In einer Woche werde ich über Bogotá nach Panama-Stadt fliegen. Davor traf ich Ilze, um mit meiner guten Bekannten aus Lettland für ein paar Tage einen Kurztrip im Norden von Ecuador zu unternehmen. Eine sehr artenreiche Tierwelt hieß uns in Mindo willkommen, wo wir den Wechsel der Vegetationszonen erlebten und ein halbes Dutzend Wasserfälle durchstreiften. Wegen den Ernährungsgewohnheiten meiner Reisebegleiterin wechselte ich wieder zur vegetarischen Ernährung. Es war ein sehr aufregender Tag, es war schön, dass wir uns nach ein paar Jahren wieder begegnet sind!

Nachdem meine Gäste nach New York geflogen sind, kehrte ich am Nachmittag im Bus von Guayaquil nach Quito zurück. Am schnellsten wäre ein 50-minütiger Flug gewesen, da die beiden Metropolen durch mindestens ein Dutzend Flüge am Tag verbunden sind. Ich entschied mich jedoch für den günstigeren Fernbus, der nach einer etwa achtstündigen Fahrt von der Pazifikküste in der ecuadorianischen Hauptstadt ankam. Nach einer langen Reise traf ich so ziemlich spät in der Nacht Ilze, mit der ich die nächste Woche verbringen werde. Ich habe die sympathische Lettin 2015 in der entspannten Stadt von Salento in Kolumbien kennengelernt. Wir übernachteten im gleichen Hostel und am nächsten Tag verließ ich das für seine riesigen Wachspalmen berühmte Cocora-Tal. Ich erinnere mich noch genau daran, dass wir uns beim Frühstück über tropische Früchte ausgetauscht haben. Kurz darauf musste ich gehen, mein Bus nach Cali fuhr nämlich los.

Zwischen der Leitung verschiedener Reisegruppen in Lateinamerika treffe ich eine gute Freundin.

Knapp einen Monat später befand ich mich in Bogotá, wo wegen den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro ein wichtiges Skype-Interview auf mich wartete. Es war mein großer Traum, eine Anstellung beim Handball in Rio de Janeiro zu bekommen, weshalb ich 2014 meinen Job als Sportmanager in der Nähe von Wien gekündigt habe. Ich hatte noch zwei Jahre bis zu den Olympischen Spielen, also reiste ich in der Zwischenzeit durch den faszinierenden Kontinent von Südamerika, lernte intensiv Portugiesisch und bewarb mich von Anfang an für einen Job in Brasilien. Nun, der wichtige Tag des lang erwarteten Interviews ist endlich gekommen. Das Interview fiel unglücklicherweise auf einen Morgen, an dem ich gerade auf die karibische Insel von San Andrés flog. Nachdem in der Vornacht die amerikanische Rockband Eagles of Death Metal ein frenetisch bejubeltes Konzert in Bogotá gegeben hat, nahm ich am Interview kurz vor meinem Abflug am Flughafen ziemlich erschöpft, aber sehr zuversichtlich teil.

Bei der Ankunft im Nebelwald von Mindo begrüßt uns leichter Nieselregen.

Am Dorfrand befindet sich unsere idyllische Basis, ein authentisches Holzhaus.

Aufregende Wesen können am frühen Morgen im dicht bewachsenen Garten unserer Unterkunft fotografiert werden.

Ich war einer der letzten, der ins Flugzeug gestiegen ist, als jemand mir auf die Schulter klopfte und meinen Namen rief. Es war Ilze, die auch auf die 200 Kilometer vor der Küste Nicaraguas liegende karibische Insel San Andrés flog. Hier begann unsere bis heute andauernde Freundschaft. Seitdem waren wir zusammen in Guatemala, Costa Rica, und ich habe vor einigen Jahren die sympathische Lettin auch in ihrem Wahlland in Spanien besucht. Als sich herausstellte, dass wir uns beide zur gleichen Zeit in Ecuador aufhalten werden, stand außer Frage, dass wir uns ein paar Tage lang wieder begegnen würden. Leider hatte ich diesmal kaum Zeit, da ich bald nach Panama reisen musste, aber dennoch reichte es noch aus, um vor meiner Abreise gemeinsam einen Kurztrip zu unternehmen.

Zu Beginn der Wanderung durchqueren wir Bambuswälder.

An einem der Aussichtspunkte taucht unser aktueller Standort, das winzige Mindo, auf.

Das Wandern fühlt sich in Mindos weitläufiger Wildnis großartig an!

Wir haben uns ziemlich schnell darauf geeinigt, wohin wir fahren sollen. Otavalo, bekannt für seinen berühmten Handwerksmarkt, und Mindo, tief im üppigen Nebelwald gelegen, eignen sich beide perfekt für Tagesausflüge in der Nähe von Quito. Als erstes brachen wir also in den Nebelwald nach Mindo auf, wo ich vor sechs Jahren schon mal gewesen bin. Es machte mir überhaupt nichts aus, in die nordwestlich von Quito gelegene Siedlung zurückzukehren, da mir schon vor sechs Jahren Mindo – das Zentrum eines subtropischen Naturschutzgebietes – sehr gut gefallen hat, und ich sehr gespannt war, wie sehr sich seitdem das für den Ökotourismus wichtige Gebiet verändert hat. Um die Wahrheit zu sagen, hat es sich im subtropischen Talkessel gelegenen Dörfchen viel getan! Der charmante Charakter der kleinen wegen seiner vielfältigen Flora und Fauna bekannten Siedlung blieb erhalten, aber im Laufe der Jahre entwickelte sich auch die Infrastruktur um Mindo. Im kleinen entspannten Ort gibt es jetzt viel mehr Restaurants und Unterkunftsmöglichkeiten. Ich erinnere mich, dass man während meines ersten Besuchs als Freizeitattraktion neben der Beobachtung tropischer Vögel und der Erkundung der Pflanzenwelt vielleicht nur noch zu den Wasserfällen gelangen konnte. Heutzutage gibt es eine ganze Bandbreite an Aktivitäten aus denen man wählen kann: Seilrutschen, Schokoladen- und Kaffeetouren, hausgemachte Biere und vieles mehr.

Der “Affenschwanz” genannte Sphaeropteris lepifera ist im Nebelwald von Mindo auch beheimatet.

Auf dem Pfad zeigen sich schöne Orchideen.

Wir lieben beide gleichermaßen die Natur und wandern gerne in geheimnisvollen Nebelwäldern, so gab es keine Fragen darüber, was wir in Mindo, einem proklamierten tropischen Vogelparadies, unternehmen sollten. Der Weg der sieben Wasserfälle ist Mindos bekanntester Wanderpfad. Als erstes mussten wir fast sieben Kilometer zur Tarabita-Seilbahn laufen. Trotz des leicht ansteigenden Geländes genossen wir den mystischen Anblick des dichten Nebelwalds, die satte grüne Vegetation und bewunderten die bunten Vögel.

In der Regenzeit beeindruckt die Natur in wunderschönen grünen Farben.

Mit der Tarabita erreichen wir den offiziellen Eingang des Reservats.

Ich fotografiere die nebligen Nebelwälder von Mindo von der Kabelfähre aus.

Was ist denn eine Tarabita? Tarabita ist ein in Südamerika bekannter an Drahtseilen hängender offener Metallkäfig zum Überqueren von Schluchten und Flussen ohne Brücke. Mit einer solchen Gondel erreichten wir den Eingang des Waldschutzgebiets Mindo – Nambillo, um diese echten Paradiesgärten und die Wasserfälle zu besichtigen. Neben der abgelegenen Cascada Reina kann man den Wasserfall Nambillo sowie auf einem langen Pfad die Kaskaden Los Maderos, Madre, Colibries, Guarumos und Ondinas besichtigen.

Die “Wasserfallroute” ist nicht das größte Highlight des Landes, dennoch tut die neblige Wanderung gut.

Auf dem Rückweg gibt es auch jede Menge Schönes zu fotografieren.

Wenn ich mit Ilze unterwegs bin, esse ich selber auch nur vegetarische Gerichte.

Zur Stärkung tranken wir einen leckeren Natursaft im kleinen Restaurant der Gondelstation und spazierten bei Nieselregen auf der schon bekannten Strecke nach Mindo zurück. Ungefähr auf halber Strecke hielten wir an, um auf der Terrasse eines Cafés winzige Kolibris an den aufgestellten Tränken und Tukane zu fotografieren. Nach einem frühen und vegetarischen Abendessen und einem gemeinsamen Bier fahren wir morgen zum farbenprächtigen Markt von Otavalo weiter. Der malerische Kratersee Cuicocha erwartet uns!

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