Nach einem eigenen Missgeschick im letzten Jahr besuchte ich wieder mal Ayacucho, die am schönsten gelegene und äußerst sehenswerte Stadt in der Cordillera Central. Aufgrund der begangenen Grausamkeiten der maoistischen Terrororganisation “Leuchtender Pfad” bietet jetzt die Andenstadt trotz ihrer dunklen Vergangenheit ein ruhiges und friedliches Bild. Unweit von Ayacucho befindet sich die ehemalige Hauptstadt der großen andonischen Zivilisation, des Wari-Reiches. Die einfach Wari genannte Ruinenstadt ist vermutlich eine der größten archäologischen Stätten in Peru.

Nachdem die Mirador-Gruppe nach Europa zurückgekehrt war, wurde ich wieder Al­lein­rei­sen­der. Ich hatte zwei Monate Zeit, um nach Ecuador zu gelangen. Ich wollte diese acht Wochen auf einer intensiven Reise, kombiniert mit mehrtägigen Wanderungen, verbringen. Ich habe lange darüber nachgedacht, wo und wie ich die Zwischenzeit verbringen soll. Bolivien und die Zentralanden sowie La Rinconada, die höchstgelegene Stadt der Welt, wären richtig tolle und weniger besuchte Alternativen. Letztere steht schon lange auf meiner Wunschliste und das obwohl die auf 5.100 Metern über dem Meeresspiegel liegende peruanische Bergbaustadt nicht gerade das reizvollste Touristenziel Perus ist.

Die im 17. Jahrhundert erbaute dreischiffige Kathedrale von Ayacucho gilt als eine der schönsten Basiliken Perus.

Ein Besuch der Goldgräberstadt wird noch auf mich warten, da ich mich entschlossen habe, durch die längsten Gebirgsketten der Erde Richtung Norden zu fahren und die weniger bekannten, aber nicht minder interessanten Sehenswürdigkeiten des Abschnitts zwischen Cusco und Lima kennen zu lernen. Mit dem Nachtbus unterwegs erreichte ich am frühen Morgen die Stadt Ayacucho, jenen Ort, wo ich ein Jahr zuvor schon mal gewesen bin. Hier verlor ich aber aus bis heute mystischen Gründen alle meine Fotos der Ruinenstadt Wari. Mein Plan war es, die riesige Kultstätte nochmals zu fotografieren.

Die gemütliche Stadt im zentralen Andenhochland hat einen weniger bekannten, inoffiziellen Namen, nämlich Huamanga. Dies ist auch der Name der Region, in der Ayacucho die Hauptstadt ist.

Meine Unterkunft ist wieder ein einfaches, aber sauberes Hotel in der Nähe des großen Terminals. Obwohl es nicht mit dem bequemsten Bett der Welt ausgestattet ist, ist das Hotel mit scheinbar gut funktionierendem Internet und einem extrem niedrigen Preis die richtige Wahl für die paar Tage in der Andenstadt. In den 1970er und 1980er Jahren war Ayacucho eine der am stärksten durch den Terror des Sendero Luminoso betroffenen Städte. Die maoistische Terrororganisation namens Leuchtender Pfad, gekennzeichnet von Abimael Guzmán Reynoso, dem damaligen Philosophieprofessor an der lokalen Universität, wurde in der in den wilden Bergen der Anden versteckten Stadt ins Leben gerufen.

Auf einer langen Innentreppe kann man zur Spitze der wichtigsten und größten Kirche der Stadt hinaufsteigen.

Der Leuchtende Pfad kämpfte um den Sturz des peruanischen politischen Systems. Die grausame Guerilla-Organisation, die eine starke Unterstützungsbasis in der armen Anden-Region hatte, wurde 1992 von einer mit voller Macht ausgestatteten Militärbehörde zerstört. Zu dieser Zeit wurde Guzmán – der Anführer vom vor der völligen Vernichtung stehenden Sendero Luminoso – zusammen mit mehreren seiner Kameraden festgenommen. Die regierungsfeindliche Guerilla-Organisation löste sich anschließend auf.

Der Blick von der Spitze der Kathedrale auf den Hauptplatz der ehemaligen Hochburg der Terrororganisation Sendero Luminoso ist großartig.

Von der heutzutage freundlichen Kolonialstadt mit angenehmem Klima fuhr ich mit einem Colectivo stadtauswärts zum Archäologischen Park Wari in Richtung Quinoa, einem historisch bedeutsamen Ort des peruanischen Unabhängigkeitskrieges. Ich mag südamerikanische Colectivos sehr, weil sie keinen festen Zeitplan haben und erst starten, wenn der Kleinbus voll besetzt ist. Glücklicherweise muss man selten lange warten, die Busse füllen sich normalerweise schnell auf und starten regelmäßig.

Ein spektakulärer Kaktushain bedeckt die gigantisch beeindruckende Landschaft.

Die Ruinen von Wari wurden erstmals 1553 von Pedro Cieza de León, einem spanischen Konquistador und Chronist erwähnt, der die Ruinenstadt wegen des durch das Gelände fließenden Hauptflusses Vinaque nannte.

Es war weniger als eine halbe Stunde vergangen und ich stand nach ca. einem Jahr wieder am Eingang des zwanzig Kilometer nordöstlich von Ayacucho entfernten Wari-Geländes. Damals wanderte ich lange auf dem riesigen Terrain und fotografierte im Detail einen der größten archäologischen Überreste Perus. Meine dort geknipsten Fotos waren jedoch vollständig verschwunden.

Ciudad de Huari war vor der spanischen Eroberung möglicherweise die große säkulare Stadt Perus.

Die Forscher, die die präkolumbianische Wari-Kultur studierten, haben den zwanzig Quadratkilometer großen zentralen Bereich der Siedlung in zwölf verschiedene Sektoren unterteilt.

Der Archäologische Park befindet sich auf einem über 2.600 Meter hohen Plateau zwischen den Bergen Pacaycasa und Taranayco und erstreckt sich insgesamt über eine Fläche von 2.000 Hektar. Die Ruinenstätte ist in mehrere Sektoren unterteilt. Das vor den Inkas in der Zeit von etwa 600 bis 1100 n. Chr. blühende Wari-Reich umfasste den langen wüstenhaften Küstenstreifen von Peru und die umliegenden Hochebenen. Über die militaristisch ausgerichteten Eroberer bzw. die Verwaltung der uralten Zivilisation ist nicht viel bekannt, da keine schriftliche Erinnerung übrig geblieben ist, nur Tausende von Ausgrabungsstätten.

Die ehemalige Hauptstadt der Wari-Kultur wurde in mehrere Sektoren unterteilt.

Die vor-inkaische Regionalkultur der Wari, die das heutige Peru regierte, blühte ungefähr 500 Jahre vor der Bildung des Inka-Reiches auf.

Wir verdanken ihnen die Bildung der ersten Städte im heutigen Sinne.

In den Überresten der alten Siedlung von Wari befindet sich eine permanente Museumsausstellung, in der die im Gelände und bei den Ausgrabungen gefundenen Funde (einschließlich Keramikgefäßen mit zwei konischen Ausgüssen, Ton- und Knochenstücken, Lithiten) ausgestellt und mit Fotos und Dioramen versehen sind. Aufgrund der lang anhaltenden Dürre, die die Küstenregion schon seit Jahrhunderten heimgesucht hat, begann um 800 der wirtschaftliche Niedergang des politischen und städtebaulichen Zentrums des Wari-Reiches. Die Hauptstadt im Ayacucho-Gebiet wurde dann um 1000 vollständig aufgegeben.

Die Wari verließen die Hauptstadt aus heute unbekannten Gründen.

Das Museum der Anthropologie präsentiert viele wertvolle archäologische Funde.

Die höchsten Mauern des Gebäudekomplexes erreichen sieben Meter.

Die aus Stein und Schlamm gebauten Gebäude, die in separate Blöcke und Räume unterteilt waren, dienten vermutlich Wohn-, Verwaltungs- und religiösen Zwecken. Ihre Einrichtungen waren nicht so spektakulär wie die der im 15. Jahrhundert aufgetauchten Inkas, aber ihre Gräber, die als kollektiv genutzte Grabstätte dienten, waren ziemlich erstaunlich.

Dieser Sektor zeichnet sich durch unterirdische Galerien, Hallen und Mausoleen aus, deren Grabkammerdecke aus gewaltigen glatten Steinplatten bestehen. Den Forschern zufolge könnte dieser Teil der alten Ruinenstadt zu Bestattungszwecken genutzt worden sein.

Morgen bleibe ich in der Nähe von Ayacucho und werde versuchen auf eigene Faust zu den Aguas Turquesas von Millpu zu gelangen, die ihre Pforten vor einigen Jahren auch für die Touristen öffneten. Wie ich das mache, weiß ich aber noch nicht…

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