Ich verließ den mittleren Zweig der ecuadorianischen Anden und traf im Dschungel des Amazonasbeckens auf bunte Pflanzen und “laufende Palmen”. Ich besuchte eine anerkannte Auffangstation für Wildtiere und lernte danach in einem ethnobotanischen Garten über die Shuar-Indianer und die natürlichen Mittel zur Behandlung von Krankheiten. Echt bereichernde Erfahrungen!

Meine Geschichte geht dort weiter, als ich eine der berühmtesten Landschaften Südamerikas, die Anden verließ und mit einem schnellen Zwischenstopp in Baños nach Puyo reiste. Das sich in einem Tal am Fuß des rauchenden Vulkans Tungurahua schmiegende Baños ist das Zentrum der Adrenalin-Junkies. Anstatt prickelnden Adrenalinschüben verbrachte ich dieses Mal nicht viel Zeit in der Abenteuer-Hauptstadt. Ein halber Tag reichte, um ein paar wichtige Dinge für meine demnächst ankommende Touristengruppe vorzubereiten.

Ich freute mich sehr auf die Farbenpracht des tropischen Dschungels.

Nachdem ich meine Aufgaben erledigt hatte, zielte ich auf den tropischen Regenwald Ecuadors ab. Die beiden bekanntesten Naturschutzgebiete des Amazonas-Beckens, Cuyabeno und Yasuní, befinden sich inmitten faszinierender Natur im Nordosten von Ecuador. Das letztere Wildtier-Reservat werde ich in ein paar Tagen mit einem professionellen Guide besichtigen. Um Puyo und seine Umgebung kennenzulernen, war jedoch kein fachkundiger Führer erforderlich.

Die Prinzessinnenblume, auch Veilchenbaum genannt, ist ein immergrüner, recht sparriger Strauch aus Brasilien, der sich durch seine großen, imposanten Blüten auszeichnet.

Die beeindruckenden Blütenstände von Heliconia schmücken vielerorts den Regenwald.

Der Korallenbaum ist bekannt für seine schönen Blüten.

Ich kam mit einem regulären Bus in die Hauptstadt der Provinz Pastaza. Der Bus setzte mich am südlichen Ende von Puyo aus, so musste ich in sanftem tropischen Regen und im feuchtwarmen Klima durch die Stadt spazieren. Im Norden, an der Hauptstraße nach Macas, erreichte ich meine erste Station, den Vogelpark Parque Real de Aves Exóticas. Letzterer befindet sich in einer eher abgelegenen Lage im üppigen Regenwald eines Privathauses. Er ist nicht leicht zu finden.

Der Vogelpark ist reich an speziellen Pflanzen.

Der Gelbbrustara ist der einzige Vogel, den ich in seiner natürlichen Umgebung fotografiere.

Um ganz ehrlich zu sein, hat mir der Ort zum Schutz und zur Pflege einheimischer Vogelarten gar nicht gefallen. Obwohl der Eintritt nur zwei Dollar betrug und ich spezielle Vogelarten aus anderen Kontinenten begutachten durfte, konnte ich über die Tatsache, dass die in Käfigen eingesperrten Vögel den größten Teil ihres Lebens dort verbringen, nicht hinwegkommen. Das einzige Plus bedeutete der gepflegte Regenwald der Anlage. Es fühlte sich gut an, wieder Amazonaspflanzen zu bewundern und zu fotografieren.

Ich treffe Affen in einer Tierauffangstation 10 km von Puyo entfernt.

Mein nächster Halt war die Rettungsstation der Fundacion Los Monos Selva y Vida. Ich hatte noch nie von der schweizerisch-ecuadorianischen gemeinnützigen Organisation gehört. Als ich durch die Stadt ging, sah ich eine kleine Werbung der Stiftung auf einer Werbetafel und beschloss, den ein Hektar großen Regenwaldpark zu besuchen. Die Auffangstation, die gequälten oder schlecht gehaltenen Wildtieren eine dauerhafte und sichere Unterkunft bietet, wurde vom Schweizer Yvan Bouvier geschaffen. Ich traf ihn und fast ein halbes Dutzend Freiwillige im Besucherzentrum der Rettungsstation.

Amazonasblumen und -pflanzen des Sekundärwaldes gehören zu den Lieblingsthemen fast aller naturfreundlichen Fotografen.

Das Baden im Fluss am Rand der Tierauffangstation habe ich diesmal ausgelassen.

Da ich den Park alleine besuchte und sich außer mir kein anderer Besucher in der Anlage befand, erzählte Yvan schnell die wichtigsten Hintergrundinformationen über das Tierheim, führte mich ein wenig herum und ließ mich dann alleine, damit ich im Park selbst herumlaufen durfte. Während des Spaziergangs sah ich neben zahlreichen Affenarten Papageien, Schmetterlinge, Nasenbären, Coatis und Schildkröten. Der Besuch der Rettungsstation war eine tolle Erfahrung und ein perfektes Zusatzprogramm mit dem ich am Anfang des Tages nicht gerechnet habe. Die Auffangstation “Paseo de los Monos” ähnelte in vielerlei Hinsicht dem bekannteren und größeren Tierheim “amaZOOnico” in Tena. In beiden Auffangstationen werden die Tiere in größtmöglicher Freiheit gehalten. Es ist ein wichtiges Ziel, den in Not geratenen und durch illegalen Handel gefolterten Tieren umfangreiche tierärztliche Betreuung und psychologische Unterstützung anzubieten und diese nach vollständiger Rehabilitation in Schutzgebiete des Dschungels zurückzulassen.

Natürliche Idylle im üppigen Dschungel des “Paseo de los Monos”.

Schmetterlinge sind ein unverzichtbarer Bestandteil des tropischen Regenwaldes.

Der “Parque Etnobotanico Omaere” befindet sich bereits in der Nähe des Stadtzentrums von Puyo in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen Flusses. Sein Anlagenbetreiber und Koordinator der Organisation ist ein in den USA geborener Botaniker, der seit Jahrzehnten die Gärten des Parks pflegt. Chris war erfreut, über die Bräuche und traditionellen Lebensstile der Bevölkerungsgruppen der Waorani und Shuar (bedeutet in der Sprache der Shuar „Menschen“) zu erzählen. Letztere sind die gefürchteten Schrumpfkopfjäger des 20. Jahrhunderts, die im Amazonastiefland östlich der Anden, einschließlich um Puyo, leben.

Die Ufer entlang des Flusses Puyo sind großartige Wandergebiete.

Chris, ein US-Amerikaner, lebt seit fast 30 Jahren in Ecuador.

Eine andere – zur Behandlung von Nierenerkrankungen und als Diuretikum verwendete – Amazonaspflanze ist der “Cola de Mono”, übersetzt Affenschwanz.

Nach einer ausführlichen Präsentation des sympathischen Botanikers übergab er uns einem Volontär, unter dessen Anleitung wir den ethnobotanischen Garten besuchten. Der junge Biologiestudent Luis unternahm mit meiner Gruppe einen langen Spaziergang im Lehrpfad durch den Urwald, wo wir ein umfassendes Bild der medizinischen Anwendung einheimischer Arzneipflanzen erhielten.

Natürliche Feile im Regenwald.

Die “Wanderpalme” bewegt sich mit ihren Wurzeln vorwärts.

Die venezolanische Rose (Cruz Caspi) ist ein natürliches Verhütungsmittel des Dschungels.

Mitten im Regenwald erzählt ein junger ecuadorianischer Universitätsstudent über Amazonaspflanzen und natürliche Heilmittel.

Der abwechslungsreiche Tag in Puyo war eine gute Wahl zur hervorragenden Einstimmung auf meine nächste Woche. Ich werde nämlich bald zum Oberlauf des Amazonasbeckens reisen, um den UNESCO-Biosphärenreservat Yasuní im Amazonasgebiet zu besuchen!

Ich verabschiede mich von Puyo mit einer wunderschönen Amazonaspflanze.

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