Nachdem ich die bezaubernde Kolonialstadt Girón mit ihren einheitlich weiß gestrichenen Fassaden besucht hatte, durchquerte ich eines der mächtigsten und tiefsten Täler Südamerikas. Trotz des langen Fußmarsches und der enormen Hitze im Hochsommer habe ich den abenteurlichen Ausflug zum wahren Schmuckstück der Natur nicht bereut, da sich die natürliche Schönheit des Chicamocha-Canyons erst entlang der imposanten Schluchten entfaltete.

Girón in der Nähe von Bucaramanga verfügt über eine reiche Geschichte und schöne spanische Kolonialarchitektur. Die charmanten gewundenen Kopfsteinpflasterstraßen sind voll mit gut erhaltenen weiß getünchten Gebäuden.

1631 gegründet, war Girón lange Zeit die Hauptstadt Santanders. Mit der Basílica Menor de San Juan Bautista beherbergt sie ein mächtiges Kirchengebäude aus der Gründungszeit der Stadt, das bei den Gläubigen der Region als bedeutendes Wallfahrtsziel gilt.

Wenn man durch die märchenhaften, stimmungsvollen Gassen spaziert, findet man im Süden der Stadt den kleinen, gemütlichen Platz Las Nieves und die reizende Kapelle Nuestra Señora de las Nieves.

Bei einem Spaziergang an der Uferpromenade zeigt sich die Fauna.

Wenn man Fleisch mag, ist man in Girón richtig! Auf dem Flussmarkt, der bis spät in die Nacht geöffnet ist, kann man himmlische Köstlichkeiten der Region probieren.

Der Chicamocha Canyon liegt 54 km von Bucaramanga entfernt und ist mit einer Fläche von über 108.000 Hektar eine der größten Schluchten der Welt.

Im Jahr 2009 stand die Chicamocha-Schlucht im Viertelfinale der Wahl um die Sieben Neuen Weltwunder. Die Talschlucht ist die Leistung der langen und gewaltigen Erosionsarbeit des Flusses Chicamocha. Vor 46 Millionen Jahren bildete die Region einen riesigen See mit unzähligen Meereslebewesen. Ich hatte vor, diesen riesigen Canyon auf dem historischen indigenen Pfad “Camino Real” durchquerend zu erleben.

Ich begann meinen langen Fußmarsch auf dem antiken Steinweg von Villanueva in der Nähe von Barichara. Mein Ziel war es, während der abwechslungsreichen 20 km langen Wanderung durch Jordan zum Fuße der Chicamocha-Schlucht abzusteigen und dann zum Plateau “Mesa de Los Santos“ hinaufzuwandern.

Alles in allem musste ich einen Höhenunterschied von fast 2000 Metern überwinden, indem ich als erstes zum Fuße des Canyons abstieg und dann auf das Plateau der Schlucht hinaufstieg. Während der intensiven Wanderung erinnerte ich mich mehrmals an meinen Ausflug vor ein paar Jahren zu den Inka-Ruinen von Choquequirao in Peru, wo ich neben der hohen Luftfeuchtigkeit auch mit einer extremen Hitzewelle zu kämpfen hatte, um zu meinem Ziel zu gelangen.

Vom Aussichtspunkt des Rancho Alegre ist der spektakuläre Blick auf den einzigartig schönen und riesigen Canyon atemberaubend.

Als ich Jordan’s winzige Bergsiedlung erreichte, war mir das Wasser ausgegangen, so musste ich improvisieren. Ich kam zur Mittagszeit im Dörfchen an, betrat den Gemeindehof, wo ich mich etwas ausruhte, mich am Brunnen erfrischte und frisches Wasser in meine Flasche nachfüllte.

Das kleine Dorf wirkte sympathisch, dennoch war es an der Zeit weiterzuziehen, denn es warteten auf mich gut 1000 Höhenmeter im Aufstieg nach Los Santos.

Die bevorstehenden Festtage schienen den Einheimischen von Jordan enorm wichtig zu sein, denn die Bewohner haben schon Wochen vor Weihnachten die Brücke über den Fluß Chicamocha wunderschön geschmückt.

Anstatt bequem am Brunnen zu chillen oder im Fluss stundenlang baden zu gehen und dann nach Villanueva zurückkehren, motivierte ich mich selbst in der größten Mittagshitze für den Rest der Strecke. Aufgrund des ständigen Bedarfs am Wasser bereute ich meine Entscheidung schon nach ca. 20 Minuten. Zum Glück durfte ich meine wieder mal leer gewordene Trinkflasche bald erneut auffüllen, indem ich einen Einheimischen mitten im wilden Canyon darum bat.

Wie ein würdiger Sieger eines Marathonlaufs erreichte ich gegen den frühen Nachmittag den auf einem Plateau liegenden Hauptplatz von Los Santos. Die Einheimischen applaudierten nicht, aber ich feierte mich selbst. Um meinen Durst zu stillen, habe ich meine Wasserverluste ausgeglichen und trank mindestens zwei Liter Wasser auf einmal.

Es gibt einen vergleichsweise schnelleren und viel bequemeren Aufstieg zum Nationalpark Chicamocha (auch bekannt als Panachi). Mit meinen aktuellen Gästen entschieden wir uns Wochen später für die einfachere Lösung und schwebten mit der über sechs Kilometer langen modernen Achtergondel durch die zerklüftete Landschaft hinauf.

Beim Aufstieg erlebe ich die atemberaubende Schönheit und die majestätische Berglandschaft des mächtigen Canyons neu.

Der von privaten Investoren 2006 errichtete typische Freizeitpark, der auf einem Bergrücken gelegen angelegt wurde, bietet aufgrund der Feiertage und der riesigen Touristenmasse viele spezielle Programme.

Im Nationalpark entscheiden wir uns statt Ziplining oder Paragliding für die Exotik der kolumbianischen Gastronomie.

Obwohl ich in mehreren südamerikanischen Ländern gut ausgebaute Sesselbahn-Systeme und Empfangsstationen gesehen habe, bin ich noch nie auf eine Gondel gestoßen, die einen so riesigen Canyon überquert. Die Seilbahn, die die Autostraße von Bucaramanga nach San Gil mit Panachi verbindet, ist in ihrer Art einzigartig.

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