Völlig abgewichen vom bekannten Gringo-Pfad, landete ich im historischen Ocaña, wo die Stadt 1828 eine verfassunggebende Versammlung beherbergte und die Regierung ein Dokument unterzeichnet hat, welches die Unabhängigkeit Kolumbiens bestätigte. Ich erreichte Ocaña zum Jahrestag seiner Gründung und kam rechtzeitig zur Wahl der Schönheitskönigin auf dem Hauptplatz an. Am nächsten Tag bummelte ich durch eine der gepflegtesten spanischen Kolonialstädte des Landes und war der einzige Besucher im Naturpark Los Estoraques.

Mit nur 90.000 Einwohnern ist Ocaña eine der weniger bekannten und kaum von ausländischen Touristen besuchten Städte in Kolumbien. Das obwohl Ocaña eine der wichtigsten historischen Städte des Landes ist. Wenige wissen es, aber 1824 war Ocaña kurzfristig auch Hauptstadt der Republik. Am Tag meiner Ankunft zelebrierten die Einheimischen den 448. Jahrestag der Gründung der Stadt, so feierten im Zentrum tausende von Leuten auf den kopfsteingepflasterten Straßen.

Unweit vom Stadtzentrum befindet sich die im 16. Jahrhundert vom Franziskanerorden erbaute Kirche San Francisco, welche heutzutage als Museum dient. Hier wurde die Verfassung Kolumbiens ratifiziert, die 1821 auf dem Kongress von Cúcuta verabschiedet wurde. Die Kirche wurde im September 1937 zum Nationaldenkmal erklärt.

Die Kirche Parroquia-Santuario Jesús Cautivo befindet sich im Viertel Barrio el Carretero im südlichen Teil von Ocaña. Der Bau begann im Jahr 1895 und wurde im Jahr 1899 während des Unabhängigkeitskampfes abgeschlossen. Im Jahr 2003 wurde die Kirche zum Interesse kultureller Vielfalt im Departamento Norte de Santander erklärt.

Anlässlich des Gründungsjubiläums der Stadt fand in Ocaña die Wahl der Schönheitskönigin statt. Ich habe das unerwartete Programm und den besonderen Frauenreigen nicht bereut, da die ausgewählten Damen alle hübsch waren. …und man meint, die schönsten kolumbianischen Frauen kämen aus der Umgebung von Medellín im Departamento Antioquia…

Mit seinen drei parallel verlaufenen Hauptstraßen und insgesamt 367 Häusern ist die verschlafene Siedlung La Playa de Belén ein Kolonialdorf, wie es im Buche steht. Weit verlassen vom “Gringo Trail” liegt der Reiz des Dörfchens in der Ferne und der Abgeschiedenheit.

Der Name La Playa de Belén bedeutet auf Deutsch “der Strand von Bethlehem”. Sehr seltsam ist der Name, da es keinen See oder Meer in der Nähe des Dörfchens gibt, und auch keinen Strand. Es heißt Playa, weil der Wind den trockenen feinen Sand der umgebenden Halbwüste durch die Stadt weht.

Die reich verzierten Balkonhäuser und Kopfsteinpflasterstraßen der winzigen Siedlung erinnern an die Kolonialzeit.

Der Friedhof mit seiner charmanten Atmosphäre liegt weit über die Siedlung und bietet einen herrlichen Blick auf das Dörfchen und die atemberaubende Sandfelsen-Landschaft von Los Estoraques.

1988 kündigte das Departemento Norte de Santander eine Wahl zur schönsten Siedlung des Bundesstaates an. Die Einwohner von La Playa de Belén haben beschlossen, die Wahl gewinnen zu wollen. Zu den schon mit roten Lehmziegeln versehenen Dächern wurde die ganze Stadt weiß getüncht, die Holztüren und Verkleidungen der Außengebäude braun gemalt. Ohne Zweifel gewann Playa mit seiner äußerst harmonischen und einheitlichen Erscheinung die Wahl.

Nur eine Viertelstunde von Playa entfernt gelegen, haben sich im Hinterland die massiven verwitterten Sandfelsformationen des Naturparks Los Estoraques über Millionen von Jahren durch starke Erosionen entwickelt.

Zwischen den bizarren Steinformationen gibt es keinen offiziellen Pfad, so kann man durch den 600 Hektar großen Nationalpark durchschlendern, wie man will. Ich musste nicht mal die Eintrittskarte von 5000 COP bezahlen und traf während der einen Stunde, die ich zwischen den wilden und einzigartigen Sandsteinerosionsformen von Los Estoraques verbracht habe, niemanden…

Wie Kappadokien in der Türkei erreichen die Gesteinsformationen, die durch bis heute andauernden starken Erosionstätigkeiten geformt sind, eine Höhe von 100 Metern.

In der bizarren Sandsteinregion hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis und genoss es vom ersten Moment an, um den Park herumzugehen und die zerklüfteten Felsformationen und Türmchen zu besteigen.

Mit seiner bedeutenden historischen Vergangenheit, einem Kulturdorf mit ganz besonders magischem Flair und den in den Himmel ragenden Felsbauten von Los Estoraques sollte die Gemeinde Ocaña bald ein Begriff unter Rucksacktouristen werden.

Von Ocaña führt ein langer Weg durch Valledupar zur karibischen Küste. Auf geht’s zum tropischen Strand von Palomino und zur Dschungel-Wanderung nach Ciudad Perdida in der Sierra Nevada de Santa Marta!

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