Mit meinen neuen Bekannten, mit welchen ich in die ecuadorianische Hauptstadt des Regenwaldgebiets gefahren bin, landeten wir in einer Lodge, wo mich das äußerst aufregende Schmetterlingshaus völlig faszinierte. Am nächsten Tag probierte ich auf dem Markt von El Coca Leonardo DiCaprios Lieblings-Energy-Drink und beendete meinen Tag mit der Verkostung der frisch über dem Feuer gegrillten „Chontacuros“ – einer einheimischen Raupenart. Habe ich schon mal gesagt, wie sehr ich den Dschungel liebe?!

Den ganzen Tag habe ich ich mich mit den spannenden Attraktionen und Abenteuern von Puyo und seinem tropischen Regenwald befasst, so erreichte ich ziemlich müde meine Unterkunft, wo sich niemand außer einem richtig gesprächigen französischen Mädchen befand. Die Backpackerin Caroline ist vor zwei Wochen in Ecuador angekommen. Die Französin hat anderthalb Monate Zeit, um das Land kennenzulernen. Caroline zufolge wünscht sie sich für ihren Besuch nicht die üblichen Touristenpfade und Abenteuer. Ihr Ziel ist es nicht, das fremde Land tiefgründig und im Detail kennenzulernen, sondern zu versuchen, den indigenen Völkern zu helfen, ihren Weg zu finden, sich zu erneuern und zu stärken.

Blick auf die seit 2012 aktive Río Napo-Brücke. Sie ist das wichtigste Infrastrukturprojekt der Stadt und ist von der Promenade von El Coca aus sehr gut zu sehen.

Caroline traf sich mit Vertretern der Waorani in der Nähe von Puyo und hat vor weiter nach El Coca zu fahren. Nach einem kurzen Gespräch bot sie mir schnell an, am nächsten Tag sich ihr, sowie ihrem amerikanischen Bekannten anzuschließen, mit dem sie am Morgen mit dem Auto in Richtung der ecuadorianischen Hauptstadt des Amazonasbeckens fahren würde. Der US-Amerikaner heißt Loren und seine Frau arbeitet im US-Konsulat in Quito. Loren und Caroline trafen sich im Rahmen eines sozialen Programms vor ca. einer Woche in Tena.

Wir verließen Tena und retteten eine Schlange, die mitten auf dem Asphalt ruhte.

Der Río Napo, ein linker Nebenfluss des Amazonas, ist auch vor Sonnenuntergang ein schöner Anblick.

Meine Zeit erlaubte es mir, mich meinen neuen Bekannten anzuschließen. Am nächsten Morgen machte ich mich daher mit ihnen auf den Weg zur Urwald-Lodge names Yachana, zwischen den Städten Tena und El Coca. Der Name der Lodge bedeutet in der überwiegend in Ecuador gesprochenen Sprache der Kichwa einen „Platz des Lernens.” Loren arrangierte ein Treffen mit dem Besitzer und so kamen wir wenige Stunden später auf dem riesigen Anwesen an. Doug, ein Auswanderer, der seit Jahrzehnten in Ecuador lebt, bietet seit mehr als 25 Jahren umweltfreundlichen Tourismus am Ufer des Río Napo an.

Vor dem Besucherzentrum erzählt uns Doug die Geschichte der Lodge.

Hinter dem Grundstück unseres Gastgebers kann man eine hervorragende Kakaofarm besuchen.

Als gemeinnützige Organisation und Stiftung besteht eine der Hauptaufgaben des sympathischen Amerikaners darin, Amazonas-Gemeinden mit Bildungschancen zusätzlich zu fördern und soziale Ressourcen zu unterstützen. In einer engen Zusammenarbeit mit der ecuadorianischen Regierung gründete und finanzierte Doug vor Jahren eine Technische Hochschule für die Ureinwohner der Region, an der diese nicht nur die Theorie des Ökotourismus und der nachhaltigen Entwicklung, sondern auch die englische Sprache lernten. Alle Schüler kamen aus sozial und wirtschaftlich schwachen Familien und erhielten eine finanzielle Förderung für die komplette Ausbildung.

Eine Einheimische zeigte uns, welche Früchte in den tropischen Gebieten des Regenwalds angebaut werden.

Die Sacha Inchi Pflanze wächst und gedeiht besonders gut in tropischen Gebieten und wird seit Jahrhunderten von den Ureinwohnern Ecuadors angebaut. Die „Hügel-Erdnuss“ hat zahlreiche entzündungshemmende Eigenschaften, ist nützlich für Patienten mit rheumatoider Arthritis und Osteoporose und ist äußerst wirksam für die Haut- und Haarpflege.

Laut Doug haben viele der Naturführer, die in seiner Schule ihre High-School-Ausbildung abgeschlossen haben, im Tourismus geeignete Jobs gefunden. Die meisten seiner Schüler arbeiten als Mitarbeiter und Reiseleiter auf den exklusiven und teuren Regenwald-Lodges rund um El Coca. Während die beiden Amerikaner miteinander sprachen, erkundete ich mit Caroline die Umgebung der authentischen und rustikalen Anlage, wir bewunderten das kunstvoll gestaltete Schmetterlingshaus und gingen am Ufer des Río Napo entlang.

Das Schmetterlingshaus von Yachana ist eine der aufregendsten Attraktionen im Ecolodge.

Ich fotografiere mindestens zehn Schmetterlingsarten auf Armeslänge.

Meine Gefährten blieben am nächsten Tag auch auf Dougs Anwesen. Ich entschied mich jedoch nach El Coca weiterzufahren. Die Zeit drängte, denn in zwei Tagen würde ich schon mit einem Boot nach Nuevo Rocafuerte, dem letzten Ort vor der peruanischen Grenze reisen, um meine Dschungeltour im Yasuní-Nationalpark mit seiner atemberaubenden Artenvielfalt zu beginnen.

An mehreren Stellen in der Innenstadt von El Coca sind große Bilder zu bestaunen, die Mitglieder der Bevölkerungsgruppe der Waorani darstellen.

In El Coca gibt es kein Backpacker-Hostel. Die meisten der internationalen Touristen, die sich hierher verirren, kommen hauptsächlich mit dem Flugzeug an und reisen normalerweise mit motorisierten Kanus sofort in eine der Luxus-Lodges weiter. Aus prinzipiellen Gründen hätte ich keine stark überteuerte Unterkunft im Inneren des Dschungels in Betracht ziehen können, deshalb habe ich in einem einfachen Hotel der Dschungelstadt mit zu hoher Luftfeuchtigkeit übernachtet.

Die Guaba-Frucht ist eine angenehme Erfrischung des Amazonas.

Auf dem zentralen Markt kann man für ein paar Dollar leckeren gebratenen Fisch essen.

Die Stadt heißt eigentlich richtig Puerto Francisco de Orellana, aber kein Einheimischer sagt so und auf den Karten steht überall El Coca – dies ist der alte Name der Stadt. Francisco de Orellana, ein spanischer Konquistador, trat nach einem Aufenthalt in Nicaragua 1533 in die Armee von Francisco Pizarro ein. So wurde er Mitglied der Entdeckungsreise des Gouverneurs von Quito, Gonzalo Pizarro, die von den Strapazen der abenteurlichen Andenüberquerung stark dezimiert wurde.

Boote verkehren seit Jahrhundeten auf dem Río Napo.

Das Orellana-Denkmal befindet sich an der Promenade. Der Seefahrer spanischer Abstammung ist der Namensgeber des Flusses Amazonas.

Als Orellana beim Gebiet des heutigen El Coca ankam, erkundete er mit einem einfachen Schiff die weitere Route der Expedition und machte sich dann – bereits mit einem größeren Schiff – wieder flussabwärts auf den Weg zum Napo, um im August 1542 das riesige Delta des Amazonas zu erreichen. Der Entdecker-Kapitän war damit der erste Europäer, der ohne vorherige Vorbereitung den riesigen Fluss von West nach Ost befuhr.

Ecuavoley ist eine aus Ecuador stammende Mannschaftssportart und stellt eine Variante des Volleyball dar.

Die geschäftige Hafenstadt beherbergt das Museum MACCO, das vor einigen Jahren übergeben wurde und das einzigartige kulturelle und reiche archäologische Erbe der Region Orellana bewahrt. Die mehrstöckige Ausstellung im Museo Arqueologico Centro Cultural Orellana zeigt unter anderem die präkolumbianische ethnische Omagua-Gruppe. Ich freute mich sehr darauf, das Museum zu besuchen, das auch wegen seinem Kunsthandwerk, hochwertiger Keramik und Goldschmuck interessant sein sollte. Allerdings war aber das Museum wegen Renovierungsarbeiten für mehrere Wochen geschlossen.

Auch El Coca, die ecuadorianische Hauptstadt des Amazonas, bereitet sich auf Weihnachten vor.

Ich versuchte die große Enttäuschung auf dem lokalen Markt zu verarbeiten, wo ich die Speisen- und Getränkespezialitäten der Amazonas-Indianer probierte. Während die Superfrucht des tropischen Regenwaldes Brasiliens das Açaí ist, ist die Superpflanze des ecuadorianischen Amazonas-Regenwaldes die Guayusa. Letztere ist eine Pflanze mit den koffeinreichsten Blättern der Welt, deren Abkochung in gekühlter Form ein schmackhaftes Erfrischungsgetränk ist. In der sengenden Hitze des Amazonas wurde der Trockenextrakt aus Guayusa-Blättern schnell zu einem großen Favoriten. Ich trank das leckere Getränk bestimmt literweise.

Der köstliche Guayusa-Tee – in den unter anderem auch Leonardo DiCaprio viel investiert – basiert auf einem Extrakt aus den energiereichsten Blättern der Amazonas-Pflanze.

Die Guayusa, die eine erhebliche Menge Koffein enthält, wurde sehr schnell zu meinem neuen Lieblingsgetränk.

In Bezug auf das Essensangebot gibt es neben frittiertem Flussfisch eine echte Spezialität, die bei den Shuar-Indianern (und bei Reisenden mit gutem Magen) sehr populär ist. Dies ist eine 7 bis 8 Zentimeter große dicke Made, genannt Chontacuro, die die südamerikanischen Indianer aus der Pfirsichpalme (auch Chonta genannt) extrahieren. Obwohl mir die reizenden Waorani-Frauen die Made auf dem Markt roh anboten, würde ich sie in roher Form nie konsumieren. Mein Magen ist ziemlich verträglich, so habe ich den proteinreichen Chontacuro-Wurm in gerösteter Version probiert. Der Wurm auf einem Holzspieß war gewöhnungsbedürftig, aber schmeckte lecker. Ich glaube jedoch nicht, dass der Chontacuro mein nächstes Lieblingsessen sein wird, aber wenn es demnächst auch anderswo im Dschungel zu probieren geben wird, werde ich sicher nicht nein sagen.

Die Einheimischen der lokalen Urwald-Gemeinde bereiten die bleichen, daumendicken Maden auf einem Schaschlikspieß über glühender Holzkohle vor.

Ich habe den leicht gesalzenen, gerösteten Chontacuro aus Neugier probiert.

Obwohl Chontacuro, die mächtige Proteinquelle des Dschungels, ziemlich gut schmeckte, hoffe ich doch sehr darauf, dass auf meiner dreitägigen Dschungeltour neben der Dschungel-Delikatesse auch etwas anderes auf meinem Speiseplan stehen wird…

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