Im Norden Ecuadors wechselten wir unsere Basis und besuchten am Fuße von Vulkanen das fruchtbare Andental von Otavalo. Anstelle des Besuchs des traditionellen Handwerksmarktes unternahmen wir eine Wanderung an einen Kratersee. Wir fotografierten die farbenfrohe Pflanzenwelt der Hochgebirgsumgebung und umrundeten die vulkanische Caldera der Cuicocha-Lagune, die ein würdiges Ende meiner Reise nach Ecuador darstellte.

Wir haben den Morgen in Mindo verbracht. Während Ilze begeistert durch die Kunsthandwerksläden spazierte, plante ich bei ein paar Krügerln hausgemachtem Bier bereits meine zentralamerikanische Reiseroute. Im Zentrum des in den Tiefen des üppig grünen Nebelwaldes versteckten Dörfchens gingen wir mehrmals an einem vegetarischen Restaurant vorbei, welches meine lettische Reisebegleiterin bereits bei unserer Ankunft entdeckte. Leider war aber das Restaurant namens Mishqui Quinde immer geschlossen. Nachdem wir unsere Rucksäcke an unserer Unterkunft abgeholt haben, war das Lokal noch immer zu. Als Ilze mir erzählte, dass die Gaststätte hausgemachte Schokoladen- und Passionsfrucht-Liköre verkauft und sie diese gerne kosten würde, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und klingelte einfach.

In Otavalo schmücken zahlreiche Graffitis die Wände.

Bevor wir Mindo verlassen und weiterfahren, wäre es an der Zeit Mittag zu essen, dachten wir. Im leichten Nieselregen würden uns zum Aufwärmen bestimmt auch die hausgemachten alkoholischen Liköre einen wichtigen Beitrag liefern. Der überraschte Restaurantbesitzer traf wenige Minuten später ein. Wie wir von ihm erfahren haben, blieb das Restaurant auch am heutigen Tag geschlossen. Aber als wir Oswaldo den Grund für unseren Besuch mitteilten, begrüßte er uns nochmal herzlich und bat uns in den Empfangsraum. Es dauerte nur ein paar Sekunden, und wir stießen bereits mit einem cremigen, angenehm süßen Likör an. Wir bestellten Quinoa-Suppe zum Mittagessen und probierten dann das gesamte Likörangebot unseres Gastgebers. Wir fühlten uns so wohl, dass wir unseren Bus komplett vergaßen und ihn fast verpassten. Glücklicherweise konnten wir den Bus am Hauptplatz noch erwischen und sprangen so in letzter Sekunde in den Bus nach Quito.

Auf dem Obstmarkt von Otavalo gibt es das ganze Jahr über eine große Auswahl.

Zwei Stunden später steigen wir in Quito am Busbahnhof “La Ofelia” aus. Unser nächstes Ziel ist Otavalo, so müssen wir die Terminals innerhalb der Hauptstadt wechseln und zum Terminal Carcelén fahren. Zwischen Quito und Otavalo fahren die Busse im 20-Minuten-Takt, so mussten wir nicht lange warten, um weiterzufahren. Vorbei am Vulkan Cayambe (5.790 m) erreichten wir kurz vor Sonnenuntergang das für seinen Indiomarkt bekannte kleine Städtchen Otavalo. In einer Höhe von 2.500 Metern über dem Meeresspiegel liegt Otavalo inmitten der Anden. Neben dem bunten Markttreiben bietet die atemberaubende Kulisse mit drei Andenvulkanen (Imbabura, Cotacahi und Mojanda) einen weiteren touristischen Anziehungspunkt. Obwohl wir diesmal keine Vulkanbesteigung vorhatten, wollten wir dennoch eine Hochgebirgswanderung um das Tal von erstaunlicher Schönheit unternehmen.

Wir steigen zu einem der Aussichtspunkte in Otavalo auf.

Die meisten Touristen kommen wegen des einzigartigen Handwerksmarkts nach Otavalo, – normalerweise nur am Samstag – um an einem der unzähligen Stände Reisesouvenirs zu kaufen.

Obwohl die indigenen handgefertigten Wollgewebe wunderschön sind, sind wir dieses Mal nicht wegen des kunterbunten Indiomarktes nach Otavalo gekommen.

Die Textilkultur von Otavalo stammt aus der Zeit vor der Inka-Hochkultur und war zu ihrer Zeit für das Weben, Spinnen und die Herstellung von Kleidungsstücken bekannt. Als das Gebiet nordöstlich der Hauptstadt Quito in das Inkareich integriert wurde, wurde die elegante Marke der Mode “Otavaleño” auch unter den spanischen Eroberern beliebt. Darüber hinaus arbeitete eine kleinere indigene Gemeinde in Otavalo für Jahrzehnte als exklusive Weber für die Spanische Krone. Nachdem Mitglieder der örtlichen Aristokratie die Eingeborenen für Hunderte von Jahren ausgenutzt hatten, setzte das Agrarreformgesetz von 1964 dem Missbrauch von Arbeitskräften ein Ende. Viele der indigenen Otavalos versammelten sich dann in Manufakturen, um das schnelle Wachstum des in den 1970er und 1980er Jahren kräftig angekurbelten Tourismus zu nutzen. Heute sind etwa 85 Prozent der Einheimischen an Otavalos Kunsthandwerk beteiligt, wobei die meisten Familien mindestens einen Webstuhl im Haus halten.

Tanz und Volkskunst spielen eine wichtige Rolle im Leben der Indígenas.

Südamerikas größter Outdoor-Kunsthandwerksmarkt ist an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Zum Glück befinden wir uns an einem Wochentag hier, daher ist momentan nicht viel los. Andererseits sind wir nicht wegen der vielfarbigen Handwerks-und Webkunst zur Stadt gelangt. Unser Ziel ist, einen Ausflug zu einer der schönsten Naturattraktionen der Region zu unternehmen. Der Peguche-Wasserfall und die Laguna de Mojanda könnten dafür in Betracht gezogen werden, allerdings bevorzugen wir den Rundwanderweg der Lagune Cuicocha, der aufgrund der beiden Lavainseln in der Caldera des Kratersees eine beeindruckende Aussicht bietet.

Otavalo gilt nicht als die schönste Stadt, aber das Santuario del Senor de las Angustias zeigt im Abendlicht einen schönen Anblick.

Am nächsten Tag stehen wir beide früh auf und legen nach unserem Frühstück – Chia-Pudding mit Früchten – richtig los. Vom Busbahnhof in der Nähe des Stadtzentrums steigen wir in einen überfüllten Kleinbus nach Quiroga. Das Bergdorf Quiroga liegt in unmittelbarer Nähe von Otavalo, so sind wir schon nach einer Viertelstunde an unserer ersten Station angekommen. Auf dem Hauptplatz der Kleinstadt stiegen wir in ein Sammeltaxi, das uns für jeweils fünf Dollar zum Informationszentrum des ökologischen Reservats am Fuße des Vulkans Cotacachi brachte.

Nach dem “Weg der sieben Wasserfälle” in Mindo unternehme ich mit Ilze eine weitere spannende Wanderung.

Es ist noch nicht einmal neun Uhr, als wir uns bei bedecktem Himmel auf den Weg zur fast 15 km langen Strecke machen. Hier befinden wir uns in einer hochgelegenen Umgebung – auf 3.100 Metern – und obwohl Ilze fünf Tage in Quito verbracht hat, beginnen wir unsere Hochgebirgswanderung entsprechend vorsichtig. Wir wollten den See im Gegenuhrzeigersinn erwandern. Wir bewegten uns sehr langsam, da zu Beginn der Wanderung einige längere Steigungen zu bewältigen waren. Die 300 Höhenmeter im Aufstieg wurden bereits bei besserem Wetter erobert. Auf dem höchsten Punkt der Wanderung zeigte die Cuicocha-Lagune deutlich mehr von sich. Unsere wärmere Oberbekleidung wurden wir jedoch erst auf der anderen Seite des Kratersees – nach einem langen Abstieg – los.

Am frühen Morgen gibt es hinter der Wolke keine Sonne.

Eine farbenfrohe Vegetation prägt die Gegend um die Lagune.

Cuicocha (auf Quechua Regenbogensee oder Lagune der Götter genannt) wird von den Einheimischen auch als „Meerschweinchensee“ bezeichnet. Den Spitznamen hat die Lagune für die Form der größten Insel mitten in der Lagune erhalten. Früher lebten auf den beiden Inseln sehr viele von diesen wichtigen Nutztieren der Region.

Wir fotografieren rostfarbene Kolibris auf 3400 Metern.

Auf einem der Bäume erscheint eine interessante Zeichnung.

Die vulkanische Caldera von Cuicocha wurde vor ca. 3.100 Jahren durch ihre letzte phreatische Eruption geschaffen, bei der fünftausend Kubikmeter frisch ausgeworfene Lavafragmente erzeugt wurden. Der Ausbruch bedeckte die umlegende Gegend mit einer Ascheschicht von 20 cm. Der Vulkan ruht seit dieser Zeit. Vulkanausbrüche der benachbarten Cotacachi, Imbabura, Mojanda und Cayambe sind für den fruchtbaren Vulkanboden im Otavalo-Tal verantwortlich. Der Kratersee verfügt über vier durch die Eruption produzierten Lavakuppel, die zwei steile, bewaldete Inseln bilden: Isla Teodoro Wolf und Isla Yerovi.

Einer der Aussicht-Pavillions zeigt die beiden unbewohnten Inselchen des Kratersees.

Lamas sind an diesem bedeutenden Wochentourismusort keine Seltenheit.

Wir haben es nicht eilig, sodass wir in aller Ruhe Zeit nehmen können, das wunderschöne Panorama von den verschiedenen Aussichtsplätzen der Caldera aus zu bewundern. Im letzten Teil der Wanderung können vom Kratersee mit seinen beiden Inseln endlich ein paar akzeptable Fotos geknipst werden. Über einen schattigen Pinienwald erreichten wir den “offiziellen” Aussichtspunkt der Lagune, bei dem sich die meisten Besucher aufhalten. Nachdem wir unser gemeinsames Lieblingsgetränk, den Canelazo getrunken haben, gehen wir vom alkoholhaltigen Heißgetränk gut aufgewärmt zum “Centro de Interpretacion Cultural“ zurück, um nach Otavalo zurückzukehren. Obwohl wir beim vereinbarten Zeitpunkt pünktlich dort stehen, erscheint jedoch unser Fahrer von der Früh nicht, daher organisiere ich eine Rückreise mit einem französischen Paar, das länger auch auf Transport wartet.

Cuicocha in der Reserva Ecological Cotacachi Cayapas zählt zu den schönsten Kraterlagunen des Landes.

Am Ende des Tages verdienen wir es, verwöhnt zu werden.

Am nächsten Tag kehren wir nach Quito zurück und verabschieden uns für eine Weile. Ilze wird die nächsten Monate in Ecuador verbringen, während ich abends nach Bogotá fliege.

Wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat und du neugierig auf weitere Fotos und Informationen geworden bist, besuche einfach meine Facebook-Seite.