In einer abgelegenen Region im Nordwesten Perus, dem Utcubamba-Tal, setzte ich die ausführliche Entdeckung der alten Zivilisation der Chachapoya fort. Die Wolkenkrieger wurden im 16. Jahrhundert vom riesigen Inka-Imperium erobert und kurz darauf verschwand das Chachapoya-Volk komplett. Diesmal entdeckte ich geheimnisvolle Begräbniskapseln und Mausoleen, die als die letzten Wohnstätten der Toten der Chachapoya dienten und an schwer zugänglichen Felsschächten gefunden wurden. Als Abschluss meiner aktuellen peruanischen Abenteuer spazierte ich entlang faszinierender Schluchten.

Die Regionalhauptstadt des Amazonas, Chachapoyas, hatte sich schnell und innig in mein Herz geschlossen. In den letzten Tagen habe ich die berühmten historischen Schätze und beeindruckenden Naturwunder der Gegend bewundert. Unter anderem begutachtete ich in den Bergnebelwäldern der Region riesige, herabstürzende Wasserfälle und auch den „Machu Picchu des Nordens“, die Kuelap-Festung. Die gigantische Festungsanlage, deren runde Gebäude mit keltischen Symbolen versehen sind, liegt auf einem Hochplateau in einer Höhe von 3.000 Metern.

Chachapoya-Grabdenkmal in Kalkstein

Nach vielen faszinierenden Sehenswürdigkeiten und besonders prägenden Erlebnissen war es kein Thema, mich ein paar Tage länger in der Umgebung aufzuhalten und auch die spektakulären Chachapoya-Grabstätten des mittlerweile ausgestorbenen Kriegervolkes kennenzulernen.

Grandioser Canyon im Milchnebel (Huanca Urco)

Der Totenkult, als Hochachtung oder Verehrung von Verstorbenen, spielte auch bei den in den Anden lebenden sagenumwobenen Wolkenkriegern eine ganz besondere Rolle. Während im alten Ägypten aufgrund des Glaubens an das Weiterleben im Jenseits elitäre Gräber in imposanten Pyramiden gebaut wurden, platzierte der Chachapoya-Stamm seine Sarkophage an den steilen Abgrund in den Bergnebelwäldern.

Spannende Funde im archäologischen Museum von Cruz Pata

Spannende Funde im archäologischen Museum von Cruz Pata

Karajía’s anthropomorphe Sarkophage, umgeben von hohen Bergen und Regenwäldern, erreichte ich mit einem lokalen Colectivo über eine nicht geteerte Straße durch die Siedlung von Luya. Mein Kleinbus hielt buchstäblich bei jedem Busch. Diesmal machte mir das aber überhaupt nichts aus, da ich so bei Tageslicht die zerklüfteten Landschaften mit Pässen und Tälern rund um Chachapoyas beobachten konnte.

Karajía’s 2 bis 2,5 m hohe Bestattungskapsel bestehen aus Stroh und Lehm

Von Luya aus reiste ich mit einem Sammeltaxi ins abgelegene Dorf Cruz Pata. Vom Zentrum des kleinen Dorfes erreichte ich zu Fuß in einem bequemen Tempo, innerhalb von nur einer halben Stunde, Karajía, die alte Begrabungsstätte der Chachapoya. Die verschwundene Zivilisation aus der Prä-Inka Zeit hinterließ als Erinnerung einige aus Lehm, Stöcken und Gräsern menschlich geformte Sarkophage in Körperform, die an den Rand von Felswänden platziert wurden.

Die Schädel an den Sarkophagen dienten höchstwahrscheinlich als Trophäen

Es befinden sich sechs Chachapoya-Mumien an der archäologischen Stätte. Bis heute bleibt es ein Rätsel, wie die 2 bis 2,5 Meter hohen Sarkophage an die Rände des Berghanges gelangt sind. Den Einwohnern zufolge waren die aus Stroh und Lehm erbauten Bestattungskapseln für hochrangige Vorfahren und für uralte weise Männer der Chachapoya-Gemeinde konzipiert. Es ist sehr interessant, dass jede Figur mehr oder weniger verschiedene Gesichter und einzigartige Dekorationen aufweist.

Hoch in den Canyonwänden eingebaut befinden sich Chullpas, die sicherstellen, dass jahrhundertelang niemand sie stört

Das sich auf 2.800 Metern über dem Meeresspiegel befindliche Mausoleum von Revash stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist grundsätzlich leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Ich wollte daher am frühen Morgen ins Dorf San Bartolo in der Nähe der Kalkfelsen gelangen, änderte aber schnell meinen Plan, als sich herausstellte, dass erst am Nachmittag ein Bus Richtung San Bartolo aufbricht. Ich machte schnell neue Pläne und nahm einen Bus nach Yerbabuena, von wo aus ich auf nicht markierten Pfaden Richtung der in den Kalkstein gegrabenen Grotte des Cerro Carbon aufbrach.

Rote und cremefarbene Grabdenkmäler für die höchsten Persönlichkeiten der Chachapoya-Gesellschaft

Tatsächlich waren die roten und cremefarbenen Stein- und Lehmhäuser, die die Revash-Gräber beinhalten, von der Beobachtungsstelle in der Tiefe des Bergnebelwaldes zu sehen.

Die Forscher wissen bis heute relativ wenig über die Kultur der Chachapoya, ihre Bestattungs-Rituale und über die in den Sarkophagen begrabenen Personen. Laut den Archäologen haben die örtlichen Gemeinschaften den begrabenen Toten besondere Bedeutung beigemessen. Die Höhe und Form der Häuser sind unterschiedlich, sie sind immer auf die steile Felswand und die natürliche Höhle ausgerichtet.

Die um die ein Meter hohen Revash-Mausoleen erinnern einen an bunte Hütten

An meinem letzten Tag in Chachapoyas verfügte ich über einen freien Morgen, bevor ich an die Küste des Landes, nach Lima fuhr, um von der peruanischen Hauptstadt Tage später nach Ecuador aufzubrechen und nach gut drei Monaten das Land zu wechseln. Ich nutzte daher meine freien Stunden, um zu den nahe gelegenen Huancas zu fahren, zu den tiefsten Schluchten des Amazonasgebiets mit ihren einzigartigen Naturschätzen. Der elf Kilometer lange, an der tiefsten Stelle über neunhundert Meter hohe Canon del Sonche endet am Utcubamba-Fluß und verfügt über einen spektakulären Aussichtspunkt. Der Rundumblick ins Tal kann mit Worten nicht beschrieben werden!

Schon wegen dieser Sicht hat sich der morgendliche Ausflug gelohnt

Der Spaziergang entlang den Schluchten von Sonche und Huanca Urco ist zu einem sehr schönen und gemütlichen Abschluss meines eine Woche langen Aufenthaltes in Chachapoyas geworden. Bald werde ich nach Lima zurückkehren, um meinen reparierten Computer von meinem peruanischen Freund Marcos abzuholen. In einigen Wochen stellt sich heraus, ob ich über Ecuador’s Hauptstadt Quito endlich die seit Jahren von mir erträumten und zu einem absoluten Reisetraum gehörenden, Galapagos-Inseln erreichen konnte…

Wenn Dir meine Abenteuer gefallen und Du auch gerne mal so eine Reise erleben würdest, dann schau mal hier vorbei.

Wenn Dir dieser Eintrag gefallen hat und du neugierig auf weitere Fotos und Informationen geworden bist, besuche einfach meine Facebook-Seite.