anzeichen einer Epidemie sehen, ist uns bewusst, dass immer mehr Fluggesellschaften ihre Flugpläne zusammenstreichen und zahlreiche internationale Flüge absagen.

Oberhalb von dreitausend Metern ist die Vegetation viel aufregender.

Auf der langen Rückreise nach San José ist nicht mehr unsere aktuelle Exkursion in Costa Rica das Hauptthema. Béla überlegt, ob er vorzeitig nach Europa zurückreisen soll, und trifft dann eine schnelle Entscheidung. Zuversichtlich, dass sich am Wochenende nichts radikal in Europa ändern wird – heute ist Freitag – werden wir das geplante Programm fortsetzen, und die Sehenswürdigkeiten rund um San José besichtigen. Obwohl es Béla das Herz bricht, tritt er von der Fortsetzung der Reise zurück, ändert seine Flüge, und fliegt am Anfang der nächsten Woche nach Hause.

San José weist nur sehr wenige schöne historische Gebäude auf.

Aufgrund der umgebuchten Flüge haben wir also insgesamt zwei Tage Zeit, die wir sehr kreativ und intensiv zu verbringen versuchen, da es in der Umgebung von San José viel zu erkunden gibt. Ich denke hier nicht speziell an die eher langweilige Hauptstadt Costa Ricas, die mich noch nie tief geprägt hat. Im Gegensatz zu vielen lateinamerikanischen Hauptstädten ist San José kein großer Knaller. Im Laufe der Jahre habe ich die Hauptstädte aller lateinamerikanischen Länder – außer Französisch-Guayana und Venezuela – kennengelernt und während ich die großen Städte Südamerikas genossen habe, würde ich in einer der Hauptstädte Mittelamerikas – außer in Mexiko-Stadt und in der kosmopolitischen Panama-Stadt – ungern mehr als zwei Tage verbringen.

San José ist nicht die Mitte der Welt.

Mit Ausnahme der Autovermietung in Zentrumsnähe haben wir wenig Zeit in San José verbracht. Wir gingen so schnell wie möglich die vor uns stehenden zwei langen Tage an. Apropos Mietwagen. Obwohl ich auf dem Kontinent lieber öffentliche Verkehrsmittel verwende, hat in Lateinamerika ein Mietwagen viele Vorteile. Insbesondere in einem Land wie Costa Rica, wo – obwohl die Attraktionen in der Entfernung nah beieinander liegen – die Fahrten mit lokalen Verkehrsmitteln dennoch erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Tolle Ausblicke säumen die Straße.

Einer der Parasitenkrater des Irazú-Vulkans zeigt sich in voller Schönheit.

Unsere erste große Attraktion rund um San José war der Irazú-Vulkan – in der indigenen Sprache Iaratzu „grollender Berg” genannt – der höchste aktive Vulkan Costa Ricas. Die Ticos haben vor einigen Jahren die Besuchsregeln des genau in der Mitte des Landes liegenden mächtigen Bergs geändert. Während es früher ausreichte, zum Vulkan Irazú hinauf zu fahren und das Ticket direkt bei der Ankunft an der Ticketstelle des Parks zu lösen, ist heutzutage die einzige Möglichkeit, Tickets für diesen Vulkan zu erhalten, über das Internet. Ich bin mir 100% sicher, dass nicht mal die Mitarbeiter von SINAC wissen, warum das neue System besucherfreundlicher sein sollte. Auch habe ich leider keine aussagekräftige Antwort auf die Frage bekommen, warum man mit einer gültigen Eintrittskarte extra für das Parken bezahlen muss… Es hätte keinen Sinn gemacht zu streiten, zumal wir einen der seltenen Momente auf dem Vulkan erlebt haben, als die Sonne kräftig vom wolkenfreien Himmel schien. Wir haben uns viel Zeit genommen, um endlich nebelfreie Fotos von der Caldera des Stratovulkans und seinen Parasitenkratern zu knipsen. Am meisten bedauerte ich jedoch, dass sich die Farbe des Schwefelsees stark verändert hatte und nicht mehr so ​​schön türkis wirkte, wie bei früheren Besuchen.

Es gibt kaum Wasser im durch Regen gespeisten Säuresee.

Ein Foto am höchsten Punkt des Kraters ist Pflicht.

Ich habe das Nationalmonument Guayabo früher selber noch nie besichtigt, daher hatte ich zu den alten Ruinen diesmal zum ersten Mal das Glück. Guayabo ist die größte und bedeutendste archäologische Stätte des Landes, die nicht wirklich in den Plänen von Reisenden nach Costa Rica enthalten ist. Die meisten Touristen reisen nicht wegen seinen Kulturdenkmälern nach Costa Rica, sondern vor allem wegen seiner Artenvielfalt, reicher Flora und Fauna und der fabelhaften Strände. Die spektakuläre präkolumbianische Stadt am Fuße des Vulkans Turrialba ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Obwohl ich das Navi für die Anreise verwendet habe, war es nicht einfach, die im Regenwald sehr schön eingebettete geheimnisvolle Ruinenstätte zu finden. Die endlos erscheinenden Serpentinen mit vielen kleinen Kurven machten das Fahren zu einer besonderen Herausforderung. Umso mehr freuten wir uns, als wir vom örtlichen Ranger erfuhren, dass ein gutmütiges Faultier gerade auf einem der Bäume in der Nähe des Eingangs ruht.

Guayabos aufregendster Fund zeigt einen Jaguar und einen Kaiman.

Die mysteriöse Ausgrabungsstätte wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts von einheimischen Bauern entdeckt. Die erste wissenschaftliche Grabung der Ruinenstadt erfolgte erst in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. In den 1960er Jahren wurden die Ausgrabungsarbeiten fortgesetzt. Während der Ausgrabung in der präkolumbianischen Stadt wurde ein Netz von gepflasterten Straßen und Dämmen, offenen und verdeckten Aquädukten und Zisternen freigelegt. Zusätzlich zu mehreren Wandfundamenten wurden am Ausgrabungsareal auch Felszeichnungen, Steingräber und ein sorgfältig konstruiertes Kanalnetz gefunden. Ein Großteil des Geländes besteht aus kreisförmigen Steinhügeln, auf denen möglicherweise strohgedeckte Holzkonstruktionen errichtet wurden. Aufgrund archäologischer Funde wussten die Forscher nicht viel über die Bewohner von Guayabo. Archäologen schätzen, dass in der Blütezeit der Stadt – zwischen 1000 und 1400 n. Chr. – ca. 10.000 Menschen hier gelebt haben sollen. Trotz der Forschungsergebnisse sind die Forschungsteams immer noch unsicher, warum ihre Bewohner die Stadt ca. ein Jahrhundert vor der Ankunft der Spanier verlassen haben.

Die ehemalige Zivilisation lebte tief in den Nebelwäldern.

Wir erleben den schönsten Ausblick vom Aussichtspunkt der gepflegten Anlage.

Bevor wir wieder nach San José zurückkehrten, hatten wir auf dem Rückweg zwei wichtige Zwischenstopps. Ujarrás ist eine historisch wichtige Stätte im Orosí-Tal, in der sich eine der ältesten Kirchen des Landes befindet. Die ehemalige Holzkirche mit dem Namen Iglesia de Nuestra Señora de la Limpia Concepción wurde zwischen 1575 und 1580 vom spanischen Kolonialreich erbaut. Einer lokalen Legende nach wurde das Muttergottesbild von einem Huetar-Indianer in einer Truhe gefunden. Nach langer Überlegung beschlossen die Dorfbewohner, an der ursprünglichen Stelle der Truhe ein Heiligtum zu errichten, um an die ungewöhnliche Erscheinung der Jungfrau Maria zu erinnern. Es gibt auch eine andere Legende, laut der der Piratenangriff des walisischen Freibeuters Henry Morgan 1666 durch das Erscheinen der Jungfrau Maria, auch “Königin der Täler” genannt, erfolgreich abgewehrt wurde. Im Jahr 1833 verlegte die Regierung infolge einer massiven Sturmflut durch Regenfälle, die das Dorf teilweise zerstörte, die Bevölkerung an einen sicheren Ort. So gründeten die Lokalen den Ort Paraíso in der Nähe von Llanos de Santa Lucía.

Am Rande des Dorfes Ujarrás besuchen wir die älteste Kirche des Landes.

Wir begegnen diesem Eichhörnchen im Ruinengarten von Ujarrás.

Wusstest Du, dass die Hauptstadt von Costa Rica nicht immer San José hieß? Cartago, im zentralen Hochland, war von 1574 bis 1824 der Sitz des spanischen Gouverneurs. 1823 zogen die an die Macht kommenden Republikaner dieses Amt von der ersten spanischen Siedlung des Landes zurück und beschlossen, die Hauptstadt zu verlegen. Während Cartago dem mexikanischen Reich beitreten wollte, unterstützten San José und das benachbarte Alajuela die Unabhängigkeit. Die Republikaner gewannen gegen die Imperialisten die Schlacht von Ochomongo und entschieden sich unabhängig zu bleiben. Kurz darauf verlegten sie die Hauptstadt von Cartago nach San José.

Von der ehemaligen Hauptstadt war nach einem Erdbeben nicht mehr viel übrig.

Das historisch durchaus bedeutende Cartago hat lange die Spuren seiner jahrhundertealten Geschichte verloren, da viele seiner im Kolonialstil errichteten Gebäude Opfer verheerender Erdbeben geworden sind, während der nahe gelegene Vulkan Irazú die Stadt bei seinen zahlreichen Ausbruchsphasen wiederholt mit Lavastaub überzogen hat. Aufgrund von zwei äußerst interessanten Sehenswürdigkeiten haben wir in der ehemaligen Hauptstadt Costa Ricas Halt gemacht. Wir haben unsere Entscheidung überhaupt nicht bereut. Eine von diesen Attraktionen ist der meistbesuchte Pilgerort der Welt, die Nuestra Señora de los Ángeles, die Anfang des 20. Jahrhunderts durch ein großes Erdbeben zerstört wurde, und im Laufe der Jahrzehnte zur Freude vieler Gläubiger neu errichtet wurde. Im Gegensatz zu den Ruinen der romanischen Pfarrkirche Parroquia de Santiago Apostol, die 1575 erbaut und nach dem Santa-Monica-Erdbeben im Jahre 1910 nie fertiggestellt wurde.

Zur wichtigsten Kirche des Landes pilgern jährlich hunderttausende Ticos hin.

Der Vulkan samt seinen Lavafeldern zeigt sich endlich bei schönem Wetter.

Wir haben den Irazú-Vulkan bei wunderschönem Sonnenschein ohne weiße Wolkensuppe erlebt. Wird das Wetter wohl anhalten und wir haben morgen auch beim Vulkan Poás Wetterglück?!

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