Ich bin vor sechs Jahren durch das als beliebte Touristenattraktion geltende Teilstück der Ferrocaril Transandino gereist. Der Zug fuhr in Schlangenlinien abwechselnd vor- und rückwärts bergab und stieg den markanten Felsvorsprung fast senkrecht ab. Dieses Mal ging ich auf ungewöhnliche Weise durch das aufregendste Gelände der transandinischen Eisenbahn – auf einem Wanderweg zu Fuß. Mal sehen, wie anders es ist, auf den Zuggleisen zu laufen als in einem mit Touristen überfüllten Zugwagen!

Ich verließ Cuenca und fuhr weiter nach Norden. Bevor ich den 6.267 m hohen erloschenen Stratovulkan Chimborazo besichtigte, hielt ich erneut im Zentrum des ecuadorianischen Hochlands an. Anstelle des zentralen Busbahnhofs in Alausí ließ mich der Fernbus-Fahrer am Rand der Hauptstraße aussteigen, sodass ich ohne Taxi ins Flußtal hinunterspazieren musste.

Abgesehen von der steilsten Eisenbahnstrecke der Welt gibt es in der in einem engen Tal erbauten Stadt nicht viele andere berühmte Sehenswürdigkeiten.

Am Nachmittag meiner Ankunft vor Ort stieg ich zum Denkmal für St. Peter dem Schutzpatron der Stadt auf.

Als ich meine Unterkunft am Berghang erreichte, wusste ich sofort, dass ich 2014 schon mal dort übernachtet habe. Damals reiste ich ein paar Wochen lang mit einem niederländischen Mädchen und wir kamen unter dem Deckmantel der Nacht im Bauernhof Killa Wasi in Alausí an. Ich erinnere mich noch ganz genau, dass unsere Ankunft an einem Wochenende passierte. Die Hippies, die auch im Hostel wohnten, haben bis zum Morgen laut gefeiert. Wahrscheinlich haben wir in dieser Nacht unsere Augen gar nicht geschlossen. Zum Glück war ich dieses Mal in der Nebensaison in der kleinen von engen Gassen gesäumten Stadt, so war ich beide Nächte allein in meinem Zimmer.

Graffitis findet man auch an vielen Stellen in den Straßen von Alausí.

Nicht viel von Ecuadors ältester Stierkampfarena ist für die Nachwelt erhalten geblieben.

Der berühmteste Toreador des Landes, Raúl Dávalos de la Calle, ist auf Gemälden in der Arena-Ruine abgebildet.

Vor vielen Jahren existierte eine Eisenbahnlinie, die die Hauptstadt von Ecuador (Quito) mit der Großstadt des Küstentieflandes (Guayaquil) verband. Ein Teil dieser Bahnstrecke – zwischen Alausí und Sibambe – ist heute nur noch eine Touristenattraktion. Der Bau der transandinischen Eisenbahn, die die größten Agglomerationen Ecuadors verband, begann am Ende des 19. Jahrhunderts. Der Bau einer Eisenbahnstrecke in den Anden forderte viele Menschenleben. Aufgrund einer Teilbaugenehmigung für die Engländer kamen tausende Gastarbeiter und Gefangene aus den karibischen Kolonien nach Ecuador. Über 4.000 von ihnen kamen durch Erdrutsche, Krankheiten und Schlangenbisse um ihr Leben. Die aus mehreren Gründen als eine der am schwierigsten zu bauenden Bahnstrecke der Welt wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts als ein Meisterwerk der Ingenieurskunst bezeichnet.

Trotz ihrer traurigen Geschichte und blutigen Vergangenheit ist die zerklüftete, weite Andenlandschaft atemberaubend.

Einer der modernen Zugwagen der Ferrocarril Transandino wurde als Touristenattraktion nahe des Bahnhofs ausgestellt.

Das schönste und aufregendste Teilstück der ursprünglichen Zugverbindung ist die etwa dreizehn Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Alausí und Sibambe.

In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts war die ecuadorianische Eisenbahn völlig Pleite gegangen, der Zugverkehr hatte aufgehört. Der Schienenverkehr wurde in den 2010er Jahren wieder aufgenommen. Während man bis 2004 noch auf den Zugdächern reisen durfte, war es ab 2013 nicht mehr erlaubt, auf die Panoramaterrassen zu gelangen. Seit der kompletten Erneuerung der Trassen verkehren auf dem spektakulären Abschnitt zwischen Alausí und Sibambe nur noch beliebte Touristenzüge.

2014 stieg ich mit der niederländischen Backpackerin Sandra in einen Zug, der vom Hochland der Anden zur Zugstation von Sibambe fuhr.

Damals war es eine interessante, aber sehr touristische Erfahrung, am markanten Bergvorsprung der berühmten La Nariz del Diablo (Teufelsnase) zu reisen.

2014 habe ich die spektakuläre Zugfahrt zur 100 Meter hohen Teufelsnase über der Schlucht des Rio Chanchán gemacht. Beim Bau einer der schönsten und technisch aufwändigsten Bahnstrecken dieser Erde sorgte das Teilstück rund um die berüchtigte La Nariz del Diablo für große Schwierigkeiten. Mit der Hilfe eines Ingenieurs aus den USA konnte die abenteuerliche Zugstrecke zum ersten Mal im Jahre 1908 befahren werden. Doch nach der Übergabe der Eisenbahnlinie bevorzugte eine große Anzahl von Einheimischen, die Strecke zu Fuß oder zu Pferde zurückzulegen, um den gefürchteten Abschnitt zu vervollständigen, von dem angenommen wurde, dass er vom Teufel verflucht wurde.

Nach einem 50-Minuten-Marsch erreichte ich das einzige Andendorf meiner aktuellen Wanderung.

Der Pfad lässt das Dörfchen Nizac Bajo am Fluss Rio Guasuntos hinter sich und führt zum Aussichtspunkt “La Nariz del Diablo”.

Eine Wanderung zum “Devil’s Nose” bietet einen sehr schönen und fotogenen Blick auf den Canyon.

Nach einem zweistündigen Marsch erreichte ich die letzte scharfe Spitzkehre der Felswand des mächtigen Berges der Teufelsnase.

Da meine aktuelle Reiseroute wieder durch Alausí führte, entschied ich mich dafür, die berühmte Strecke anstatt mit dem überteuerten 33-Dollar-Zug zu Fuß zu bewältigen. Bereits in den ersten Minuten der Wanderung hatte ich das Gefühl, eine sehr gute Entscheidung getroffen zu haben. Als ich losmarschierte, ließ ich die Touristen zurück und wanderte ganz alleine in den Hügeln des Alausí-Hochlands.

Hier fährt der Zug noch im Tal, das Minuten später seinen Zickzackkurs fortsetzt – um die steile Teufelsnase.

Ich fotografiere den Bahnhof Sibambe und den Touristenzug von den Gleisen der Teufelsnase.

Die letzte Spitzkehre, bei der der Zug einen Fahrtrichtungswechsel vornimmt.

Ich wanderte bei wunderbar warmem und sonnigem Wetter und fotografierte nach zwei Stunden Fußmarsch den Zug von den Eisenbahn-Schienen der steilen Klippe der Teufelsnase. Beim Vergleich der beiden unterschiedlichen Erfahrungen war die aktuelle definitiv die größere und spannendere!

Wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat und du neugierig auf weitere Fotos und Informationen geworden bist, besuche einfach meine Facebook-Seite.