Obwohl die kosmopolitische und stark globalisierte Panama-Stadt kein Rio de Janeiro oder Quito ist, habe ich mich unglaublich schnell in die modernste Metropole Mittelamerikas verliebt. Die imposante Skyline und die komplett renovierte Altstadt sind bezaubernd. Nicht so Colón, welche sicherlich als eine der schmuddeligsten und gefährlichsten Städte der Welt gilt. Der Nationalpark Soberanía war geradezu enttäuschend unspektakulär, während ich mit dem Panamakanal einen weiteren besonderen Ort von meiner Bucketlist gestrichen habe.

In Bogotá habe ich anderthalb Tage auf eine günstige Gelegenheit zur Weiterreise nach Panama gewartet, so habe ich diesmal eine Unterkunft anstatt in der Innenstadt in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens El Dorado gebucht. Abgesehen von der Zubereitung und dem Konsumieren von vielen Fruchtsäften habe ich in der kolumbianischen Hauptstadt nicht wirklich viel unternommen, so habe ich wegen der knappen Zeit nicht mal meinen guten Freund Javier getroffen.

Panama Viejo liegt östlich der heutigen Stadt Panama-Stadt.

Es gibt nur wenige Besucher, daher ist es einfach, Leguane zu fotografieren.

Mein Billigflug von Kolumbien landete am Regionalflughafen Albrook Gelabert. Die ankommenden Passagiere wurden von der örtlichen Polizei in zwei Gruppen aufgeteilt. Während die Einheimischen nach kurzem Warten ins Land durften, wurden wir zu langen Wartezeiten gezwungen. Es war übliche Praxis, dass wir alle aufgrund der zunehmenden Verschärfung der Corona-Pandemie in China Körpertemperaturtests unterzogen wurden.

Panama Viejo – Ruinenstadt voll faszinierender Bauwerke – wurde 1671 vom walisischen Admiral und Freibeuter Henry Morgan erobert und nach einem ausbrechenden Großfeuer vollständig zerstört. Zusammen mit dem historischen Viertel von Panama-Stadt wurde das ehemalige Zentrum im Jahr 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

In Panamá la Vieja wurden die lange bestehenden Grünflächen erhalten.

Das Museum des Ruinengeländes ist auf jeden Fall einen (halbstündigen) Besuch wert.

Es gibt keine billigen Kleinbusse, Kombis oder Hühnerbusse von der ehemaligen Air Force Basis und ihrer unmittelbaren Umgebung ins Zentrum, so musste ich leider von Anfang an ziemlich schnell feststellen, dass Panama eine völlig andere Kategorie darstellt als z.B. Ecuador, Peru und Bolivien. Anstelle eines unfassbar überteuerten Taxis fuhr ich mit einem günstigeren Sammelbus zur U-Bahn-Station neben dem Einkaufszentrum Albrook Mall. Der größte Nachteil dieser Fahrt war allerdings, dass mein Shuttlebus noch mindestens eine halbe Stunde auf weitere Passagiere wartete, weil ein anderes Flugzeug direkt nach uns landete. Das ist doch kein Problem, dachte ich. Bis zur Ankunft meines Kumpels Béla habe ich noch ein paar Tage Zeit, um die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden bzw. das Programm so zu planen, dass wir den Panamakanal, eines der Weltwunder der Moderne und die weiter entfernten Sehenswürdigkeiten (Colón, Fort San Lorenzo usw.) zusammen erleben.

Aus welchem Land stammt wohl der aus federleichtem Palmblatt geflochtene Panama-Hut?!

Mein Lieblingsausblick in Panama-Stadt ist der Hügel auf Isla Flamenco. Der einzige Nachteil ist, dass man die Funktürme nur illegal besteigen kann…

Trotz Ecuadors genialem Nationalpark-Trio (Cuyabeno, Galápagos-Inseln und Yasuní) und den spektakulären Naturwundern der Reservate war ich immer noch nicht satt von der Sichtung der Vögel und Tieren. Anstatt in der sengenden Hitze zwischen dutzenden futuristischen Gebäuden auf der Küstenpromenade der Cinta Costera spazieren zu gehen, entschied ich mich für eines der beliebten Ausflugsziele rund um Panama-Stadt. Ich wäre gern gefahren, allerdings fuhr der Chickenbus – trotz ständigem Winken und lautem Schreien zu sich zu mir drehenden Fahrers – direkt vor meiner Nase weg. Mit rückständigem Temperament stellte ich leider wieder fest, dass Panama wirklich nicht Südamerika ist, wo jeder Passagier zählt und der Bus an fast jeder Ecke hält, um jemanden abzuholen… Anstatt um mich weiter zu ärgern und eine Stunde zu warten, stieg ich lieber in einen anderen Hühnerbus, der mich nur wenige Kilometer vom Nationalpark Soberanía aussteigen ließ.

Ich gelangte unweit von Panama-Stadt versehentlich an den Zoo. Um die Wahrheit zu sagen, hätte ich für den Besuch ungern bezahlt.

Mein App zeigte an, dass sich neben dem öffentlichen Park ein Tierpark befand. Außerhalb von Villavicencio in Kolumbien und Cuenca in Ecuador bewegen die Zoos meine Vorstellungskraft nicht wirklich, aber da der Eingang völlig verlassen schien, ging ich ohne lange nachzudenken hinein. Abgesehen von ein paar Käfigvögeln und -tieren erregten nur einige Tapire meine Aufmerksamkeit. Der Park gefiel mir gar nicht, und als Dutzende von Besuchern ankamen, verließ ich stilvoll über den Haupteingang den Zoo. Unweit von hier befand sich Soberanía, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte.

Im Zoo fand ich Spuren der Panama-Canal-Railway, dessen Bau im Mai 1850 begann.

Obwohl ich im Soberanía Park keine Faultiere entdeckt habe, konnte ich Brüllaffen aus nächster Nähe fotografieren.

Jedoch vergebens habe ich im Laufe der Jahre mein Gehör auf das Aufspüren und Beobachten von Wildtieren in ihrer natürlichen Umgebung trainiert, diesmal habe ich leider kein Glück. Trotz Umherstreifen, Abwarten und Ausschau ließen sich die Faultiere und exotische Vögel einfach nicht blicken. Einige Brüllaffen und die grüne Natur trösten mich im sonst ganz durchschnittlichen Nationalpark. Am Ende der Wanderung treffe ich auf ein englisches Paar, mit dem ich versuche, einen Bus anzuhalten. Vergeblich warten wir an der Bushaltestelle, die Busse fahren einfach weiter, ohne uns anzublicken. Es ist uns völlig unverständlich, aber ich gebe nicht auf und halte kurz darauf die örtliche Polizei an. Die netten Polizisten fahren uns bis zur Gabelung zurück, wo wir nach einiger Wartezeit einen Transport Richtung Panama-Stadt bekommen.

Der hochmoderne Wolkenkratzerwald ist ein aufregendes Erlebnis.

Die Blumenuhr der Cinta Costera ist ein wunderschöner Anblick.

Zum Glück ist am Nachmittag die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit optimal, so entscheide ich mich entlang der Avenida Balboa zur charmanten Altstadt von Casco Viejo zu gehen.

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Casco Viejo ist der Fischmarkt.

Die Aussichtspunkte der Cinta Costera bieten ein wunderschönes Panorama über die Altstadt.

Die Iglesia de la Compañía de Jesús ist ein 1741 erbautes Kloster, das nach der Vertreibung der Jesuiten mehrmals beschädigt wurde. Nach der Brandkatastrophe des 18. Jahrhunderts wurde das Kloster durch ein verheerendes Erdbeben weiter verwüstet.

Zwischen den Ruinen im schicken Kolonialviertel Casco Viejo fühlt sich das Schlängeln sehr gut an.

Panama City liegt am pazifischen Eingang zur künstlich erschaffenen Wasserstraße des Panamakanals und wurde im frühen 16. Jahrhundert von spanischen Eroberern gegründet. Die Stadt war der Ausgangspunkt für die Forschungs- und Kolonialexpeditionen, die das Reich der Inka in Peru eroberten.

Die Hochhäuser stehen im Kontrast zu dem alten Charme der sich durch die ganze Stadt hindurchzieht.

Panama-Stadt mit einer Reihe charakteristisch geformter Wolkenkratzer – die den Hochhäusern von Dubai, Hongkong und Singapur ähneln – und einem hochmodernen Viertel, das sich mit beachtlicher Dynamik entwickelt, ist ein erstaunlicher Anblick. Ich sage dies trotz der Tatsache, dass ich persönlich viel besser mit lateinamerikanischen Städten zurechtkomme, in denen es echte Leidenschaft und eine authentische Kultur gibt, die sich auf positive Erfahrungen konzentriert. Wenn ich nur Zentralamerika betrachte, habe ich trotz der anhaltenden Armut Nicaragua, El Salvador oder Honduras – Länder, die eher von Rucksacktouristen besucht werden, die die Unannehmlichkeiten der obigen ärmeren Länder leicht in Kauf nehmen – mit charaktervolleren Erfahrungen verlassen.

Selbst in New York könnten wir sein, als wir in Panama City zwischen den modernen Wolkenkratzern spazieren gehen.

Es gibt Stadtteile, in denen sich alte und moderne Stadtplanung vermischen.

Panama-Stadt hat ihren Reichtum vor allem dem Panamakanal zu verdanken, dem wichtigsten Schifffahrtskanal der Welt, den die Vereinigten Staaten 1903 gepachtet und bis 1999 souverän kontrolliert haben. Seitdem Panama die volle Souveränität über die Kanalzone von den Vereinigten Staaten wiedererlangt und eine wirksame Beteiligung an der Bewirtschaftung des Panamakanals erlangt hat, befindet sich das Land in einer Phase beispiellosen Wirtschaftswachstums.

Neben den gigantischen modernen Gebäuden befinden sich die Spuren der kolonialen Vergangenheit.

Bereits im 16. Jahrhundert spielte die schlanke Silouette des Landes von Panama – der ideale Punkt, um die beiden Ozeane zu verbinden – eine zentrale Rolle im Leben des spanischen Kolonialreiches. Das von der Westküste Amerikas gewonnene Gold wurde über den Panamastreifen auf dem Landweg an die Karibikküste geschafft und von dort dann weiter nach Spanien verschifft. Nach dem erfolgreichen Bau der Panamabahn und des Sueskanals beschleunigten sich die Ereignisse. Französische Investoren waren die ersten, die sich am Projekt “Panamakanal” beteiligten, allerdings wurde die den Atlantik mit dem Pazifik verbindende Wasserstraße aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten unter US-amerikanischer Aufsicht fertiggestellt. Ich habe eine der ursprünglich geplanten und fertiggestellten gewaltigen Schleusenanlagen – die Miraflores-Schleuse – und das im Besucherzentrum eingerichtete liebevolle Museum bereits mit meinem Kumpel Béla besucht, der am letzten Tag des Karnevals in Panama ankam.

Auch in Panama City wird Karneval gefeiert.

Der Panamakanal, die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt, ist nach wie vor das wichtigste nationale Symbol des Landes.

Bis heute gilt der Panamakanal als eines der faszinierendsten Bau-Projekte aller Zeiten.

Am Miraflores Lock beobachten wir vorbeifahrende Schiffe bei ihrer Passage der Miraflores-Schleusen.

Ausgehend von Panama-Stadt – noch vor dem Besuch des Panamakanals, den man unbedingt gesehen haben muss! – fuhren wir mit einem Mietwagen zum höchsten natürlichen Punkt der Hauptstadt, dem einsamen, fast 200 Meter hohen Ancón-Hügel, den ich einige Tage zuvor zu Fuß bewältigt hatte. Ancón, der heute als eines der nationalen Symbole der panamaischen Unabhängigkeit gilt, war bis 1977 als Teil der Panamakanal-Zone unter US-amerikanischer Gerichtsbarkeit. Als Panama nach dem Panamakanal-Vertrag die Kontrolle über den Hügel wiedererlangte, wehte als erstes eine große offizielle Staatsflagge auf dem Hügel. Der Name des Hügels ist eine Abkürzung – Asociación Nacional para la Conservación de la Naturaleza – und wurde nach dem Dampfer (S.S. Ancón) genannt, der 1914 als erstes Schiff die knapp 82 km lange Wasserstraße mit den drei Schleusen nutzte.

Die „Puente de las Américas“ ist vom Ancón-Hügel aus gut sichtbar.

Wenn man in die andere Richtung schaut, erscheint die geschäftige Schifffahrtsroute des Panamakanals, der als einer der sieben Weltwunder der Moderne ausgezeichnet wurde.

Der Tukan ist am Ancón-Hügel kein seltener Anblick.

Colón jenseits des Panamakanals ist eine ganz andere Welt. Während Panama City eine der am schnellsten wachsenden Metropolen der Welt ist, hat sich die Küstenstadt am karibischen Ausgang des Panamakanals im Laufe der Jahrzehnte zu einem der heruntergekommensten Ghettos der Region entwickelt. Deshalb parke ich in großer Angst in einer der Seitenstraßen und als wir nach einer halben Stunde Stadtbesichtigung zurückkehren, sind wir beide sehr erfreut festzustellen, dass unser Mietwagen noch da stand und alle vier Räder hatte.

Ich würde nicht gerne nach Colón ziehen.

Obwohl der Paseo Marino geschlossen war, machten wir eine schnelle Station, um ein Foto zu knipsen.

Auf dem Weg nach Fort San Lorenzo nehmen wir einen tschechischen Anhalter mit, der zum Hafen von Fuerte Sherman möchte, um sich an Bord eines Schiffes nach Kolumbien zu bitten. Im Wald von San Lorenzo fotografieren wir Brüllaffen, deren Brüllen schon aus sehr weiter Ferne zu hören ist. Wir verbringen viel Zeit mit den Affen und kommen ziemlich spät an der Mündung des Rio-Chagres und dem Parkplatz der Festungsanlage an. Leider ist die Straße zum Fort bereits geschlossen, der Parkwächter ist noch dazu komplett unsympathisch. Da eine halbe Stunde vor Schließung Kassenschluss ist, will er uns nicht hinauffahren lassen. Während meiner langen Reisen durch Lateinamerika habe ich jedoch gelernt, dass es auf dem Kontinent immer eine Lösung für alles gibt. Deshalb parke ich einfach direkt vor dem Parkwächter und renne mit Béla zusammen zur historischen Festung hinauf, die seit 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Diesmal bleibt wenig Zeit für die Ruinen von Fort San Lorenzo.

Wir hatten insgesamt 15 Minuten Zeit für die von der Natur etwas beschädigten Ruinen. Ich versuchte am Eingang den Eintrittspreis zu verhandeln, doch die Frau an der Kasse blieb hartnäckig. Wir können uns immer noch freuen, die Festung San Lorenzo, die ab Mitte des 18. Jahrhunderts etwa 100 Jahre als Gefängnis diente, zu besichtigen. Leider kann ich bei der Anlage nicht fotografieren, weil ich in großer Eile meine Kamera im Auto vergesse…

Wir erreichen Portobelos Festung und den während der spanischen Kolonialzeit von mächtigen Forts beschützten Hafen, schon nach Sonnenuntergang. In dem in einer “geschlossenen” Bucht versteckten Fischerdorf feierte das ganze Dorf den für das Wochenende ausgedehnten Karneval. Wir schauen uns für ein paar Minuten die alkoholisierte Performance in einem der zentralen Parks der Siedlung an, aber wären beide viel mehr an der eher heruntergekommenen alten Festung des „schönen Hafens“ interessiert, der ich beim nächsten Mal – bei mehr Tageslicht – sicherlich viel mehr Zeit widmen werde.

Die atemberaubende Panama-Stadt ist ein Ort, in den ich jederzeit gerne wiederkommen würde.

Wir kehren müde in die weltoffene Metropole zurück und machen trotzdem einen großen Spaziergang zwischen den Hochhäusern und den exklusiven Türmen in der privilegierten Gegend von Punta Paitilla. Im Laufe einiger Tage lernten wir verschiedene Gesichter der sich dynamisch entwickelnden Stadt mit einer schönen Zukunft kennen, die mir sehr gut gefallen hat, und das obwohl ich supermoderne Städte im amerikanischen Stil nicht besonders mag…

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