Ich habe schon seit Jahren geplant, zur “Verlorenen Stadt” des präkolumbischen Volkes der Tayrona zu wandern. Jetzt ist es mir endlich gelungen, die archäologischen Spuren der Tayrona-Kultur zu besuchen, allerdings fühle ich mich nach der viertägigen Tour immer noch zwiespältig. Einerseits war es ein tolles Erlebnis, durch die nebligen Berge der Sierra Nevada de Santa Marta wandern zu gehen und etwas über die Kogi, ihre Traditionen und Bräuche zu erfahren. Andererseits verstehe ich leider den großen Hype über die “Verlorene Stadt” nicht. Die wilde Schönheit des Wanderns wird durch die wachsende Frequenz der Besucher vollkommen ruiniert. Ähnlich wie im Nationalpark Tayrona ist auch in Ciudad Perdida der Schutz der biologischen Vielfalt und des natürlichen Ökosystems zweitrangig geworden. Zum Glück bot auf meiner Weiterreise das kleine quirlige Karibikdörfchen Palomino mehr als erwartet.

Ein bemerkenswerter Stolz Kolumbiens ist die Ruinenstadt der Tayrona-Indianer, Ciudad Perdida. Die “Verlorene Stadt” ist eine wiederentdeckte präkolumbianische Stadt aus dem 9. Jahrhundert und liegt in der Bergkette der Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens. Die 2 km² große Ruinenstätte der Ciudad Perdida und die Sierra Nevada sind sowohl natürlich als auch kulturell einzigartig. Nahe der Karibikküste gelegen, wachsen die Berge fast aus dem Meer, wobei ihre höchsten Gipfel mehr als 5.700 Meter erreichen. Damit gilt die Bergkette als höchstes Küstengebirge der Welt.

Die Besucher der Ciudad Perdida werden während dem organisierten Trekking perfekt und aufmerksam betreut. Drei Mahlzeiten, separate kurze Pausen zum Konsum von Obst und Snacks, und riesige Camps mit Etagenbett und Moskitonetz. Für den Preis sollte auch etwas geboten werden, denn die viertätige Tour kostet umgerechnet stolze 300 Euro.

Die Tayrona-Indianer lebten einst in den tropischen Regenwäldern der Sierra Nevada de Santa Marta.

Die im festungsähnlichen Gebirge lebenden Kogi betrachten sich als Nachkommen der Tayrona-Indianer. Sie haben eine regionaltypische natürliche und einfache Kleidung. Frauen tragen weiße einteilige Kleider. Es wird gesagt, dass die weiße Farbe die Schöpferin, die Große Mutter und damit die Reinheit der Natur darstellt.

Das Wandern in der großen Hitze erinnerte mich an meine Mehrtages-Wanderung zu den Inka-Ruinen von Choquequirao vor einigen Jahren. Im ersten Teil der aktuellen Wanderung ist meine Gruppe in starker Hitze gewandert und hat ständig Flüssigkeit nachgefüllt.

Leider ist Ciudad Perdida aufgrund des täglichen Ansturms von Besuchern nicht mehr intakt. Trotz freier Natur sind Tiere auf dem Pfad leider nicht mehr zu beobachten. Ich tat mich sehr schwer damit, ein paar Fotos von der Fauna zu knipsen. Der Massentourismus hat in den letzten Jahren das Ökosystem stark geschädigt. Eine von Jahr zu Jahr wachsende Anzahl von Touristen kann die Natur nicht völlig unbeschädigt überstehen.

Mutanzhi ist ein indigenes Dorf, das vor Jahren von den Kogi verlassen wurde. Ihre selbst gebauten traditionellen Hütten wurden von den Eingeborenen kreisförmig aus Bambus gebaut und mit Palmblättern bedeckt.

Die “Verlorene Stadt” inmitten des Naturschutzgebietes Sierra Nevada de Santa Marta kann nur als Teil einer über Agenturen mit lizenzierten Führern komplett organisierten und geführten Tour erreicht werden. Da fast nur ausländische Touristen die ehemalige heilige Stadt der Tayronas besuchen, wird jede Gruppe von einem lokalen Tourguide und einem Dolmetscher begleitet.

Die viertägige Wanderung -insgesamt mehr als vierzig Kilometer- ist recht abwechslungsreich. Im ersten Teil des Trekkings folgt nach langem steilen Anstieg von über 600 Meter eine Anstrengung von ein paar Stunden in Form eines Abstiegs auf einem recht rutschigen Pfad zum ersten Quartier. Am nächsten Tag folgen weitere lange Aufstiege. In der zweiten Hälfte des Dschungeltrekkings war es aufgrund der hohen Hitze eine echte Bereicherung, den Rio Buritaca mit Schuhen in der Hand barfuß zu überqueren.

Nachdem wir zwei Tage lang durch den mysteriösen Nebelwald und das Tal des Buritaca-Flusses marschiert waren, erklommen wir 1200 uralte Steinstufen und gelangten zum zentralen heiligen Bereich von Ciudad Perdida.

Ein Schamane (auch als Mamo genannt), gehüllt in ein einfaches weißes Kleid und leicht an seinem runden Kopfschmuck zu erkennen, singt tagtäglich den heiligen Segen und verkauft Touristen Armbänder für ein paar Dollar.

Tradition am weißen Sandstrand! Um ehrlich zu sein, bot Palomino, das kleine Dorf an der östlichen Karibikküste, nichts Besonderes. Es fühlte sich dennoch gut an, mich nach einer schweißtreibenden Wanderung zur Ciudad Perdida ein paar Tage auszuruhen.

Etwas weiter vom zentralen Strand des Dorfes gelegen, finde ich einen einsamen und unberührten Küstenstreifen.

Im Gegensatz zum Dschungeltrekking zur Ciudad Perida gibt es an der Karibikküste überraschend viele Vögel.

Ich bin damit mehr als zufrieden, beobachte die Vögel und Insekten ziemlich lange und fotografiere sie.

Ein endloser unberührter Küstenabschnitt, umgeben von Palmen.

In den wenigen Tagen an der Karibikküste habe ich meine Batterien neu aufgeladen. Palomino war der perfekte Abschluss meiner Kolumbien-Reise. Ein weiteres Kapitel kommt, auf geht’s nach Brasilien!

Wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat und du neugierig auf weitere Fotos und Informationen geworden bist, besuche einfach meine Facebook-Seite.